Fakten von

Enttäuschte Liebe

Ehemann Roland R. über die Inszenierung seiner Frau, der Eislady Estibaliz C.

Estibaliz C. - ihr Leben nach dem Urteil © Bild: REUTERS/Leonhard Foeger

Estibaliz C., genannt Eislady, ist Österreichs mit Abstand bekannteste Straftäterin. Roland R., der Ehemann, möchte die Inszenierung nicht länger dulden. Er klagt an: Nicht nur seine Frau, sondern auch sich selbst. Mit ihr hat er abgeschlossen. Um seinen kleinen Sohn will er kämpfen.

Das Leben von Roland R. ist 47 Jahre lang relativ unspektakulär verlaufen. Dreißig Jahre ist er in derselben Firma tätig, zwei Kinder hat er großgezogen, eine Krebserkrankung überwunden. 2010 lernt er eine junge Frau kennen. 2011 ziehen die beiden zusammen. Wenige Monate später ändert sich das Leben des Roland R. schlagartig, im wahrsten Sinne.

Die Geschichte des Roland R. ist auch die Geschichte der Estibaliz C., Österreichs mit Abstand bekanntester Doppelmörderin, besser bekannt als: die Eislady. Im Sommer 2011 kam die dunkle Vergangenheit der spanisch-mexikanischen Doppelstaatsbürgerin ans Licht, die Betreiberin des Wiener Eissalons Schleckeria hatte zwei ehemalige Lebenspartner ermordet, zerstückelt und die Leichenteile im Keller einbetoniert. Die Flucht misslingt -in Udine ist für Estibaliz C. Endstation.

Seit damals kann die Geschichte des Roland R. unter dem Titel "Mein patschertes Leben" zusammengefasst werden. R. hat seine Lebenspartnerin, die bei ihrer Verhaftung im zweiten Monat von ihm schwanger war, nicht verlassen, er hat sie 2012 sogar geheiratet, in der Haftanstalt. Hat seine Frau regelmäßig besucht, das Spiel mit Anwälten und Medien teilweise toleriert, vielleicht nicht ganz durchschaut. Heute sagt er: "Ich war naiv, ich war dumm. So verarscht wie ich will man nicht werden."

Roland R. beklagt die Geschäfte, die seine Frau von der Haft aus relativ schamlos mit Buchund Filmprojekt betreibe. Und legt Briefe vor, die Einblicke in die Gedankenwelt der Estibaliz C. geben sollen. "Sie zeigt keine Reue", sagt er. "Sie vermarktet sich mit Bikinifotos, mit Videos. Es geht um die Kuschelzelle, um vegetarische Kost. Ja selbst wenn sie kein Stück Fleisch mehr isst oder ein Loch in der Unterhose hat, wird das medial ausgeschlachtet."

Ende September hat Roland R. seine zu lebenslanger Haft im Maßnahmenvollzug verurteilte Frau das letzte Mal besucht. Seither herrscht Funkstille. Roland R. kämpft, wie er sagt, nur mehr um seinen dreieinhalbjährigen Sohn, der bei den Großeltern in Barcelona lebt und kaum noch mit ihm kommunizieren kann. Roland R. führt das darauf zurück, dass er seit dem Frühjahr das Spiel seiner Frau durchschaue - eben weil er sie immer wieder gebeten habe, mit der Inszenierung in den Medien aufzuhören; doch er sei auf taube Ohren gestoßen. Tatsächlich haben die Berichte in den letzten Monaten wieder deutlich zugenommen. Kaum eine Woche ohne neue Aufregung: Zuletzt ging es nicht nur um die Option einer Kuschelzelle, sondern auch um angebliche Fluchtgedanken, die vom Anwalt der Estibaliz C. ins Reich der Fantasie verwiesen wurden. Mithäftlinge sollen sich zudem zuletzt bedroht gefühlt haben; Estibaliz C. wiederum soll sich gemobbt fühlen. Schon Ende des Vorjahres war im Verlag "Edition a" die Biografie seiner Frau, "Meine zwei Leben", erschienen. "Jeder Bericht ist eine Niederlage", sagt Roland R., der die Sache heute so kritisch wie selbstkritisch sieht.

