Die wahre Geschichte von

Estibaliz Carranza
über ihre zwei Leben

Buch der Doppelmörderin erscheint - Co-Autorin Prewein über "Estis" Memoiren

Eine langjährige Freundin von Estibaliz C. sagte am dritten Prozesstag aus. © Bild: Getty Images/AFP/DIETER NAGL

In ihrer Fantasie verbringt Estibaliz Carranza, 36, viel Zeit mit ihrem Sohn, in ihrer Fantasie sitzt sie nicht wegen Doppelmordes im Gefängnis. Sie lebt zwei Leben: "Meine zwei Leben" heißt deshalb auch das Buch der Eislady. "Es war für sie so etwas wie ein heilsamer Prozess", sagt Martina Prewein, Co-Autorin des Buches, über die Entstehung der Memoiren.

Immer wieder besucht die NEWS-Journalistin die verurteilte Doppelmörderin im Gefängnis. Und lässt sich ihre Geschichte erzählen. "Es sind ihre Worte, es sind ihre Schilderungen", sagt Prewein. Estibaliz Carranza sei froh, dass ihr Buch endlich erscheine. Es sei ihr wichtig gewesen, die Dinge aus ihrer Sicht zu erzählen.

Die Verwandlung der Eislady

Und das Buch wirkt sich positiv auf ihre Gesundheit aus: Sie musste sich auch mit ihren bösen Seiten auseinandersetzen. Jene Seiten, die sie davor gerne verdrängt hat. "Ich habe gemordet. Zwei Mal. Trotzdem empfinde ich mich nicht als eine Kriminelle", schildert Estibaliz Carranza ihre Gefühlslage nach den Morden. Damals befand sie sich auf der Flucht vor der Justiz.

Heute beginnt sie sich der Realität zu stellen: "In der Therapie hat sie schon Fortschritte gemacht", sagt Prewein. Sie verdränge weniger und versuche ihre dunklen Seiten zu bekämpfen. "Zwei Mal in der Woche bin ich bei einer Psychologin. Sie hilft mir dabei, mein wahres Ich zu
finden. Mich, die echte Esti. Den Menschen, der niemals dazu fähig gewesen wäre, zwei Männer umzubringen", schreibt die 36-Jährige über ihre eigene Verfassung.

"Esti" gehe es zurzeit gut, doch sie leide sehr darunter, dass sie ihren Sohn so selten sieht, so die Co-Autorin. Berührend erzählt "Esti" im Buch, wie sehr sie die Trennung von ihrem Kind belastet: "Ich lasse meinen Kleinen nicht merken, wie grauenhaft die Abschiede für mich sind. Ich lache ihn an, ich küsse ihn, ich streichle ihn, während mein Herz fast zerbricht."

Angst vor Gewalt im Gefängnis

Und noch etwas macht Estibaliz Carranza Sorgen: Sie hat nach der Veröffentlichung ihres Buches Angst vor möglichen Konsequenzen. Wie werden ihre Mithäftlinge oder die Behörden reagieren? "Angst vor Gewalt im Gefängnis hat sie gehabt, seit sie verhaftet worden ist", berichtet die NEWS-Journalistin. Weil sie befürchtet, ihren Mithäftlingen körperlich nicht gewachsen zu sein. In der jetzigen Situation sind ihre Ängste noch gewachsen.

Dennoch ist das Buch enorm wichtig für die 36-Jährige. Sie kann sich viele Erlebnisse aus ihrer Kindheit und Jugend von der Seele schreiben. "Vieles was vor den Morden passiert ist, war für mich neu", sagt die Co-Autorin. Durch das Buch werde erkennbar, wie sich ihr Leben so entwickelt hat.

Und für die Zeit in Haft hat sich Estibaliz Carranza ihre eigene heilsame Zuflucht geschaffen: "Ich habe mich mit meiner Situation abgefunden. Ich betrachte meine Zelle nicht mehr als Zelle, sondern als mein Zuhause. Als meine Wohnung. Wenn ich aus dem vergitterten Fenster schaue, sehe ich Bäume. Die Natur. An den Wänden hängen Fotos von meinem Kind, meinem Mann, meinen Eltern, meinem Bruder. So habe ich sie immer um mich."

Das Buch "Meine zwei Leben" von Estibaliz C. und Martina Prewein
© edition a Verlag

Meine zwei Leben - die wahre Geschichte der Eislady
Gebundene Ausgabe: 224 Seiten
ISBN: 978-3990011140
Preis: 19,95 €
erhältlich ab 17.11. 2014

Zu den Autoren
Estibaliz Carranza, geboren 1978 in Mexiko City, lebte in ihrer Kindheit in Mexiko und Spanien. Nach Abschluss eines Wirtschaftsstudiums lebte sie in Bayern, Berlin und schließlich in Wien, wo sie einen Eissalon betrieb. Für zweifachen Mord erhielt sie 2012 eine lebenslange Haftstrafe, die sie in der Justizanstalt Schwarzau in Niederösterreich verbüßt. NEWS-Journalistin Martina Prewein begleitete Estibaliz Carranza bei der Entstehung dieses Buches. Sie studierte Publizistik und Theaterwissenschaften und ist seit mehr als zwanzig Jahren Kriminalreporterin.

Kommentare

Es ist schon unglaublich wie einer Doppelmörderin die Plattform für ihre Selbstverwirklichung gegeben wird. Was sollen denn die Eltern von den beiden ermordeten sagen. Die können sie nicht mehr sehen und weinen jeden Tag um ihre Kinder. Wie sieht es eigentlich mit dem verdienst aus dem Buchverkauf aus, bekommen das die Hinterbliebenen der ermordeten Männer? Nein, natürlich nicht.

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