Leben von

Im puren Klangtheater

Heinz Sichrovsky über Simon McBurneys „Encounter“ bei den Wiener Festwochen

Leben - Im puren Klangtheater © Bild: festwochen.at

Vor dramatisierten Romanen, mit deren Hilfe sich viele Bühnenbetreiber vor ihrer Verantwortung für das dramatische Repertoire drücken, ergreifen avancierte Besucher seit längerem die Flucht. Auch der geniale Brite Simon McBurney, Schauspieler und Regisseur seiner selbst, bedient sich für sein Programm „The Encounter“ eines Romans, Petru Popescus „Amazonas“. Das bei den Wiener Festwochen gezeigte Resultat aber ist pures Theater, eine Apotheose der Schauspielkunst.

THEMEN:

Erzählt wird die Geschichte des Fotografen Loren McIntyre, der sich 1969 in der Tiefe des Amazonas-Dschungels absetzen ließ, um die Mayoruna-Indianer zu erforschen. Er gerät in eine Gegenwelt, die alle seine zivilisatorischen Gewissheiten außer Kraft setzt. McBurney hat für seinen zwei Stunden langen Monolog keinerlei Ausstattung nötig. Seine Kulisse ist die Audio-Technik, auch sie prinzipiell das Vehikel einer schlimmen Fehlentwicklungen des heutigen Theaters. Aber statt sich mit Hilfe des Headsets um Beherrschung und Fokussierung der Sprache zu drücken, spricht McBurney seinen Text vor einer großteils selbst mit simplen Mitteln erzeugten, mit elektronischer Hilfe zu ungeheurer Suggestion gebrachten Klangkulisse, das Ganze vermittelt sich dem Publikum über Kopfhörer. Man könnte das hier Gebotene im Bereich des Hörspiels verorten, wäre McBurney nicht eine derart bezwingende Bühnenpersönlichkeit.

Dieser Abend ist nichts als Theater, also fehlt ihm nichts.

Kommentare