Herr R., viele Österreicher fragen sich: Wie kann man sich überhaupt auf so eine Frau einlassen? Wie kann man - mit Verlaub - so verrückt sein, diese Frau in der Haft zu heiraten?
Diese Frage habe ich in den letzten Jahren tausende Male gestellt bekommen. Sie haben von mir ihre Briefe bekommen, ich habe nichts zu verheimlichen. Sie werden heraus lesen: Für mich war sie eine Person, die krank ist. Sagen wir so: Ich versuchte mir einzureden, dass sie krank sei. Heute weiß ich: sie hat immer, über all die Jahre, alles bis ins Detail geplant. Von A bis Z, bis hin zu unserer Hochzeit in der Haft. Ich habe sie geliebt und bin lange hinter diesen Lügen gestanden, ich Trottel. Ja, ich war naiv. Ich hasse mich selbst dafür, habe viele gute Freunde verloren. Für all das möchte ich mich auch entschuldigen. Wer aber sagt: 'Na ich hätte das so oder so gemacht', der hat trotzdem leicht reden. Als ihre Vergangenheit aufflog, sie flüchtete und dann eingesperrt wurde, war sie mit meinem Kind schwanger.

»Bei den Morden gab es aus meiner Sicht ein finanzielles Motiv«

Können Sie belegen, dass Ihre Frau alles geplant hat?
Das ist meine Einschätzung. Sie hat mir aus der Haft einmal geschrieben: "Kein Richter wird jemals die Wahrheit erfahren." Leider sollte ich bei ihrem Prozess nicht aussagen. Ich sage: Sie lügt. Dass es ihr bei ihren Eltern nicht gut ging? Stimmt nicht. Dass ihr Vater ein schlechter Mensch sei und sie schlecht behandelt hat? Stimmt ebenfalls nicht. Aber natürlich sollte sie das sagen, damit sie vom Gericht als geisteskrank eingestuft wird. Es entspricht nur nicht der Wahrheit. Bei den Morden gab es aus meiner Sicht ein finanzielles Motiv. Ihr Baby war der Eissalon, die beiden Männer hatten auf Geld gewartet, das sie ihnen vom Eissalon schuldig war. Sie hat mir immer gesagt: "Das ist mein Baby. Ich glaube nicht, dass es jemand schafft, mir etwas vom Eissalon weg zu nehmen." Im Nachhinein bekommt das alles einen tieferen Sinn. Sie hat ihr Baby namens 'Eissalon' dann übrigens sofort abgestoßen, als sie selbst schwanger war.

Geheiratet haben Sie Ihre Frau erst nach der Geburt Ihres Sohnes, im Frühjahr 2012. Des Kindes wegen?
Eben nicht. Genau das wollte ich nicht. Die Liebe war damals auch da. Estibaliz war zu diesem Zeitpunkt sehr betrübt und sehr emotionell in ihren Briefen. Sie wollte sich bessern. Ich hatte Hoffnung. Ich wollte es mir nicht so einfach machen, obwohl mir alle geraten hatten: 'Pfeif' auf die Frau, nimm dir das Kind!' Oder:'Heirate sie vor der Geburt, dann hast du mehr Rechte!' Habe ich nicht getan. Mit der Konsequenz, dass ich jetzt meinen Sohn nicht mehr sehen kann. Obwohl wir das geteilte Sorgerecht haben, sie eine zweifache Mörderin ist und ich ein unbescholtener Bürger.

