GOLD FÜR ÖSTERREICH: Mario Matt gewinnt mit sensationeller Leistung Herren-Slalom!

2x Laufbestzeit: Tiroler siegt mit 1,81 Sek. Vorsprung "Blech" für Raich: Bronzemedaille um 3/100 verpasst<br>Italiener Mölgg holt Silber vor Frankreichs Grange

GOLD FÜR ÖSTERREICH: Mario Matt gewinnt mit sensationeller Leistung Herren-Slalom!

Im letzten Einzelrennen in Aare hat es für Österreichs Ski-Herren doch noch mit einer Goldmedaille geklappt, Mario Matt ist zum zweiten Mal nach 2001 Slalom-Weltmeister. Mit dem eindrucksvollen Vorsprung von 1,81 Sekunden setzte sich der völlig entfesselte Flirscher vor Manfred Mölgg (ITA) und 2,21 vor Jean-Baptiste Grange (FRA) durch.

Benjamin Raich verpasste als Vierter um 3/100 Sekunden eine Medaille, der Halbzeit-Dritte Manfred Pranger fiel auf Platz fünf zurück (+2,49). Bereits im ersten Lauf waren Reinfried Herbst und Rainer Schönfelder ausgeschieden. Für Österreich war es die achte Medaille in Aare, neben zwei Titeln stehen vor dem Team-Event am Sonntag drei Silber- und drei Bronzemedaillen zu Buche. Mit Gold am Sonntag würde Österreich im Medaillenspiegel Gastgeber Schweden von Platz eins verdrängen.

"Riesenfreude" bei Alpinchef Pum
Vor allem für die Herren war es ein wahrer Befreiungsschlag, denn nach zwei Silbermedaillen durch Fritz Strobl (Super G) und Raich (Super-Kombi) hatte es in Abfahrt und Riesentorlauf heftige Abfuhren zu verdauen gegeben. "Ich verspüre keine Genugtuung, sondern Riesenfreude", jubelte Alpinchef Hans Pum.

Der 27-jährige Matt war der Mann ohne Nerven, nach dem ersten Durchgang hatte er schon 1,14 Sekunden Vorsprung auf den zweitplatzierten Deutschen Felix Neureuther, der im Finale ausschied. Am Ende waren es dann unglaubliche 1,81 Sekunden auf den Südtiroler Mölgg, der im Weltcup als beste Karriereresultate einen zweiten (Schladming 2004) und einen dritten Platz (Kitzbühel 2007) zu Buche stehen hat. Der 22-jährige Grange war im Weltcup überhaupt erst drei Mal im Slalom in den Top Ten.

Matt: "Man muss im Slalom angreifen"
"Es ist die blödeste Situation, wenn der Vorsprung so groß ist. Ich habe mir gedacht, dass die anderen, die hinter mir liegen, voll riskieren werden. Es ist ein Wahnsinnsgefühl, ich habe bei diesem Titel länger darauf hin arbeiten müssen, umso schöner ist es, wenn man dann nach ganz vorne kommt", jubelte Matt, der auch im Finale volles Rohr gefahren war und erneut Laufbestzeit aufstellte. "Man muss im Slalom angreifen, um schnell zu sein." Auch sein Cheftrainer Toni Giger war beeindruckt. "Er hat das sensationell runtergebracht."

Extreme Ausfallquote
In einem K.-o.-Slalom der besonderen Art - im ersten Durchgang waren von 74 Läufern 36 nicht in der Wertung, am Ende waren nur 25 klassiert - waren schon in der Früh zahlreiche Favoriten auf der Strecke geblieben. Die Österreicher Schönfelder und Herbst ("Hier gibt es nur ein Motto: Voll angreifen und schauen was geht. Da kann so etwas leider passieren") befanden sich dabei in bester Gesellschaft: Lokalmatador Jens Byggmark (SWE), Doppel-Weltmeister Aksel Lund Svindal (NOR), Thomas Grandi (CAN), die Schweizer WM-Medaillengewinner Daniel Albrecht und Marc Berthod sowie die US-Amerikaner Ted Ligety und Bode Miller sahen im schwierig gesteckten Kurs und bei schlechter Sicht nicht das Ziel.

