Experten-Talk. Verhaltensforscher Kurt Kotrschal über Motive für Hundeangriffe

Gibt es überhaupt gefährliche Hunderassen So schütz man sich und Kinder am besten

Experten-Talk. Verhaltensforscher Kurt Kotrschal über Motive für Hundeangriffe

ieder einmal sorgen Hundeattacken für Aufregung in Österreich. Zuletzt biss ein Rottweiler zu und verletzte ein Kind auf einem Spielplatz schwer. Und das ausgerechnet in Niederösterreich, jenem Bundesland, in dem seit Jänner der verpflichtende Sachkundenachweis für Kampfhunde (darunter Rottweiler) für mehr Sicherheit sorgen sollte. Gibt es also tatsächlich gefährliche Hunderassen? Und was löst diese Bissattacken aus? Verhaltensforscher und Biologe Kurt Kotrschal gibt im folgenden Interview Antworten auf diese Fragen.

News:   Herr Kotrschal, gibt es gefährliche Hunderassen?
Kotrschal:  Jede Hunderasse hat unterschiedliche Eigenschaften. Das sollte man bei der Wahl beachten. „Arbeitsspezialisten“, die für besondere Aufgaben gezüchtet wurden, – wie etwa Herdenschutzhunde –, zählen nicht zu den idealen Begleithunden. Bei diesen muss man sich im Klaren sein, dass sie stark territorial veranlagt sind und daher ihr Revier Fremden gegenüber verteidigen. Rottweiler wiederum fahren sich schnell hoch und sind daher nicht so einfach zu kontrollieren. Eine gute Beziehung zum eigenen Hund durch richtige Erziehung und Beschäftigung ist bei dieser Rasse in jedem Fall von Bedeutung. Leider werden Hunde aber viel zu oft nach ­ihrem Äußeren gewählt. Dann wird keine Rücksicht auf rassenspezifische Merkmale und Eigenschaften genommen. So sind Probleme vorprogrammiert.
News:   Aus welcher Motivation heraus greifen Hunde an?
Kotrschal:  Das ist situationsabhängig und kann unterschiedlichste Auslöser haben – etwa die Motivation, zu jagen. Aber auch soziale Gründe wie Eifersucht sind möglich. Wie schon erwähnt, kann ein Angriff territoriale Gründe haben oder im Futterverteidigungskontext entstehen, etwa wenn sich ein Kind der Hundefutterschüssel nähert. 
News:   Warum passieren die meisten Unfälle mit bekannten oder sogar dem eigenen Hund zuhause?
Kotrschal:  Zwei Drittel der Unfälle passieren im Familien- oder im Freundeskreis. Der Grund: Die Mensch-Hund-Beziehung ist eine sehr komplexe soziale Angelegenheit. Missverständnisse können das emotionale Verhältnis stören und so zu unerwünschten Reaktionen führen.
News:   Wie kann man sich und Kinder schützen?
Kotrschal:  Indem man lernt, wie man sich Hunden gegenüber richtig verhält. Kinder sollten diesbezüglich von klein auf geschult werden. Außerdem gilt immer: achtsam sein und Kinder und Hunde niemals gemeinsam alleine lassen!

Isabel Finsterwalder

Bei Fragen schicken Sie ein Mail an Tierweltexpertin Isabel Finsterwalder unter tierwelt@news.at