»Ich durchschaue das Spiel seit April«

Wann kam es zum Bruch?
Ich durchschaue das Spiel in etwa seit April. Damals hat mich auch ein pensionierter Justizinsider freundschaftlich darauf hingewiesen, dass das nicht gut ist, was meine Frau da macht, wie sie sich vermarkten lässt. Der Knackpunkt war dann am 4. Mai: Ich war mit der Buchautorin (damals hauptberuflich News-Redakteurin, Anm.) bei meiner Frau. Die beiden Damen sind über alle hergezogen, sogar über den Verleger haben sie sich lustig gemacht. Ich fragte dann die Autorin. "Was spielt sich da ab? Ihr macht doch mit meiner Frau nur Geschäfte." Die Autorin meinte: "Besser du suchst dir einen neuen Freundeskreis und endlich eine Arbeit. Die gehört jetzt uns."

Ihre Reaktion?
Ich habe sie weiter besucht, habe mich im Sommer noch sehr darum bemüht, ein Gespräch mit ihr im Beisein ihrer Psychologin zu erreichen, die sie in der Haft regelmäßig betreut. Doch Estibaliz meinte: "Bist du verrückt? Du kannst doch vor meiner Psychologin nicht meine Lügen aufdecken. Die hab ich im Griff. Manchmal denke ich, ich bin ihre Psychologin." Auch mit dem Anstaltsleiter habe ich Ende August gesprochen, weil ich einen Langzeitbesuch wollte, um einmal in Ruhe mit ihr reden zu können, weil einiges aus dem Ruder läuft. Er meinte: Warum sollte ich das genehmigen? Diese Person, wie er sie nannte, macht sich ein Geschäft. Diese Person, sagte er, weiß ja gar nicht, was sie ihrem Kind antut. In zehn Jahren liest das Kind das alles. Er meinte auch, er wäre froh, wenn sie heute da raus geht und morgen fort ist. Und, nicht böse sein, sagte er zu mir: 'Was mit ihrem Kind passiert, da müssen sie sich selbst auf die Füße stellen.'

Wie oft sehen Sie Ihr Kind?
Je kritischer ich gegenüber meiner Frau wurde, desto weniger durfte ich mit meinem Sohn kommunizieren. Früher haben wir fast täglich miteinander geskypt, ab Juli nur mehr zwei Mal pro Woche. Ab September nur mehr kurz am Sonntag. Früher haben mein Sohn und die Großeltern regelmäßig bei mir gewohnt, wenn sie nach Österreich gekommen sind. Jetzt habe ich in News gelesen, dass sie im Oktober da waren, ohne dass ich davon wusste und ihn sehen konnte -da ist mir endgültig der Kragen geplatzt. Dabei hatte ich sogar an die Justizanstalt geschrieben, dass meine Frau und ich eine Krise haben und man mir bitte mitteilen möge, wann mein Kind auf Besuch kommt. Doch es hieß: Verschwiegenheitspflicht!

»In welchem Land leben wir, dass ich meinen Sohn nicht sehen darf?«

Haben Sie das Jugendamt eingeschaltet?
Ich war zwei Mal dort, wollte mit einer Hofrätin im Justizministerium sprechen -alles ohne Erfolg. Sieht so aus, als hätte ich keine Chance. Das muss mir die Justiz mal erklären: Eine zweifache Mörderin hat mehr Rechte als ich als unbescholtener Bürger? Wir haben geteilte Obsorge, ich habe zwei erwachsene Kinder, bin bereits Großvater. Warum ich so schlecht sein sollte, weiß ich nicht. Okay, ich habe keinen Luxus. Aber mein Sohn hätte es bei mir nicht schlecht. In welchem Land leben wir eigentlich, dass ich meinen Sohn nicht sehen darf?

