Erklärungsversuch von

Warum gibt es so viele Porsches?

Wolfgang Kralicek über Sportwagen, Hochstapler und Neid

Wolfgang Kralicek © Bild: NEWS

Ein nagelneuer Porsche 911 ist auf unseren Straßen ein erstaunlich alltäglicher Anblick. Damit wir uns nicht falsch verstehen: Es gibt gute Gründe, sich einen Porsche zu kaufen. Der 911er ist ein toller Sportwagen, ein wunderschönes Auto, eine lebende Legende. Aber woher, bitte, haben all die Porschefahrer das Geld? Wir reden hier von einem Auto, das laut Preisliste 111.028,57 Euro kostet – mindestens. Es können gern auch mehr als 250.000 Euro sein.

Ein paar haben womöglich im Lotto gewonnen (oder sehr viele Totozwölfer gemacht). Manche wohnen vielleicht auf dem Campingplatz, um den Traum vom Porsche leben zu können. Aber müsste man solchen Menschen ihr Glück nicht ansehen? Die meisten Porschefahrer aber wirken gar nicht glücklich, sondern fast unverschämt relaxed; gelangweilt lümmeln sie im Cockpit, als wäre es das Normalste auf der Welt, so ein Auto zu fahren.

Okay: Einige sind bestimmt Hochstapler; ganz sicher gehören Hausherrensöhne oder Zahnarztgattinnen zum Kundenkreis. Dazu würde das fade Aug’ passen. Aber auch das erklärt noch nicht alles. Die ganze Wahrheit ist niederschmetternd banal: Porschefahrer sind die Leute, die auch in diese unfassbar teuren Wohnungen einziehen. Sie verdienen sehr, sehr gut – oder sind zumindest Erben von Menschen, die sehr, sehr gut verdient haben.

Porschefahrer fahren Porsche, weil sie sich’s leisten können. Man kann ihnen dazu nur neidlos gratulieren. Das gilt aber nicht für Besitzer der neumodischen, klobigen Porschemodelle Cayenne und Panamera. Es gibt keine vernünftige Erklärung dafür, warum jemand so viel Geld für so hässliche Autos ausgibt.

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