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Glyphosat durch die Hintertür?

Wie das umstrittene Unkrautvernichtungsmittel trotz Teilverbots aufs Getreide kommt

Traktor besprüht ein Feld mit Pestizid © Bild: iStockphoto

Seit 2013 sonnt sich Österreich in seiner Vorreiterrolle: Damals wurde hierzulande die sogenannte "Sikkation" verboten. Das ist eine besonders scharf kritisierte Anwendungsform des ohnehin umstrittenen Pestizidwirkstoffs Glyphosat, bei der das Getreide totgespritzt wird, um ein gleichzeitiges Abreifen der Pflanzen vor der Ernte zu erwirken. Nicht nur für den Laien hieß das beschlossene Gesetz: Glyphosat, das in Verdacht steht, krebserregend zu sein, kommt ab nun knapp vor der Ernte nicht mehr aufs Korn. Falsch gedacht.

Das ORF-Magazin "heute konkret" konfrontierte kürzlich einen hochrangigen Bauernvertreter mit Rechercheergebnissen, denen zufolge Glyphosat-Produkte in Österreich zur Behandlung von vollreifem Getreide zugelassen sind. Der Landwirtschaftsfunktionär warf der Journalistin zunächst vor, schlecht recherchiert zu haben. Dann erkundigte er sich aber bei einem seiner Mitarbeiter und fiel vor laufender Kamera aus allen Wolken.

Ein ganz feiner Unterschied

Tatsächlich gibt es im Zulassungsschema einen Unterschied zwischen "Sikkation" und der sogenannten "Vor-Erntebehandlung". Mit anderen Worten: Das Sikkationsverbot, das zuletzt auch Landwirtschaftsminister Andrä Rupprechter unterstrichen hat, sorgt nicht dafür, dass Getreide vor der Ernte nicht gespritzt wird. Hat man sich also eine Hintertür offengelassen?

Die Agentur für Gesundheit und Ernährungssicherheit (AGES) erklärt, dass – anders als bei der Sikkation – bei der Vor-Erntebehandlung keine Wirkstoff-Rückstände zu erwarten seien. Das reife Getreide nehme das Glyphosat nicht mehr auf. Im Unterschied zur Sikkation ziele die Vor-Erntebehandlung auf die Unkräuter ab.

Interessant ist aber, dass die AGES auf europäischer Ebene sehr wohl beide Anwendungsarten verbieten lassen möchte. Bei der Vor-Erntebehandlung gehe es jedoch nicht um die „Rückstandsproblematik“, sondern um Umweltauswirkungen und um eine generelle Glyphosat-Reduktion, heißt es auf News-Anfrage.

Das Zulassungs-Match

Derzeit läuft in der EU ein heißes Match um die Wiederzulassung von Glyphosat. Die bisherige Zulassung läuft in einigen Wochen aus. Zuletzt konnte im zuständigen Gremium zum zweiten Mal keine Mehrheit für eine Verlängerung gefunden werden.

Was die Gesundheitsfolgen von Glyphosat betrifft, herrscht große Uneinigkeit. Die AGES hält den Wirkstoff bei sachgemäßer Anwendung für sicher. Die internationale Krebsforschungsagentur IARC der Weltgesundheitsorganisation WHO klassifizierte vor einem Jahr Glyphosat als möglicherweise krebserregend für Menschen.

Kommentare

Vielleicht wäre es Herrn Berlakovich auch hier wieder möglich, die EU zu bestürmen, dass AT in dieser Frage autonom entscheiden darf? Es ist ihm ja auch in der Frage der Neonicotinoide gelungen. Wir müssten ihn mobilisieren und anschließend den öst. Gesetzgeber, um Glyphosat hierzulande zu verbieten.

christian95 melden

Danke SPÖ+ÖVP!
Die solche Mittel nicht verhindern..

christian95 melden

Auch wenn ich deswegen wieder als Rechter bezeichnet werde: Ich traue Herrn Hofer zu, dass er so ein Gesetz nicht unterschreibt.

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Ja, es entspräche dem rechten Gedankengut alles, was einem nicht geheuer ist, verbieten zu wollen.

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