Sie selbst hatten nach der Geburt 2012 zugestimmt, dass das Kind bei seinen Großeltern in Spanien wohnt. Bereuen Sie diesen Schritt?
Für mich war damals das einzig Wichtige, das Kind abzuschirmen gegenüber den Medien. Das war emotional eine Ausnahmesituation, ein Horror, ich hatte mit vielen Dingen gleichzeitig zu kämpfen. Das Jugendamt wollte, dass das Kind zur Adoption freigegeben wird; alle haben versucht, auf mich einzureden, weil mein Sohn ja keine Chance haben werde mit einer zweifachen Mörderin als Mutter, ein normales Leben führen zu können. Ich war absolut gegen eine Adoption! Meine Frau meinte damals: unterschreib', damit unser Kind zu den Großeltern nach Barcelona darf. Ich weiß noch: Ich hatte das Baby im Maxi-Cosi unter dem Arm, als mir ein Anwalt den Zettel vorlegte, damit auch ich schnell unterzeichne. Ja, auch das war naiv, war dumm. Aber: ich bin davon ausgegangen, dass wir uns das gemeinsam ausmachen, wir uns zwei Mal im Monat sehen und er bei mir ist, wenn Ferien sind oder die Großeltern keine Zeit haben. Das hatte mir meine Frau auch immer geschrieben, dass unser Sohn eine enge Beziehung zum Vater haben soll. Aber damals hatte sie ja auch noch geschrieben, dass sie keine Geschäfte mit Medien machen will.

Wenn das Gespräch auf seinen Sohn kommt, dann wird Roland R. emotional, hat immer wieder Tränen in den Augen. In Briefen hatte seine Frau geschrieben, dass ihr eine starke Bindung zwischen Vater und Sohn ganz wichtig wäre, auch, dass das Kind ab dem dritten Lebensjahr bei ihm aufwachsen sollte. Irrtum. Im September hat Roland R. selbst einige Stunden bei einem Psychologen in Anspruch genommen. "Seither bin ich ein wenig gefasster, sehe die Sache noch klarer. Auch, weil ich wieder einen guten Job habe." Ein Bekannter, ebenfalls Psychologe, erzählt R., habe seine Frau "schon vor längerer Zeit mit einer Gottesanbeterin verglichen."

Auch Sie haben dieses Spiel mit Medien eine Zeit lang mitgespielt, haben sich einmal zu den Schwiegereltern begleiten lassen. Könnte man nicht auch den Spruch strapazieren: Die Geister, die ich rief, werde ich nicht mehr los?
Mag sein. Aber als mein Sohn Ende 2012 als Baby auf dem Cover von News auftauchte, habe ich rechtliche Schritte unternommen. Nie habe ich für ein Gespräch mit Medien Geld genommen.

Wie viel Geld haben Sie vom Bestseller Ihrer Frau erhalten?
Nichts, keinen Cent.

Auch Ihre Frau will davon nicht profitiert haben. Schwer vorstellbar, dass laut Verlag über 12.000 Stück verkauft werden und die Hauptdarstellerin hat keinen Benefit.
Mir wurde schon Anfang des Jahres erklärt, dass 18.000 Stück verkauft wurden. Ich selbst hätte für das Buch bei der Präsentation Werbung machen und dafür Geld erhalten sollen. Das habe ich abgelehnt.

»Man macht mit Toten keine Geschäfte«

Warum?
Weil etwa vierzig Prozent des Buches erlogen sind und ich der Meinung bin: Man macht mit Toten keine Geschäfte. Und auf Kosten der Angehörigen schon gar nicht. Meine Frau hat mit dem Verleger vereinbart, dass im Rahmen ihres Fernstudiums an einer spanischen Universität eine Projektarbeit für den Verlag machen kann. Die Universität weiß ja nicht einmal, dass Estibaliz in Österreich in Haft sitzt. Außerdem hat sie mit dem Verleger diskutiert, dass sie als Übersetzerin tätig werden könnte, wenn sie nach Spanien überstellt wird und die Haftbedingungen gelockert werden.

