Großmeister im Interview: Freimaurer haben noch immer politischen Einfluss

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Großmeister im Interview: Freimaurer haben noch immer politischen Einfluss

Die Freimaurer haben laut eigener Einschätzung nach wie vor politischen Einfluss. Allerdings sei dies von Land zu Land unterschiedlich, sagte der Großmeister der Großloge von Österreich, Michael Kraus, im Gespräch mit der APA. In Österreich gebe es für die Freimaurer nicht so viel zu tun, brennendere Probleme sieht er etwa auf europäischer Ebene, etwa bei der Schaffung einer europäischen Identität. Natürlich habe man sich bemüht, in Brüssel "ein paar Leute sitzen zu haben", die dort "ein paar Gedanken einfließen lassen". Die Freimaurerei in Österreich sieht der Großmeister gut aufgestellt.

Am stärksten sei der Einfluss der Logen in den USA ausgeprägt, die Mehrzahl der US-Präsidenten seien Freimaurer gewesen, so Kraus. In England sei es Tradition, dass ein Mitglied der Königsfamilie eine wichtige Position bei den Freimaurern einnehme, gegenwärtig sei dies der Herzog von Kent, Prinz Edward, ein Cousin der Queen. In Lateinamerika gebe es fast keinen Revolutionär, der nicht Mitglied der Freimaurer gewesen sei. "Überall dort, wo es gegen eine Diktatur ging, waren wir präsent", so der Großmeister. Auch die österreichische Freimaurerei sei daran interessiert, dass man Leute an den "Hebeln" sitzen habe. Allerdings seien in Österreich die Aufgaben "nicht so rasend groß", meinte Kraus.

Freimaurerei kein Geheimbund
Als Geheimbund will er die Freimaurerei nicht verstanden wissen. Die von den österreichischen Logen so hoch gehaltene Tradition der Geheimhaltung habe konkrete Gründe. Einerseits gehe es um den Schutz der Logen-Brüder, denn in manchen Gesellschaftsschichten sei eine Mitgliedschaft bei den Freimaureren noch immer verpönt. Dass sich in Österreich relativ wenige Personen des öffentlichen Lebens zum Freimaurertum bekennen (wie etwa der frühere Verkehrsminister Rudolf Streicher oder Wiens Alt-Bürgermeister Helmut Zilk, Anm.), liege wohl auch daran, dass man sich in Österreich nicht so gerne "ins Lichte der Öffentlichkeit" trage, meint Kraus.

Mit Entwicklung der Mitgliederzahlen zufrieden
Mit der Entwicklung der Mitgliederzahlen hier zu Lande zeigte sich der Großmeister zufrieden. Im Gegensatz zu den angelsächsischen Ländern wie Großbritannien oder den USA habe man es in Österreich nicht mit einem Schwund, sondern vielmehr mit einem Wachstum der Mitglieder zu tun, sagte Kraus.

Steigendes Interesse bei Jugendlichen
Kraus macht vor allem bei jungen Österreichern ein steigendes Interesse an dem Bund aus. Als Grund sieht der Unternehmer, dass "gerade bei Jüngeren ein gewisses Manko an Wertesystemen vorhanden ist". Es gebe Defizite, "viele kommen zu uns und vermuten hier Halt und Stütze", so Kraus.

Keine Religion
Außerdem betonte Kraus: "Wir sind nicht eine Religion, wir sind auch nicht dazu da, Politik zu machen." Aber man wolle sehr wohl helfen, "gesellschaftspolitische Mechanismen besser zu verstehen". Die Freimaurerei versuche "auf einem hohen Abstraktionsgrad", die Dinge "in eine bessere Richtung zu bringen", sagte der Großmeister.

Alle Glaubensrichtungen willkommen
Willkommen sind bei den österreichischen Freimaureren Anhänger aller Glaubensrichtungen. Wichtig sei lediglich das Prinzip, "dem Überirdischen Respekt zu zollen" - darin steht die österreichische Freimaurerei in der Tradition der Vereinigten Großloge von England - im Gegensatz zur Gran Loge de France, die sich etwa dadurch unterscheidet, dass Gelöbnisse nicht vor der Bibel, sondern einem Buch mit weißen Seiten abgelegt werden. "Mit Atheisten können wir nicht wirklich etwas anfangen", sagte Kraus. In diesem Sinne werden auch die Treffen der Logen "in Ehrfurcht vor dem Großen Baumeister" eröffnet.

Keine Frauen zugelassen
Die Tatsache, dass die Freimaurerei ein reines Männer-Bündnis ist, will Kraus nicht als frauenfeindlich stehen lassen. Dies sei einerseits traditionell bedingt, schließlich kommt die Freimaurerei ja aus den Dombauhütten des Mittelalters, und Frauen war der Zugang zu diesen Berufen verwehrt gewesen. Andererseits lasse man die Frauen auch draußen, weil "der Mensch verhält sich anders in Anwesenheit des anderen Geschlechts". Es gelte, in einem "geschützten Raum" zu arbeiten, in einer "privaten Sphäre".

Mitglied durch Anwerbung
Mitglied bei den Freimaurern wird man vor allem durch Anwerbung. Zwar würden in den letzten Jahren "immer mehr Menschen von selbst" auf die Freimaurerei zukommen, dennoch werden in der Regel rund 90 Prozent der Mitglieder aktiv angeworben, sagte Kraus.

(apa/red)