Gasalarm in einer Grazer Polizeidirektion: Phosgen strömt seit Jahren in Ruheraum!

Direktion & Betriebsärzte ignorierten Beschwerden Feuerwehr: "Gaskonzentration nur lokal begrenzt"

In einem Raum der Grazer Polizeidirektion in der Paulustorgasse ist eine erhöhte Chlor- und Phosgenkonzentration festgestellt worden. Aufmerksam wurde die Polizei, als einige Beamten über Kopfschmerzen, Schwindelgefühle und Übelkeit klagten, hieß es. Nach einer Messung, die eine erhöhte Konzentration in der Luft bestätigte, wurde rund um den Raum eine Sicherheitszone eingerichtet, die von Personen nicht betreten werden darf.

Bereits vor zwei Wochen war man auf die Situation in dem so genannten Einsatzmittelraum, der vor Jahren als Pausenraum genutzt wurde, aufmerksam geworden. Nachdem in Medienberichten erst von Giftgas" die Rede war, reagierte der ABC-Beauftragte des Landespolizeikommandos, Oberstleutnant Reinhard Domanyi: "Man sollte die Kirche im Dorf lassen". Nach einer von der Polizei durchgeführten Messung der Raumluft, die eine erhöhte Chlor- und Phosgenkonzentration feststellte, sei man nun auf der Suche nach Experten, die eine wissenschaftlich fundierte Messung durchführen können.

Die Quelle der Gaskonzentration wurde in einem zugeschütteten Kellerbereich lokalisiert, der umgehend versiegelt wurde. Der nähere Bereich wurde geräumt und eine Sicherheitszone eingerichtet. Für Wolfgang Hübel von der Feuerwehr Graz besteht "kein akuter Handlungsbedarf, da die Gaskonzentration lokal begrenzt" sei. Das Gebäude der Bundespolizeidirektion in der Paulustorgasse fungierte bis zum ersten Weltkrieg als Bürgerspital. Deshalb sei es auch nicht auszuschließen, dass etwa vergrabene Kanister mit Chloroform durch Korrosion ein Leck bekommen haben und die erhöhten Schadstoffwerte verursachten, so Domanyi.

Das weitere Vorgehen wird nun von Experten von Polizei, Feuerwehr und Bundesheer beraten. Major Dietmar Rust vom Militärkommando Steiermark meinte, die ABC-Abwehrkompanie (ABC = Atomar, Biologisch, Chemisch, Anm.) komme vorerst nicht zum Einsatz. Man warte ab, bis die Ursachenforschung abgeschlossen sei. Erst dann könne man über den Beitrag des Bundesheeres entscheiden, so Rust.
(apa/red)