"Er hat es selbst gesagt": Kubas Staatschef Castro soll bald wieder in Amt zurückkehren

"Maximo Líder" werde im Spital "gut gepflegt" US-Experten bezweifeln Rückkehr des Staatschefs

Der erkrankte kubanische Staatschef Fidel Castro wird nach Angaben seines Stellvertreters die Amtsgeschäfte in wenigen Wochen wieder übernehmen. Castro werde seine Funktion in einigen Wochen wieder ausfüllen, "er hat es selbst gesagt", sagte Vizepräsident Carlos Lage.

Mehrere US-Experten meldeten Zweifel an. "Meiner Meinung nach wird er niemals wieder in der Lage sein, seine Rolle zu übernehmen. Seine Ära ist vorbei", sagte der ehemalige CIA-Mitarbeiter Brian Latell bei einer Gesprächsrunde in Miami, der Hochburg der Exil-Kubaner.

Lage, einer der kubanischen Vizepräsidenten, sagte bei seinem Aufenthalt in Kolumbien, wo er an der Vereidigung des kolumbianischen Präsidenten Alvaro Uribe für seine zweite Amtszeit teilnahm, Castro werde im Krankenhaus "gut gepflegt" und sei die ganze Zeit bei vollem Bewusstsein. Castros Bruder, Verteidigungsminister Raul Castro, werde so lange die Amtsgeschäfte führen, bis der Staatschef völlig genesen sei, fügte Lage hinzu. Der Regierungsbeauftragte für Kultur, Roberto Fernandez Retamar, widersprach jedoch implizit den offiziellen Verlautbarungen über die rasche Genesung Castros. Bevor der Staatschef die Amtsgeschäfte wieder übernehme, würden "mehrere Monate verstreichen", sagte Fernandez Retamar.

US-Experten bezweifeln Rückkehr des Staatschefs
"Fidel Castro kommt nicht zurück - und wenn, dann ist es nur ein zeremonieller Akt", sagte der Direktor des Instituts für Kubanische und Kubanisch-Amerikanische Studien in Miami, Jaime Suchlicki, bei der Expertenrunde. Dort wurden auch Zweifel laut, ob Raul Castro die Amtsgeschäfte lange führen könne. "Er trinkt zu viel, wenn er unter Stress ist, und jetzt wird er wahrscheinlich noch mehr trinken", sagte der Ex-CIA-Mitarbeiter Latell. "Wir müssen einen Blick auf die Ära nach Raul werfen", schlug auch Suchlicki vor. Er bezeichnete Raul Castro als "Stalinisten", der "mindestens genauso brutal" wie sein Bruder sei.

Der bald 80-jährige einstige Revolutionsführer hatte vor einer Woche die Amtsgeschäfte vorübergehend an seinen Bruder übergeben. Offiziell hieß es, er müsse sich einer Darmoperation unterziehen. Dass seit der Machtübertragung keiner der beiden Brüder mehr in Erscheinung getreten war, hatte Spekulationen angeheizt, Castros Zustand könnte sehr viel ernster und hinter den Kulissen bereits ein Machtkampf über seine Nachfolge entbrannt sein.

Während Parlamentspräsident Ricardo Alarcon am Wochenende betont hatte, Castro befinde sich auf dem Weg der Besserung, hatte die brasilianische Tageszeitung "Folha" berichtet, Castro habe Darmkrebs und es gehe ihm schlechter als von den kubanischen Behörden zugegeben. (apa/red)