Hätten die Angehörigen der Mordopfer am Buchverkauf partizipieren sollen?
Das war ursprünglich so geplant. Das wäre aus meiner Sicht das Mindeste, auch wenn man das Leid -wenn überhaupt - nur lindern kann. Jetzt spielen Verleger, Anwälte und Estibaliz zusammen, weil sie auf das Geschäft mit den Filmrechten hoffen. Sie nennt sie: meine Freunde. Ich nenne sie: ihre Geschäftspartner.

Warum haben Sie Ihrer Frau nicht vom Buch abgeraten?
Als Estibaliz das Angebot hatte, hat sie mich gefragt, was sie tun soll. Ich habe Nein gesagt. Ich war zu diesem Zeitpunkt jedoch mit der Autorin in Kontakt. Die erklärte, das wäre gut, auch Anwälte und Psychologen seien dieser Meinung, es wäre gut für Estibaliz. Dann hab ich gesagt: Wenn es für sie gut ist, dann macht es halt, aber ich will damit nicht in Berührung kommen. Dann wurde das Buch geschrieben, kommuniziert wurde via E-Mail und Handy. Dass das Buch illegal gemacht wurde, habe ich erst Ende 2014, nach dem Erscheinen erfahren. Aber sie hatte in der Haft auch drei Handys, obwohl sie keines hätte haben dürfen.

»Estibaliz ist raffiniert. Raffinierter als die Justiz«

Wer hat ihr die Telefone besorgt?
Ich nicht. Estibaliz ist raffiniert. Raffinierter als die Justiz. Das weiß auch Brigadier Neuberger, der Leiter der Anstalt in Schwarzau. Ein Handy hat sie aus der Justizanstalt Josefstadt mitgenommen, zwei andere hat sie in Schwarzau bekommen, wo sie jetzt einsitzt. Das Buch sollte man als Roman sehen. Die Wahrheit kann man natürlich nicht schreiben, das sei doch klar, hat man mir gesagt, man müsse es so schreiben, dass es beispielsweise sehr gut war, dass Estibaliz mit der Gerichtspsychiaterin Heidi Kastner gesprochen hat. Frau Kastner entscheidet ja letztlich darüber mit, ob und wann die Haftbedingungen gelockert werden und meine Frau nach Spanien übersiedeln kann. Sobald das Buch fertig war, hat man der Gutachterin Kastner ein Exemplar geschickt. Man wusste vorher schon, dass es im Frühjahr 2015 wieder eine Untersuchung bei ihr geben würde. Da wollte man Estibaliz nicht unbedingt als brutale Killerin präsentieren. Hier wird ein doppeltes Spiel gespielt.

Letztlich haben auch Sie dem Projekt zugestimmt. Wann haben Sie registriert, dass Ihre Frau, wie Sie sagen, ein doppeltes Spiel spielt?
Erst heuer im Frühjahr, das müssen Sie mir glauben. Als ich Estibaliz gefragt habe, was in Ihrem Leben wichtig ist, hat sie mich mit großen Augen angeschaut. Ich fragte sie: Gesundheit? Sie meinte: Ja, Gesundheit, aber vorher kommt das Finanzielle. Das hat mir zu denken gegeben. Ich hatte ihr immer wieder gesagt, ich möchte nicht, dass sie sich in den Medien und geschäftlich mit diesen beiden Morden profilieren will. Sie sollte am Boden bleiben, wissen, was sie angestellt hat, Reue zeigen. Und nicht ihren Verleger oder ihren Staranwalt Tomanek empfangen, das mag ich nicht. Es wird so dargestellt, als wäre sie die Arme. Das ist krank. Kein Mörder in diesem Land vermarktet sich permanent selbst. Verheerend. Charakterlich letztklassig. Mir hat der Anstaltsleiter gesagt: "Sie ist die einzige Gefangene in Österreich, die sich so benimmt." Und es stimmt ja: Oder liest man von einem Fritzl ständig in der Zeitung?

