Europawahl 2014: Geringes Interesse in Österreich

Hochrechnung ab 17 Uhr - schönes Wetter sorgt bis Mittag für geringe Beteiligung

Mehr als 6,4 Mio. Wahlberechtigte sind aufgerufen bei der heutigen Europawahl 2014 ihre Stimmen abzugeben. Erste Hochrechnungen für Österreich werden ab 17 Uhr veröffentlicht. Wie die Wahlen EU-weit ausgingen, wird erst ab 23 Uhr bekannt gegeben. Das schöne Wetter scheint jedoch viele Wahlberechtigte von der Urne fern zu halten, wie erste Beobachtungen bereits bestätigten. Nicht fern halten konnte das Wetter natürlich die Spitzenkandidaten der heimischen Parteien. Sie haben schon am Vormittag ihre Stimmen abgegeben.

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Wahllokal © Bild: APA/Gindl

Nicht gerade das beste Wahlwetter herrscht heute in Österreich: Das im ganzen Land sonnige Wetter mit angenehmen Temperaturen könnte so manchen Wahlberechtigten von der Urne fernhalten. Und ein erster Trend scheint diese These auch zu belegen. Bis zu Mittag herrschte in fast allen Landesteilen schwaches Interesse am Urnengang. Einzig in Tirol und Salzburg wies der Trend vorerst nach oben.

Nur 24 Prozent in Wien gingen wählen

Die Wahlbeteiligung in Wien lag auch am Nachmittag unter dem Wert von 2009: Sie betrug um 14.00 Uhr 24,33 Prozent. Das teilte die zuständige Stadträtin und Leiterin der Landeswahlbehörde, Sandra Frauenberger (SPÖ), am Sonntagnachmittag in einer Aussendung mit. Bei der Europawahl 2009 war die Beteiligung um dieselbe Zeit bei 26,80 Prozent gelegen.

Unter 25-jährige Steirer lassen aus

Bei frühsommerlich-schwülem Wetter waren am Sonntag rund 974.000 Steirerinnen und Steirer aufgerufen, ihre Stimme bei der EU-Wahl abzugeben. Erste Rückmeldungen aus den Wahllokalen von zu Mittag sprachen von einer leicht rückläufigen Wahlbeteiligung und auffällig wenigen jungen Wählern: "Die Gruppe der Unter-25-Jährigen lässt komplett aus", meinte ein Beobachter.

Wahllokal
© APA/Gindl Fleißige Wähler

"Zäh" in Oberösterreich

Nicht viel anders waren die Eindrücke in Oberösterreich, wo 1,103.169 Bürger wahlberechtigt sind. "Zäh", "mäßig" und "geht so" war am Vormittag aus den Wahllokalen zu hören. Die ersten vereinzelt einlangenden Ergebnisse zeigten - teilweise markante - Rückgänge gegenüber der Europawahl 2009. Das Wetter bot den Oberösterreichern allerdings keine Ausrede, der Stimmabgabe fernzubleiben: Es war bewölkt, aber freundlich und somit ideal für einen kleinen Spaziergang zum Wahllokal.

Heiter von Amstetten im Mostviertel über Litschau im Waldviertel bis fallweise leicht bewölkt im Wein- und Industrieviertel, dazu durchwegs angenehme Temperaturen: Das "Wahlwetter" präsentierte sich auch in Niederösterreich am Sonntag mehr als passabel. Die Wahlbeteiligung ließ sich zu Mittag noch nicht einschätzen, dürfte aber gegenüber 2009 leicht zurückgehen - bei der EU-Wahl vor fünf Jahren hatte das Bundesland mit 56,6 Prozent die höchste Wahlbeteiligung österreichweit verzeichnet.

Aufwärtstrend in Tirol und Salzburg

Ausnehmend geringes Interesse gab es damals in Tirol (36,1 Prozent Beteiligung), wo diesmal bei schönem Frühsommerwetter 539.551 Personen zur Wahl schreiten könnten. Die Wahlbeteiligung lag in den ersten ausgezählten - kleineren - Gemeinden zum Teil über dem Wert von 2009.

Mit strahlendem Sonnenschein und wolkenlosem Himmel präsentierte sich das EU-Wahlwetter in der Stadt Salzburg. Das Wetter motivierte offenbar auch zum Wählen. "Es ist interessant, um 11 Uhr liegen wir schon deutlich über der Wahlbeteiligung von 2009", sagte der Leiter des städtischen Wahl- und Meldeamtes Franz Schefbaumer im Gespräch mit der APA. In der Stadt Salzburg wird bei jedem Urnengang um 11.00 Uhr in 16 ausgewählten Sprengeln - immer denselben - die Beteiligung abgefragt. Heuer waren bereits 1.632 Menschen in diesen Sprengeln wählen, 2009 waren es zum selben Zeitpunkt erst 1.311. Hochgerechnet werde die Wahlbeteiligung heute über 40 Prozent liegen, prognostiziert Schefbaumer.

