Menschen von

Fürst von Format

Thomas Schulte-Michels inszenierte „Fürst Igor“ von Borodin an der Volksoper

Fürst Igor © Bild: Barbara Pálffy/Volksoper

Mit Alexander Borodins Vertonung des russischen Nationalepos „Fürst Igor“ kann die Wiener Volksoper einen Erfolg verbuchen. Das ist vor allem dem Dirigat Alfred Eschwés und der hervorragenden Sängerbesetzung mit Sebastian Holecek in der Titelrolle und Soran Coliban als dessen Widersacher zu schulden. Regisseur Thomas Schulte-Michels zeigt eine knallige, dennoch schlüssige Deutung des Werks.

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Ein russischer Machthaber, der seine Heimat verlässt, um die Feinde im Umland zu besiegen, in Gefangenschaft gerät, freundschaftlich festgehalten wird und am Ende als Retter in seine Heimat zurückkehrt, braucht Format. Und das hat Sebastian Holecek. Er ist der Idealtypus dieses russischen Fürsten. Der Bariton verfügt über ein breites Spektrum an Klangfarben, über Ausdruck und präzise Stimmführung und überzeugt auch darstellerisch. Glaubwürdig zeigt er einen heldenhaften Krieger, der sich durch nichts einschüchtern lässt.

Flower-Power-Trash

Thomas Schulte-Michels hat für seine Inszenierung auch das Bühnenbild geschaffen. Dunkle, karg ausgestattete Räume zeigen Igors düsteres Russland, das im Kontrast zum, mit grellen, überdimensionalen Blumen überfrachteten, Reich der Polowetzer steht. Und dort lagern der Fürst und sein Gegenpart Kontschak (Soran Coliban) und schwelgen im Blumenmeer. Flower-Power und Gemütlichkeit werden im zweiten Teil durch eine Spiegelwand auf der Bühne radikal beendet. Es geht wieder zurück ins düstere Russland.

Choreographin Teresa Rotemberg hat die Ballettszenen mit Breakdance-Einlagen und der Darbietung eines Diabolo-Jongleurs angereichert. Trash steht gegen Kitsch. Und das funktioniert. Ebenso die deutsche Fassung von Christoph-Wagner Trenkwitz.

Borodin hat sein Werk auf mehr als fünf Stunden angelegt. Geblieben ist dennoch nur ein Fragment. Nikolai Rimski-Korsakow und Alexander Glasunow haben es fertiggestellt. Die Volksoper zeigt eine kompakte Fassung von zweieinhalb Stunden. Alfred Eschwé führt das Wiener Volksopernorchester mit Spannung durch diese Partitur. So hört man dieses Orchester nicht oft. Lyrische Passagen werden fein herausgearbeitet, die Streicher klingen sanft und klar. Graben und Gesang verschmelzen zu einer Einheit.

Und gesungen wird vorzüglich. Neben Sebastian Holecek überzeugt Soran Coliban als Kontschak mit seiner ausdrucksstarken Bassstimme. Melba Ramos schafft die anspruchsvolle Partie der Fürsten mit Bravour. Martin Winkler ist ein virtuoser Bösewicht Galitzky. Amely Peebo überzeugt als Tochter Kontschaks. Auch die kleineren Rollen sind fabelhaft besetzt und von der Regie klug geführt. Vor allem die Figuren des Skula und Eroschka, die das Volk verkörpern, werden von Yasushi Hirano und Christian Drescher stimmsicher und pointiert gezeigt.

In dieser Fassung sollte dieses Werk nicht wieder in der Versenkung verschwinden.

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