Eine derart hohe Ausfallquote hatte es zuletzt am 8. Februar 2004 im Weltcup-Slalom in Adelboden gegeben. 76 Teilnehmer wagten sich damals auf das berühmt-berüchtigte Kuonisbergli im Berner Oberland, das alleine im ersten ersten Durchgang 37 "Opfer" (33 Ausfälle, 4 Disqualifikationen - Ausfallquote von 48,68 Prozent) forderte. Im Finale der Top 30 erwischte es dann weitere acht Läufer. Auch damals siegte am Ende ein Österreicher: Der Kärntner Rainer Schönfelder feierte vor drei Jahren seinen fünften und bisher letzten Weltcupsieg.

Bei der WM durften im Gegensatz zum Weltcup alle Teilnehmer, die den ersten Lauf korrekt passiert hatten, am zweiten Durchgang teilnehmen. Von den Top 30 nach dem ersten Lauf schieden im WM-Finale gleich zehn Läufer aus. Und wäre der Slalom in Aare als Weltcup-Rennen gewertet worden, hätten nur die Top 18 Punkte bekommen, da ab Platz 19 die Rückstände mit mehr als zehn Sekunden größer als die maximal erlaubten acht Prozent auf die Siegerzeit waren.

Endstand des WM-Slaloms der Herren:
1. Mario Matt AUT 1:57,33 Min. 59,22 58,11
2. Manfred Mölgg ITA 1:59,14 +1,81 1:00,55 58,59
3. Jean-Baptiste Grange FRA 1:59,54 +2,21 1:00,49 59,05
4. Benjamin Raich AUT 1:59,57 +2,24 1:00,45 59,12
5. Manfred Pranger AUT 1:59,82 +2,49 1:00,41 59,41
6. Michael Janyk CAN 1:59,98 +2,65 1:00,70 59,28
7. Truls Ove Karlsen NOR 2:00,20 +2,87 1:01,31 58,89
8. Hans-Petter Buraas NOR 2:00,78 +3,45 1:01,43 59,35
9. Patrick Biggs CAN 2:01,44 +4,11 1:01,48 59,96
10. Lars Myhre NOR 2:01,56 +4,23 1:01,74 59,82
11. Urs Imboden MDA 2:01,78 +4,45 1:02,27 59,51
12. Martin Hansson SWE 2:01,98 +4,65 1:01,79 1:00,19
13. Kilian Albrecht BUL 2:02,28 +4,95 1:02,29 59,99
14. Julien Lizeroux FRA 2:02,71 +5,38 1:02,86 59,85
15. Noel Baxter GBR 2:02,83 +5,50 1:01,90 1:00,93
16. Filip Trejbal CZE 2:03,23 +5,90 1:01,85 1:01,38
17. Cristian Simari Birkner ARG 2:03,60 +6,27 1:02,70 1:00,90
18. Naoki Yuasa JPN 2:04,47 +7,14 1:01,53 1:02,94
19. Demian Franzen AUS 2:07,82 +10,49 1:04,76 1:03,06
20. Ivan Heimschild SVK 2:09,15 +11,82 1:05,00 1:04,15
21. Dean Todorow BUL 2:09,61 +12,28 1:06,63 1:02,98
22. Andre Myhrer SWE 2:09,90 +12,57 1:01,04 1:08,86
23. Guillem Capdevila ESP 2:10,53 +13,20 1:06,55 1:03,98
. Kai Alaerts BEL 2:10,53 +13,20 1:06,69 1:03,84
25. Tim Jitloff USA 2:23,26 +25,93 1:03,35 1:19,91

Ausgeschieden:
Im 2. Durchgang u.a.: Felix Neureuther (GER), Ivica Kostelic (CRO), Kalle Palander (FIN), Markus Larsson (SWE), Pierrick Bourgeat (FRA), Cristian Deville (ITA), Bernard Vajdic (SLO)

Im 1. Durchgang u.a.: Reinfried Herbst, Rainer Schönfelder (beide AUT), Jens Byggmark (SWE), Aksel Lund Svindal (NOR), Thomas Grandi (CAN), Ted Ligety, Bode Miller (beide USA), Akira Sasaki (JPN), Alois Vogl (GER), Daniel Albrecht, Marc Berthod, Marc Gini, Silvan Zurbriggen (alle SUI)

Nicht am Start im 2. Durchgang: Giorgio Rocca (ITA)

Insgesamt 74 Läufer am Start, davon 36 im ersten Lauf nicht in der Wertung (34 ausgeschieden, 2 disqualifiziert). Im zweiten Lauf gab es dann 12 Ausfälle. Rocca verzichtete nach 18,59 Sekunden Rückstand auf eine Teilnahme am Finale.

(apa/red)