"Sicher unter 2009" in Vorarlberg

Davon ist in Vorarlberg nicht die Rede. Bei der EU-Wahl 2009 gaben 39,9 Prozent der Vorarlberger ihre Stimme ab. "Diesmal werden wir sicher drunter bleiben", so SPÖ-Landesgeschäftsführer Reinhold Einwallner nach einem Rundruf in einigen Gemeinden. Manche seien sichtlich vor Beginn einer Radtour oder Wanderung noch rasch wählen gegangen, viele ließen den Zwischenstopp im Wahllokal aber wohl ganz aus. ÖVP-Landesgeschäftsführer Dietmar Wetz war mit einer Einschätzung noch zurückhaltend. Tendenziell gingen aber "eher weniger" zur Wahl als 2009. In Vorarlberg schlossen die ersten Wahllokale in Kleingemeinden bereits um 10.00 Uhr. Traditionell kann man in Vorarlberg auch bei der EU-Wahl nur bis 13.00 Uhr seine Stimme abgeben.

Eu-Wahl
© APA/Techt Die Wahlkabinen bleiben leer: Wenig Interesse am Urnengang in Österreich

Kaum zehn Prozent in Klagenfurt und Villach

In Kärnten hat das frühsommerliche Wetter am Sonntag die Wähler nicht gerade zu den Urnen getrieben. Eine APA-Umfrage in mehreren Wahllokalen in Klagenfurt und dem Bezirk Villach ergab, dass am späten Vormittag kaum zehn Prozent der Wahlberechtigten ihre Stimmen abgegeben hatten. "Die Wahlbeteiligung wird schlechter als 2009 ausfallen", prognostizierte ein Beisitzer. In seinem Wahllokal war die Beteiligung damals bei rund 38 Prozent gelegen.

Nach Gewitter und heftigen Regenfällen, die zahlreiche Feuerwehreinsätze notwendig gemacht hatten, zeigte sich im Burgenland am Sonntag in weiten Landesteilen zunächst einmal wieder die Sonne. Ob das schöne Wetter viele Burgenländer von den Urnen fernhält, ließ sich vorerst noch nicht sagen. Die Wahlbeteiligung - sie lag 2009 landesweit bei 55,19 Prozent - dürfte zumindest leicht zurückgehen, war am späten Vormittag sowohl von der SPÖ als auch aus der ÖVP zu hören. Die Wahl selbst lief vorerst ruhig und bisher ohne Polizeieinsatz ab, teilte die Landespolizeidirektion auf APA-Anfrage mit.

Fleißige Briefwähler

Fleißig waren allerdings die Briefwähler: Bis Freitag waren an die 80 Prozent der angeforderten Wahlkarten ausgefüllt wieder bei den Wahlbehörden eingetroffen. Dafür wurden aber um ein Drittel weniger Wahlkarten angefordert als für die Nationalratswahl.

ÖVP bei letzter Wahl vor SPÖ

Bei der letzten EU-Wahl vom 7. Juni 2009 kam die ÖVP mit 29,98 Prozent klar auf Platz eins - vor der SPÖ mit 23,74 Prozent, die damals einen Absturz um fast zehn Prozentpunkte erlitt. Die FPÖ legte damals kräftig zu und kam auf 12,71 Prozent, die Grünen mit leichten Verlusten auf 9,93 Prozent. Das BZÖ kam mit 4,58 Prozent erst mit Inkrafttreten des Lissabon-Vertrages 2011 ins EU-Parlament. Die dieses Mal nicht mehr kandidierende Liste von Hans-Peter Martin verteidigte damals mit 17,67 Prozent Platz drei - theoretisch müsste also ein großes Stück des Kuchens zu verteilen sein.

Die "Neuen"

Nicht angetreten waren damals die erst vor der letzten Nationalratswahl neu gegründeten NEOS. Sein Glück erstmalig versucht heuer auch das neu gegründete Wahlbündnis Europa Anders (aus KPÖ, Piraten und "Der Wandel"). Die KPÖ hatte bei der letzten EU-Wahl 0,66 Prozent ergattert. Auch die Listen REKOS von Ewald Stadler und EU-Stopp treten bei diesem Urnengang zum ersten Mal an.

Wählen bis 17 Uhr möglich

Die letzten Wahllokale schließen um 17.00 Uhr, in Wien haben alle Wahllokale so lange geöffnet. Ab diesem Zeitpunkt werden erste Hochrechnungen veröffentlicht. Das vorläufige Endergebnis wird Innenministerin Johanna Mikl-Leitner erst um 23.00 Uhr bekannt geben, da vor dem Wahlschluss in Italien keine Gesamtergebnisse verkündet werden dürfen. Die APA wird aber schon gegen 20.00 Uhr ein "inoffizielles" Endergebnis veröffentlichen.

Gesamtergebnis am Montag

Das endgültige Gesamtergebnis steht aber erst am Montag fest, wenn auch die Briefwahl und die in fremden Wahlkreisen abgegebenen Wahlkarten ausgezählt sind.

Kommentare

Jaaaa, genau! Das Wetter hält mich vom Wählen ab. Und sonst gar nix.
Ly off.

Auch ich bin nicht wählen gegangen, streng nach dem Werbeslogan der FPÖ: "Österreich denkt um, zu viel EU ist dumm!" Ich gebe mich der vergeblichen Hoffnung hin, dass die Parlamentarier endlich einsehen, dass sie nicht vom Volk gewählt werden. Die Parlamentssitze sollten entsprechend der Wahlbeteiligung verringert werden. Deren Gehälter könnte man den Hochwassergeschädigten in Kroatien spenden.

Gebt nicht dem Wetter die Schuld an der geringen Wahlbeteiligung. Das Problem sind die farblosen Volksvertreter die sich einen sicheren Platz am Brüssler Futtertrog verschaffen wollen.

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