»Sie ist die einzige Gefangene in Österreich, die sich so benimmt«

Es stört Sie also, dass Ihre Frau zu wenig Reue zeigt?
Das zweite Mordopfer, der Manfred H., hatte zwei Töchter. Stellen Sie sich vor, wie es denen geht, wenn sie permanent über die so genannte Eislady lesen müssen, die ihren Vater auf dem Gewissen hat. Stellen Sie sich vor, Sie sind Vater oder Mutter eines Kindes, das auf brutale Art und Weise ermordet wurde. Und die so genannte Eislady ist seit vier Jahren permanent publik. Das trifft diese Angehörigen viel härter, als wir uns das vorstellen können. So schwer es für meine Frau in Gefangenschaft auch sein sollte: Sie hat keine Ahnung, wie es den Angehörigen der Opfer damit geht, wenn der Fall permanent ausgeschlachtet wird. Der Angehörigen der Opfer und der Angehörigen der Täter. Ich bin Opfer einer Täterin. Meine alte Mutter, meine Kinder aus erster Ehe -wir alle müssen immer wieder über die Eislady lesen. Dabei hatten wir nach dem ersten Schock gesagt: Okay, es ist passiert, du sitzt deine Strafe ab, wir halten genauso zu dir wie deine Eltern in Spanien. Auch die Eltern von Estibaliz haben sie gebeten: 'Bitte hör' endlich auf, medial in Erscheinung zu treten!' Wenn ich gesagt habe: Bitte lass' das, das tut uns allen weh, war ihr das egal.

Mit welchem Argument?
Sie meinte: "Um euch geht es nicht, es geht um mich. Jeden Tag in den Medien, das wäre besser. Ich gehe euch so auf den Arsch, bis ich draußen bin. Dieses Scheiß-Land interessiert mich nicht!"

Also alles nur Taktik, um schnellstmöglich in ein spanisches Gefängnis zu kommen?
Fragen Sie doch die Leute auf der Straße. Die sagen: Was die macht, ist ein Wahnsinn; die macht sich nur Geld damit; die geht mir auf die Nerven. Dann kommt wieder eine große Story mit ihr. Und ich werde angerufen und anonym beschimpft: Killerficker, Hurenkind. Natürlich steckt System dahinter, die Strategie lautet: Je stärker sie medial präsent ist, desto eher werden die genervten Österreicher sagen: Was macht diese Frau hier? Wir wollen sie los haben!

»Ich gehe euch so auf den Arsch, bis ich draußen bin«

Der Anstaltsleiter meinte: Spanien würde Ihre Frau aufnehmen. Und: Die Kosten für die Gefangene Estibaliz C. - immerhin 40.000 Euro im Jahr - ersparen sich die Steuerzahler auch. Kein schlechter Deal für den Staat.
In Österreich müsste sie mit dieser Haftstrafe 15,16 Jahre hinter Gittern verbringen, das weiß sie natürlich. Sie weiß aber genauso gut: In Spanien läuft es anders. In Spanien wird geviertelt. Selbst in einem ganz schweren Fall wie dem ihren: Nach insgesamt zehn Jahren ist sie draußen. Sie weiß, dass sie in spätestens zwei, drei Jahren aus dem Maßnahmenvollzug in den normalen Vollzug kommen wird; dafür braucht sie ein Gutachten von Frau Kastner. Und ein halbes Jahr später ist sie dann in Spanien. In Spanien, hat sie mir gesagt, könne sie sich alles kaufen. Wenn sie mal in Spanien ist, dann sehe ich meinen Sohn nie wieder.

