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Wels wird blau

FPÖ in Oberösterreichs zweitgrößter Stadt stärkste Fraktion - Linz bleibt rot

Wels FPÖ-Veranstaltung © Bild: APA/HARALD DOSTAL

In Oberösterreich finden parallel zu den Landtagswahlen auch Gemeinderatswahlen statt. Bei diesen rechnet sich die FPÖ ebenfalls gute Chancen auf Zugewinne aus. In Oberösterreichs zweitgrößter Stadt Wels könnte die FPÖ künftig sogar den Bürgermeister stellen. Laut dem vorläufigen Ergebnis wird die FPÖ dort jedenfalls zur stärksten Fraktion im Gemeinderat. In Linz hat die SPÖ trotz Verlusten ihren ersten Platz halten können. Die FPÖ löste die ÖVP als zweitstärkste Kraft ab.

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In Wels konnte FPÖ mehr als dreizehn Prozent auf 34,56 Prozent zulegen und wird mit 16 von 36 Gemeinderäten zur stärksten Fraktion im Gemeinderat. Die SPÖ verlor 7,17 Prozentpunkte und fiel auf 21,13 Prozent zurück. Die Volkspartei erreichte 30,36 Prozent (minus 5,91), die Grünen kamen auf 9,96 Prozent (minus 0,41). Auch bei der Bürgemeisterstichwahl schrammte FPÖ-Kandidat Andreas Rabl nur knapp an der absoluten Stimmenmehrheit vorbei. Damit bekommt Österreichs achtgrößte Stadt künftig möglicherweise einen FPÖ-Bürgermeister.

Andreas Rabl kam im ersten Durchgang auf rund 48 Prozent. Der SPÖ-Kandidat, Hermann Wimmer, dessen Partei bisher in Wels regierte, kam hingegen nur auf 27 Prozent. In zwei Wochen müssen Rabl und Wimmer in eine Stichwahl um das Bürgermeisteramt gehen. Der bisherige SPÖ-Bürgermeister Peter Koits (74) war nach 16 Jahren im Amt nicht mehr angetreten. Der neue rote Spitzenkandidat Hermann Wimmer muss sich mit einer Veruntreuungsaffäre in einer städtischen Freizeiteinrichtung herumschlagen, kurz vor der Wahl wurde Anklage gegen vier - teils ehemalige - Magistratsmitarbeiter erhoben.

Bereits 2009 war es zwischen Koits und seinem damaligen FPÖ-Kontrahenten Bernhard Wieser zu einem Kopf-an-Kopf-Rennen gekommen, das Koits mit 53,53 Prozent in der Stichwahl nur relativ knapp gewann. Diesmal hatte die FPÖ den Welser Bürgermeister zu einem ihrer Wahlziele erklärt.

Linz bleibt rot, aber Bürgermeister-Stichwahl

In Linz hat die SPÖ trotz Verlusten ihren ersten Platz halten können. Die FPÖ löste die ÖVP als zweitstärkste Kraft ab. SPÖ-Bürgermeister Klaus Luger (43,77 Prozent) muss gegen seinen ÖVP-Kontrahenten Bernhard Baier (21,08 Prozent) in die Stichwahl. Die SPÖ erhielt bei der Gemeinderatswahl 32,02 Prozent (minus 8,95). Sie hat damit 20 Mandate (bisher 26). Die ÖVP verlor 7,56 Punkte und kam auf 20,14 Prozent. Das bedeutet zwölf Mandate für die Schwarzen, sie büßen damit fünf Sitze im Gemeinderat ein.

Die FPÖ legte kräftig zu: um 10,06 Prozentpunkte auf 24,89 Prozent. Sie bekommen damit sieben Mandate dazu und haben künftig 16. Die Grünen steigerten sich leicht (plus 2,58) auf 14,84 Prozent und gewinnen damit zwei Mandate dazu - macht neun Sitze. Die NEOS schaffen den Einzug (4,91 Prozent, drei Mandate) ebenso wie die KPÖ (2,37 Prozent, ein Mandat). Piraten und Linke scheitern.

Bei der Landtagswahl hielt die ÖVP in der Landeshauptstadt ihren ersten Platz (28,01 Prozent, minus 7,12). Die SPÖ rutschte von der zweiten auf die dritte Stelle ab (23,87 Prozent, minus 8,87). Die FPÖ legte um 11,57 Punkte auf 26,38 Prozent zu und wurde Zweite. Die Grünen (15,34 Prozent, plus 1,94) schnitten erwartungsgemäß gut ab und legten leicht zu. Die NEOS hätten die Vier-Protent-Hürde für den Landtagseinzug genommen (4,55 Prozent).

Steyr bleibt auf Kommunalebene rot, bei LT-Wahl aber blau

In der Statutarstadt Steyr hat die SPÖ erwartungsgemäß ihre Mehrheit bei der Gemeinderatswahl erfolgreich verteidigt. Bei der Landtagswahl wurde hingegen die FPÖ - 2009 war sie Dritte - die stimmenstärkste Kraft. Bei der Gemeinderatswahl erzielte die SPÖ 42,09 Prozent (minus 6,38) der Stimmen. Die FPÖ nahm der ÖVP den zweiten Platz ab. Die Freiheitlichen legten um 9,91 Prozentpunkte auf 26,92 Prozent zu. Die ÖVP verlor 7,17 Punkte und kam auf 14,58 Prozent. Die Grünen gewannen 2,5 Prozentpunkte dazu und liegen nun bei 11,36 Prozent.

