Geheimdienst-Dokumente freigegeben: CIA setzte in 60ern Mafia auf Fidel Castro an

Gangsterboss Roselli sollte Kubas Staatschef killen Anschlagsversuche mit Giftpillen schlugen aber fehl

Geheimdienst-Dokumente freigegeben: CIA setzte in 60ern Mafia auf Fidel Castro an

Der US-Geheimdienst CIA hat in den 60er Jahren mit zwei der meistgesuchten Verbrechern des Landes zusammengearbeitet, um Kubas Führer Fidel Castro zu töten. Dies geht aus Dokumenten hervor, die die CIA freigab und die auch Aufschluss über andere Attentats-, Entführungs- und Spionageversuche des Dienstes über einen Zeitraum von 25 Jahren hinweg geben. CIA-Direktor Michael Hayden ordnete die Freigabe an, um den Schleier der Geheimhaltung über die Vergangenheit des CIA zu lüften.

Der CIA-Mitarbeiter Richard Bissell habe im August 1960 bei dem Dienst nach der Möglichkeit gefragt, bei einem "sensiblen Projekt in Gangster-Manier" zu helfen, heißt es in den Papieren. "Ziel des Projekts war Fidel Castro." Man habe bei Johnny Roselli angefragt, ob er bei einem Attentat auf Castro helfen könne. Bei der CIA sei man davon ausgegangen, dass Roselli ein hochrangiges Mafia-Mitglied sei. Dabei habe der Geheimdienst Roselli eine Lügengeschichte aufgetischt: Ihm sei erzählt worden, mehrere internationale Firmen hätten durch Castros Vorgehen viel Geld in Kuba verloren und seien bereit, für seine Beseitigung 150.000 Dollar zu zahlen. "Roselli wurde klar gemacht, dass die US-Regierung von dem Vorhaben nichts weiß und auch nichts wissen soll", heißt es in einem Papier.

Die Dokumente lesen sich zum Teil wie ein billiger Krimi: Der Plan wurde Roselli im Hilton Plaza Hotel in New York unterbreitet. Er reagierte zunächst kühl. Der Kontakt habe die CIA dann aber zu zwei Top-Kriminellen geführt, die beide auf der Liste der damals meistgesuchten Männer in den USA standen: Momo Salvatore Giancana - alias "Sam Gold" - und Santos Trafficant. Giancama erschien der Einsatz von Schusswaffen problematisch. Er habe eine Giftpille vorgeschlagen, die Castro ins Essen oder in ein Getränk gemischt werden sollte.

Letztlich seien sechs Giftpillen dem kubanischen Behördenmitarbeiter Juan Orta übergeben worden, der Zugang zu Castro gehabt und in finanziellen Problemen gesteckt habe. "Nach einigen Wochen, an denen über mehrere Anschlagsversuche berichtet wurde, bekam Orta plötzlich kalte Füße und wollte aus der Sache aussteigen", heißt es in einem Dokument. "Er schlug einen anderen Kandidaten vor, der ebenfalls mehrmals erfolglos einen Anschlag versuchte."

Viele grobe Züge aus den Dokumenten waren bereits in den vergangenen Jahren durch Untersuchungen des Kongresses bekannt geworden. Nun aber liegen zahlreiche Details vor, die bislang unbekannt waren, so etwa zum "Watergate"-Skandal, der zum Rücktritt von US-Präsident Richard Nixon führte.

Eine Expertin kritisierte, die Freigabe dieser Akten sei zu wenig. Es müssten mehr Informationen über die Möglichkeiten des CIA zur Terrorabwehr zur Zeit der Anschläge vom 11. September 2001 veröffentlicht werden, sagte die Politik-Beraterin Amy Ziegart. "Wenn der Geheimdienst wirklich verbessert werden soll, dann müssen diese Papiere herausgegeben werden", sagte sie. (apa)