Haben Sie nicht auch von den Geschäften rund um die Kunstfigur Eislady profitiert?
Von dem Fall nicht. Privat hat mir meine Frau zwei Mal 15.000 Euro gegeben. Einmal, weil sie nach der Geburt wollte, dass ich mir ein Auto kaufe und das Schlafzimmer einrichte, mit Gitterbett, für unseren Sohn. Ein zweites Mal, weil sie gewollt hatte, dass ich den Großeltern für die Betreuung monatlich 1.000 Euro gebe. Da ich immer alle meine Kinder gleich behandeln wollte, hatte ich auch meinen beiden Kindern aus erster Ehe jeweils 1.000 Euro im Monat gegeben. Das ging sich - obwohl ich 2.700 Euro netto verdient habe - logischerweise nicht lange aus. Ab 2013 hat dann Estibaliz die Zahlungen an ihre Mutter übernommen. Jedes Mal, wenn sie mit unserem Sohn auf Besuch war, habe ich das Geld von Anwalt Mayer geholt und übergeben. Ab 2014 kam dann ein Bote von Anwalt Mayer zu uns nach Hause und übergab der Mutter das Geld. Wie viel das war, weiß ich nicht.

Werden Sie die Scheidung einreichen?
Wir brauchen keine Scheidung. Wir müssen die Ehe nur annullieren lassen. Als Eheleute hatten wir keinen gemeinsamen Haushalt und keinen körperlichen Kontakt.

Wie sehen Ihre nächsten Schritte aus?
Es gibt Dinge, über die ich zum jetzigen Zeitpunkt nicht sprechen kann. Nicht gegenüber Journalisten. Ich möchte erst mit dem Justizministerium, der Anstaltsleitung und den Psychotherapeuten reden. Denen hab ich viel zu erzählen.

Kommentare

Oberon
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Es wurde sehr viel über Estibaliz C. berichtet, darum versuche ich es mit einer Einschätzung ihrer Persönlichkeit. Ich halte sie für eine Frau mit einer ausgeprägten narzisstischen Störung, die Menschen für
ihre Zwecke nutzt, und wenn diese Dienste getan haben, einfach wegwirft. Sie ist imstande, leicht beinfluss- und beeindruckbaren Männern das Idealbild(?) einer Frau zu zeigen, das ihr .......

Oberon
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... tatsächlich in keiner Weise entspricht, um sie sodann zu manipulieren. Auf mich wirkt sie kalt und gefühllos. Sie verfolgt gnadenlos ihre eigenen Interessen, und räumt alle, die ihr dabei im Weg stehen, zur Seite. Dem Kind entzieht sie den Vater deswegen, weil sie ihn nur als Erzeuger sieht und er für sie daher keinen Wert hat. Die Gefühle der Menschen sind ihr egal. Mitgefühl ist ihr ....

Oberon
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....fremd.
Ich bin kein Psychiater, dass sind einfach nur meine Ansichten, spontan formuliert.

Wergznase melden

»In welchem Land leben wir, dass ich meinen Sohn nicht sehen darf?«

In dem Land, in dem zwei weitere Mütter ihre Söhne wegen ihr nicht mehr sehen können.

Martin Westendorf
Martin Westendorf melden

Als langjähriger "Freund" und Trauzeuge von Estibaliz bin ich sehr dankbar, dass endlich jemand die Farce aufdeckt, die Estiblaliz die ganze Zeit abzieht! Ich habe damals im Prozess versucht, im Rahmen meiner Aussage, dem Gericht und letztlich auch der teilnehmenden Öffentlichkeit, die Augen zu öffnen.#Hr. Mösl: Sie liegen meilenweit daneben!

franz-ferdinand melden

hi martin,
du kannst es ja nur nicht ertragen, dass dein freund holger nicht der war für den du ihn gehalten hast.
das du in allen medien beiträge schreibst und lügen verbreitest macht die sache aber auch nicht wahrer.
lasse es einfach!
ciao, franz

Roland Mösl

Was wird Sie wohl mit all dem Geld aus den Medien machen? Ich glaube das Kind unterstützen. Wenn das der Fall ist, dann tut Sie im Moment das Beste für ihr Kind. Schade, dass dieser xxxxx das nicht verstehen will.

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