Fleischfressende Bakterien von

Angst vor Killer-Keimen

Studentin in den USA ringt ums Überleben - Expertin klärt auf: Fälle auch in Österreich

Fleischfressende Bakterien - Angst vor Killer-Keimen

Die US-Studentin Aimee Copeland (24) kämpft um ihr Leben, freischfressende Bakterien attackieren ihren Körper. Auch in Österreich gibt es immer wieder Fälle von Killer-Keimen. Doch woher kommen die Bakterien und wie gefährlich sind sie? Ein Grund zur Panik besteht laut Exptertin nicht. "Ein so schwerer Verlauf einer Infektion kommt nur sehr selten vor", sagt Elisabeth Presterl, Professorin für Hygiene und Medizinische Mikrobiologie an der Medizinischen Universität Wien.

Das linke Bein von Aimee Copeland, Teile ihres Bauches und beide Hände mussten der jungen Frau bereits amputiert werden. Sie hat sich mit dem Bakterium "Aeromonas hydrophila" infiziert. Jetzt fressen die Killer-Keime die 24-Jährige von innen auf.

Was die Killer-Keime im Körper bewirken
Die US-Studentin leidet an einer sogenannte "Nekrotisierenden Fasziitis", einer Infektionserkrankung, bei der die betroffene Haut und Unterhaut abstirbt. "Das Gewebe wird zerstört. Die Bakterien können sich schnell verbreiten und bewirken einen Muskelzerfall", erklärt Presterl. In den meisten Fällen werde die "Nekrotisierenden Fasziitis" durch A-Streptokokken-Bakterien ausgelöst. Aber es gebe auch andere fleischfressende Bakterien, wie den Keim "Aeromonas hydrophila", die zu einer Infektion führen können. Generell seien die Keime jedoch nicht lebensgefährlich, nur sehr selten komme es durch eine offene Wunde zu einer derartigen Hauterkrankung.


© Bild: Medizinische Universität Wien
Professorin Elisabeth Presterl

Wer besonders gefährdet ist
Anfang Mai hat sich Aimee Copeland an einer Seilbahn am Tallapoosa-Fluss (US-Bundesstaat Georgia) verletzt. Die Verletzung an der linken Wade musste mit 22 Stichen genäht werden. Das fleischfressende Bakterium hatte sich da schon in der Wunde eingenistet. Der Keim "Aeromonas hydrophila" kommt im Süß- und Brackwasser vor. A-Streptokokken seien überall in unserer Umwelt zu finden, so Presterl. Sie besiedeln auch die menschliche Haut.

"Besonders gefährdet sind Diabetiker, Menschen mit Durchblutungsstörungen und übergewichtige Menschen. Auch die Einnahme von Schmerzmitteln ist nicht optimal", teilt die Mikrobiologin mit. Ganz einfach deshalb, weil man durch die Schmerzunterdrückung die Symptome zu spät erkenne. Aber auch junge, gesunde Menschen seien vor fleischfressenden Bakterien nicht sicher.

Wie man sich schützen kann
Verletzungen sollten daher so schnell wie möglich versorgt und desinfiziert werden. "Bei unverhältnismäßigen Schmerzen, Rötungen, plötzlichen Schwellungen oder Fieber sollte man sofort zum Arzt gehen", rät Presterl. Denn das könnten die ersten Symptome für die Infektionskrankheit sein.

Wie gefährlich die Bakterien sind
Wenn die Killer-Keime einmal wüten, steht sogar das Leben auf dem Spiel. In Wien und Umgebung gebe es unter zehn Fälle pro Jahr, bestätigt die Expertin. Wird eine "Nekrotisierenden Fasziitis" diagnostiziert, muss der Patient sofort von einem plastischen Chirurgen betreut werden. "Das betroffene Gewebe muss so schnell wie möglich entfernt werden, damit sich die Bakterien nicht weiter ausbreiten können", sagt Presterl. Gleichzeitig verabreiche der Arzt Antibiotika, die bereits erfolgreich gegen Keime eingesetzt worden sind. Der Verlauf der Krankheit sei sehr schmerzhaft, so die Medizinerin.

Nicht immer kann das Leben des Patienten gerettet werden. Der Zustand von Aimee Copeland ist nach wie vor kritisch, aber ihr Vater schöpft wieder Hoffnung. Seit über 24 Stunden kommt sie nun schon ohne künstliche Beatmung aus. "Jeder Atemzug ist ein Sieg", schreibt Andy Copeland auf seiner Facebook-Seite.