Bei der Landtagswahl steigerte die FPÖ ihren Anteil um 14,20 Prozentpunkte auf 30,82 Prozent. ÖVP (24,09 Prozent, minus 6,86) und SPÖ (28,59, minus 9,98) mussten Verluste hinnehmen. Bürgermeister Gerald Hackl verteidigte sein Amt im ersten Wahlgang. Er kam auf 57,04 Prozent (minus 2,64).

Rote und schwarze Hochburgen bröckelten

Ein Blick auf die Hochburgen bei der Landtagswahl zeigte, dass die FPÖ ihre ausbaute, die Grünen ihre hielten, Schwarz und Rot aber verloren. Bei einer Auszählungsrate von 417 von 442 Gemeinden konnte die ÖVP noch nirgends ein Plus verbuchen, die FPÖ hatte bis dahin nirgend ein Minus. Die großen Städte fehlten aber noch.


Die FPÖ schaffte in zumindest zwei Orten eine absolute Mehrheit: St. Georgen am Fillmannsbach und Moosbach (beide im Bezirk Braunau). In St. Georgen am Fillmannsbach, der stärksten FPÖ-Gemeinde, legte die Partei diesmal erneut zu, um 13,26 Prozentpunkte auf 56,63 Prozent. Die ÖVP verlor im exakt gleichen Ausmaß und kam auf 31,90 Prozent. SPÖ (4,66 Prozent, plus 0,36) und Grüne (4,66 Prozent, plus 1,79) haben hier traditionell einen sehr bescheidenen Anteil. Ähnlich in Moosbach: Dort wählten 50,66 Prozent (plus 19,98) blau. In beiden Gemeinden waren bei den Bürgermeisterwahlen auch nur blaue Kandidaten zur Wahl gestanden.

Die stärkste schwarze Gemeinde war trotz herber Verluste auch diesmal Kaltenberg (Bezirk Freistadt), wo die ÖVP bereits 2009 mit 80 Prozent ihr bestes Landtagswahl-Ergebnis erzielte hatte. Diesmal verlor sie 12,04 Prozentpunkte und kam auf 67,96 Prozent. Die FPÖ hat sich hingegen mehr als verdoppelt: Sie legte um 12,69 Punkte auf 24,52 Prozent zu. Die SPÖ und Grüne erreichten je 3,1 Prozent. In St. Radegund verlor die ÖVP 5,59 Prozentpunkte, schaffte aber immer noch 66,39 Prozent.

SPÖ mit Verlusten und Zugewinnen


Die SPÖ verlor weiter in ihren Hochburgen. Während sie 2009 aber in keiner der damals 444 (heute 442) oberösterreichischen Gemeinden dazugewonnen hatte, konnten sie diesmal immerhin in einigen Gemeinden leicht zulegen, etwa in Geiersberg, Pötting oder in Steegen, dem (schwarzen) Heimatort von Parteichef Reinhold Entholzer.

In Reichraming (Bezirk Steyr-Land), wo sie 2009 mit 46,5 Prozent ihr bestes Wahlergebnis erzielt hatte, verlor die SPÖ zwar 13,94 Prozentpunkte, behielt aber ihren ersten Platz. Die traditionelle Arbeiter-Hochburg Lenzing, wo es bereits 2009 Verluste gehagelt hatte, wurde hingegen von rot auf blau umgefärbt. Die SPÖ verlor 9,74 Prozentpunkte (29,74 Prozent), die FPÖ verdoppelte sich auf 36,87 Prozent.

Grüne in Linz-Umgebung stark

Traditionell stark ist die SPÖ im Salzkammergut. 2009 hatte sie dort viel verloren, auch diesmal gab es in vielen Gemeinden ein rotes Minus: In Obertraun, der voraussichtlich stärksten SPÖ-Gemeinde, büßten die Sozialdemokraten 5,34 Prozentpunkte ein und landeten bei 40,42 Prozent, während sich die Freiheitlichen von 5,80 auf 16,42 Prozent verdreifachten. In Gosau verlor die SPÖ 7,68 Prozentpunkte (auf 34,42) und wurde sogar knapp von der ÖVP vom ersten Platz verdrängt. In Bad Goisern (minus 9,78 Prozentpunkte auf 29,28 Prozent) rutschte die SPÖ ebenfalls knapp hinter die Schwarzen, bei satten blauen Gewinnen (plus 16,69 auf 28,98 Prozent). In Ebensee verlor die SPÖ (31,53 Prozent) zwar 4,63 Prozentpunkte, holte aber den ersten Platz zurück, den sie 2009 an die ÖVP verloren hatte. In Hallstatt konnte sie trotz 13,18 Prozentpunkten minus ihren ersten Platz halten (33,65 Prozent).

Die Grünen waren erwartungsgemäß im Linzer Speckgürtel stark. Ottensheim dürfte mit 22,86 Prozent die grünste Gemeinde werden. Dort arbeitete sich die Partei (22,96 Prozent, plus 3,35) vom dritten auf den zweiten Platz vor. In dem Ort hat die Grüne Landtagskandidatin Ulrike Böker, die in Ottensheim mit einer Bürgerliste kandidierte, gute Chancen, ihren Bürgermeistersessel zu erhalten, sie muss allerdings noch in die Stichwahl gegen ÖVP-Kandidaten Franz Füreder. Ebenfalls stark waren die Grünen auch diesmal wieder in Puchenau (19,37 Prozent) oder in Gallneukirchen (17,78 Prozent).

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