Europas Luftraum wird bald zur Stauzone:
Wachsender Flugverkehr als Problemfaktor

Bereits bis zu 5.000 Flieger gleichzeitig am Himmel Pro Tag 34.000 Flüge, bis 2025 doppelt so viele

Europas Luftraum wird bald zur Stauzone:
Wachsender Flugverkehr als Problemfaktor

Spätestens 2014 wird es eng in Europas Luftraum. Bereits jetzt "sind in Spitzenzeiten bis zu 5.000 Flieger am Himmel", sagte Gerhard Stadler, Generalsekretär der EU-Behörde Eurocontrol beim Luftfahrt-Symposium in Wien. Der "Single European Sky" - ein vereinheitlichter europäischer Luftraum, soll das rasante Wachstum im Flugverkehrssektor in den Griff kriegen, das Flugsicherungsmonopol soll an Brüssel abgetreten werden. Kleinere Staaten, vor allem unter den alten EU-Ländern, wehren sich aber dagegen.

"Bis 2014 ist Mitteleuropa dicht, wenn die Infrastruktur nicht nachzieht" und alles beim Alten bleibe, warnt Stadler. Die Entscheidungen müssen heute fallen, sonst sei "ab 2012, spätestens zwei Jahre später, weiteres Wachstum nicht mehr bewältigbar". Bereits jetzt werden täglich rund 30.000 Flüge über das europäische Festland absolviert, 85,7 Prozent davon sind innereuropäischer Verkehr. 2007 rechnet Eurocontrol mit bis zu 34.000 Flügen am Tag in Europas Luftraum. Im Vorjahr steuerten die europäischen Tower 9,5 Millionen Flugbewegungen. Bis 2025 soll sich der Flugverkehr verdoppeln.

Zu viele Kontrollsektoren
Mit der Etablierung des "Single European Sky"-Konzepts soll die Flugsicherung "den Verkehrsströmen folgen und nicht mehr den Ländergrenzen". Im Moment sei es noch so, dass etwa ein Flugzeug von Wien nach Paris rund 20 Kontrollsektoren durchfliegen und auf die jeweiligen Freigaben warten müsse, so der Generalsekretär.

Gegen das Konzept gebe es aber "enorme politische und soziale Widerstände". Die militärische Komponente sei nur eine Seite. Langfristig sollen nämlich die derzeit rund 70 Flugsicherungszentralen in Europa auf etwa 10 reduziert werden. Damit verbunden ist ein massiver Personalabbau, vor allem beim technischen Personal. Nach aktuellem Stand sind derzeit 50.000 Leute für die europäische Flugsicherung im Einsatz, rund die Hälfte sind sogenannte Controller, Fluglotsen. Diese brauchen nicht um ihren Job zu fürchten. Bei ihnen gebe es "einen eminenten Nachholbedarf". Nicht so beim technischen Personal.

Bessere Einbindung kleinerer Flughäfen
Bis 2009 haben die EU-Staaten von der EU die Vorgabe, sich über den gemeinsamen Luftraum zu einigen. Denn derzeit entstünden viele Engpässe durch die schlechte Zusammenarbeit der nationalen Flugsicherungen. Bei der Flughafeninfrastruktur sei es notwendig, kleinere Flughäfen stärker einzubeziehen bzw. stillgelegte Flughäfen wieder zu aktivieren. "Wir haben genügend Flughäfen in Europa, aber nicht am richtigen Platz", so Stadler weiter. Für Österreich würde das bedeuten, stärker auf Graz oder Linz auszuweichen, wenn die Großflughäfen an ihre Auslastungsgrenzen stoßen. Der Bedarf an neuen Pisten grenzt der Eurocontrol-Chef auf rund 10 neue innerhalb Europas in den nächsten zehn Jahren ein - inklusive der dritten Piste in Wien-Schwechat.

Eine mittelfristige Abhilfe soll SESAR (Single European Sky Advanced Research) bringen. Das neue System zur Flugverkehrskontrolle steckt derzeit noch in der Definitionsphase, die Entwicklungskosten sind mit rund 300 Mio. Euro veranschlagt. Es soll eine technische "Harmonisierung" in Europa schaffen und eine Kapazitätsausweitung von 10 bis 20 Prozent bringen. Technische Aufrüstungen, kürzere Streckenführungen und größere Flieger sollen zusätzlich einen Teil der steigenden Passagierzahlen abfangen. Bis zum Jahr 2012 soll das neue technische System fertig sein, spätestens ab 2014 soll es europaweit in Betrieb gehen.
(apa/red)