Ein gastfreundliches und herzliches Volk:
Süß essen, um süß miteinander zu reden

Gastfreundschaft annehmen, aber nicht ausnutzen Landesfläche ist zehnmal größer als Österreich

Ein gastfreundliches und herzliches Volk:
Süß essen, um süß miteinander zu reden © Bild: Reuters/Saribas

Die Türken sind nicht nur ein gastfreundliches, sondern auch ein ein sehr herzliches Volk. Umarmungen gehören zum selbstverständlichen Umgang wie auch der freundschaftliche Wangenkuss. Allerdings gibt es klare Regeln. Einfach mitmachen bei wildfremden Menschen ist nicht zu empfehlen.

Mit Wangenkuss begrüßen und verabschieden sich Türken nur, wenn sie einander schon eine Weile kennen und schätzen. Und der Kuss kommt immer im Doppelpack - jede Wange einmal. Ein einzelner Kuss wäre zu intim, drei übertrieben. Männer dürfen mit Männern und Frauen mit Frauen, ohne Hintergedanken zu wecken. Aber Vorsicht: Frauen mit Kopftuch wollen in der Regel Männern nicht einmal die Hand reichen, geschweige denn sonstige Berührungen haben.

Wenn Sie mit Türken ausgehen, lassen Sie sich ruhig einmal einladen. Vor allem, wenn es ein türkisches Lokal ist und für Ihr Gegenüber ein "Heimrecht" entsteht. Das pitzelige Auseinanderklauben von Rechnungen ist dem Türken fremd. Seien Sie aber dann auch Ihrerseits großzügig und bestehen Sie darauf, eine der nächsten Rechnungen zu übernehmen. Sie werden darum kämpfen müssen, denn jeder Türke bietet an, zu zahlen. Bestehen sie auf ihrer Pflicht - Gastfreundschaft sollte man nicht ausnutzen.

Kaviar und Joghurt
Gelegenheiten, türkisch zu essen, gibt es in Österreich inzwischen ohnehin genug. Vor 20 Jahren gingen Türken in Wien noch zum Griechen, um ihre heimatlichen Speisen zu bekommen. Jetzt gibt es vom Dönerstandl bis zum gediegenen Speiselokal alle Varianten. Aber bleiben Sie nicht beim Fleisch stehen. Zur Nachspeise ein siruptriefendes Baklava lässt einen das türkische Sprichwort verstehen: "Lasst uns Süßes essen, damit wir süß (freundlich) miteinander sprechen" (tatli yiyip tatli konusalim)

Vom historischen Aufeinanderprallen von Türken und Österreichern zeugen Orte wie der Türkenschanzpark oder die Türkenstraße in Wien. Während die Politik auch jetzt bei der EU-Integration der Türkei die Konfrontation vorlebt, zeigt die Küche, wie Integration funktionieren kann. Vom Kaviar bis zum Joghurt verwenden wir schon türkische Begriffe für das Essen. Vermutlich werden bald viele Österreicher "Döner" für eine typisch österreichische Speise halten und nicht wissen, dass das Wort nichts anderes bedeutet als "es dreht sich". Dann wird wieder ein Schritt der Integration gemacht sein.

Istanbul liegt auf zwei Kontinenten
Die Türkei ist übrigens mit einer Fläche von 779.452 Quadratkilometern fast zehnmal so groß wie Österreich. Nur 23.000 Quadratkilometer davon liegen in Europa. Die größte Stadt des Landes, Istanbul, ist die einzige Stadt der Welt, die auf zwei Kontinenten - Europa und Asien - liegt.

Die zu fast 99 Prozent muslimische Bevölkerung ist in den vergangenen Jahrzehnten stark gewachsen. Von den über 73 Millionen Einwohnern sind rund 75 Prozent Türken. Die größte Minderheit bilden die etwa zwölf Millionen Kurden, von denen die meisten im Südosten des Landes leben. Daneben leben noch kleine Gruppen von Arabern sowie Tscherkessen und Georgiern in der Türkei.
(apa)