Freudentag für den "geliebten Führer": Nordkorea feiert Kim Jong Ils 65. Geburtstag

Angeblich zusätzliche Lebensmittel für alle Bürger USA wollen Land vorerst auf "Terror-Liste" belassen

Freudentag für den "geliebten Führer": Nordkorea feiert Kim Jong Ils 65. Geburtstag

Mit Gesängen und Blumenschauen hat Nordkorea den 65. Geburtstags seines "geliebten Führers" Kim Jong Il gefeiert. Der Machthaber des international isolierten, stalinistisch geführten Staates wird in seinem eigenen Land als Gottheit verehrt. Tausende Menschen tanzten für ihn in den Straßen der Hauptstadt Pjöngjang. Unterdessen wollen die USA Nordkorea trotz der Annäherung im Konflikt um das Atomprogramm Pjöngjangs nicht sofort von ihrer schwarzen Liste von Staaten nehmen, die sie der Unterstützung des Terrorismus verdächtigen.

Es sei nun an der nordkoreanischen Führung, ihren Teil der Verpflichtung einzuhalten, sagte ein Sprecher des Nationalen Sicherheitsrates in Washington. Dies habe Präsident George W. Bush auch in einem Telefonat mit Chinas Präsident Hu Jintao zum Ausdruck gebracht. "Das Streichen von der Liste ist kein politischer Deal. Das bekommen die Nordkoreaner nicht umsonst, das müssen sie sich erst verdienen", sagte auch der Sprecher des US-Präsidialamts, Tony Snow.

In dem Atomstreit war es bei einer Gesprächsrunde zuvor in Peking zum Durchbruch gekommen. Nordkorea verpflichtete sich, atomar abzurüsten. Der Reaktor in Yongbyong, das Kernstück des nationalen Nuklearprogramms, soll binnen 60 Tagen abgeschaltet werden. Im Gegenzug erhält das mit Sanktionen belegte Land 50.000 Tonnen Erdöl oder eine wertäquivalente Menge an Hilfen.

Bei einer Militärgala im Rahmen der staatlich organisierten Geburtstagsfestlichkeiten in Pjöngjang sangen und tanzten Armeemitglieder zu Liedern wie "Mein Glück liegt im Schoß des respektierten Generals". Die tanzenden Frauen auf dem zentralen Platz der Hauptstadt trugen traditionelle bunte Kleider. Die Berichte der staatlichen Medien überschlugen sich regelrecht vor heldenhaften Beschreibungen des Machthabers. So hieß es, die Blumen öffneten ihre Blüten, wenn "der unbesiegbare brillante Kommandant" erscheine und der Himmel sei an seinem Geburtstag von Regenbögen übersät.

In einem gemeinsamen Glückwunschbrief für den Machthaber schworen das Kabinett, die kommunistische Partei und die Streitkräfte, alle Kräfte mobilisieren zu wollen, um das Land zu verteidigen. "Alle Soldaten der Volksarmee und die Menschen werden die Kriegsbereitschaft aufrechterhalten, um sich den Aggressionsmanövern der US-Imperialisten entgegen zu stellen", zitierte die offizielle Nachrichtenagentur KCNA den Brief. Glückwünsche erhielt Kim laut Berichten auch von der kommunistischen Partei Chinas und vom russischen Präsidenten Wladimir Putin.

In Wien wurde der Geburtstag des Machthabers am Mittwochabend bei einem Empfang in der nordkoreanischen Botschaft begangen. Die österreichisch-nordkoreanische Freundesgesellschaft übermittelte ein Gratulationsschreiben an den Jubilar.

Die südkoreanische Zeitung "Chosun Ilbo" berichtete unter Berufung auf Informanten in China, dass die Nordkoreaner aus Anlass des Geburtstags Kims einen Monat lang zusätzliche Lebensmittel erhalten sollen. Dazu gehörten 500 Gramm Speiseöl, ein Kilogramm Zucker, sechs Eier und eine Flasche Alkohol pro Haushalt.

Kim Jong Il ist Generalsekretär der Partei der Arbeit Koreas, Vorsitzender des Verteidigungskomitees und Oberbefehlshaber der Volksarmee. Er erblickte laut der staatlichen Propaganda auf dem Berg Paektu am 16. Februar 1942 das Licht der Welt. Von seinem Vater, dem Staatsgründer und "ewigen Präsidenten" Kim Il Sung, der 1994 starb, übernahm er nicht nur dessen Ämter, sondern auch dessen Personenkult. Die Nachfolgefrage Kim Jong Ils, von dem drei Söhne bekannt sind, gilt als ungeklärt.

(apa/red)