Feierstimmung im FPÖ-Zelt: Freude über die Verluste von Rot, Schwarz und Grün

Festzelt vor Cafe Di Gio aber nicht prall gefüllt Freundliche Zurückhaltung gegenüber BZÖ-Ergebnis

Im FPÖ-Festzelt, das direkt vorm Cafe Di Gio der ÖVP platziert war, herrschte naturgemäß Jubelstimmung, wenn es auch zum Zeitpunkt der ersten ORF-Hochrechnung nur etwa zu zwei Drittel gefüllt war. Fragte man die Sympathisanten, die sich freudestrahlend an den Biertischen eingefunden hatten, überwog vor allem die Freude über das schlechte Abschneiden von Rot, Schwarz und Grün. Dass sich das BZÖ stark verbesserte, wurde ebenfalls zumindest mit freundlicher Zurückhaltung aufgenommen.

"Sensationell, sensationell, sensationell!" - Der Mittdreißiger Bernd kann sich über die Zugewinne der FPÖ nur freuen. Dass das BZÖ unter Jörg Haider relativ gesehen laut Hochrechnungen sogar noch stärker punkten konnte, tangiere ihn nicht, außerdem verstehe er die vielen Journalistenfragen nach den Orangen heute Abend überhaupt nicht, erboste er sich. Sein Motto: "Das macht nix, Hauptsache die Großparteien haben verloren." Ob man den Bruderzwist nach der Wahl für eine Regierungsbeteiligung vielleicht doch beiseitelegen wird, wagte er nicht abzuschätzen. "Das ist Sache der Parteispitze", meinte auch sein Tischgenosse Thomas.

"Besser, die Stimmen hätten wir bekommen", befand ein weiterer Parteigänger namens Christian. Er würde jedenfalls nicht drauf wetten, ob Blau und Orange miteinander in die Regierung gehen, meinte er. Pragmatisch sah die Frage der Buchautor Walter-Gerhard Piranty: "Ich glaub' es wird rot-schwarz werden und in einem Jahr wählen wir wieder." Nachsatz: "Ich freu mich aber auch übers BZÖ. Das ist mir immer noch lieber wie Rot, Schwarz und Grün."

Lauter Jubel war naturgemäß beim ORF-Liveeinstieg zu hören, als die Menge sich nach vorn zur Bühne stellte, um zu applaudieren. Stargast war zunächst noch Generalsekretär Herbert Kickl, Parteichef Heinz-Christian Strache blieb vorerst in seinem Büro im Parlamentsklub, von wo aus er zum Interview mit "Wien Heute" ins Rathaus aufbrechen sollte. Erst danach wurde er im Festzelt erwartet, wo sich nach Verbreitung der frohen Kunde gemütliche Bierzeltstimmung breitmachte.

Blaue Bandübergabe
Mit einer blauen Bandübergabe hat Strach die Feierlichkeiten im freiheitlichen Zelt begangen: Sein vielzitiertes blaues Armband, ein Rosenkranz, den ihm der Patriarch von Belgrad übergeben habe, überreichte er "aus Dank und Respekt" seinem Wahlkampfchef Herbert Kickl. "Es soll zum Ausdruck bringen: Es geht um die Rettung des christlichen Abendlandes", schmetterte Strache in die in Begeisterungstürmen tobende Menge.

Der Einzug war wie ein Triumphmarsch inszeniert: Vor dem Zelt erwartete den blauen Obmann, der von der Elefantenrunde im Parlament kam, eine kleine pyrotechnische Einlage und haufenweise Parteivolk, das ihn mit Jubel und Österreich-Fahnen empfing. Das Zelt erbebte unter "HC"-Rufen und teils sprangen die Sympathisanten bei seiner Dankesrede vor Freude in die Luft, als gelte es eine Rockband zu bejubeln.

Mutter und Freundin vorgestellt
Strache dankte ausführlich allen Helfern und seinen beiden Generalsekretären, holte aber auch seine Mutter sowie seine Freundin Andrea Eigner auf die Bühne, der er vor versammeltem Publikum sein Liebe bekundete. Sie sei "bald 24", stehe mit beiden Beinen im Leben und habe sich in den letzten eineinhalb Jahren oft in Verzicht üben müssen, schilderte er dem interessierten Publikum. Die Menge dankte es ihm mit tosendem Applaus und überbordendem Jubel.

"Wir haben das richtige Weltbild", schallte den Strache-Fans der alte Falco-Song "Helden von Heute" entgegen, als er die Bühne betrat. Den Schluss machte die Queen-Hymne "We are the Champions". Anschließend gab es keine Ansprachen mehr, dafür floss das Bier in Strömen und das mittlerweile voll gefüllte Zelt war endgültig blaue Partyzone.

(apa/red)