Ein Callgirl packt aus: Nach dem Escort-Skandal startet die Jagd auf die Promi-Freier

NEWS: Callgirl erzählt, wie das Sex-Business läuft PLUS: Fagan gesteht Kontakte zu Escort-Mädchen!

Barbora ist ein ganz normales Mädchen von 19 Jahren: Sie hört gern aktuellen Pop, fährt ab auf Enigma, ist ziemlich angetan von Antonio Banderas. Sie studiert Psychologie, trägt ausgewaschene Hüftjeans, zeigt gern ihren Bauchnabel und hofft, dass der Sommer noch ein wenig andauert. "Später will ich einmal ein Kind. Oder vielleicht zwei", sagt sie und zieht vor dem NEWS-Fotoshooting professionell ihre Lippen nach.

Barbora ist kein ganz normales Mädchen von 19 Jahren. Geboren am 10. August 1986 in der litauischen Hauptstadt Vilnius, als ältere von zwei Töchtern einer Verkäuferin. Als 15-Jährige von einem Scheich in den Arabischen Emiraten entjungfert, wenig später an einen Callgirlring in Wien geraten. Zwei Kunden pro Tag, Monatssalär manchmal bis zu 3.000 Euro. "Ich werde irgendwann einmal reich sein. Und dann höre ich mit dem Job auf", sagt sie auch noch.

Barbora V. und ihre Geschichte ist die reale Antithese zu "Pretty Woman". Wohlhabende Freier zwar und Luxusessen in Cityrestaurants, im Porsche-Cabrio zum Sex, aber keine Liebe danach. Barbora hat nur einmal in ihrem kurzen Leben geweint, damals unter der Dusche in einem Palast nahe Dubai, als sie wusste, dass sie in derselben Nacht ihre Unschuld verlieren würde.

Gehandelt wie Ware
Die Zeitläufte haben sie nach Wien gespült, zum Job als Escort-Girl, bei einer von Dutzenden Agenturen, die im Internet ihre Mädchen anbieten wie ein Pizza-Service seine Margheritas. Bald wird sie wieder nach Vilnius zurückkehren, auf zwei Wochen "Heimurlaub" in ihr Kinderzimmer.

Drei Stunden saß Barbora beim Wiener Nobelitaliener Fabios dem NEWS-Reporter gegenüber, schaufelte die Seele frei von den Trümmern ihres Schicksals. Barbora steht mit 19 Jahren am Ende ihrer "Karriere" als Escort und sagt: "Ja, manchmal grüble ich ein wenig. Aber was passiert ist, ist passiert".

Vier Freier im Visier
Unweit vom Fabios, im Wiener Justizministerium, sitzt Oberstaatsanwalt Werner Pleischl vor einem Aktenberg. Er sagt, was demnächst in der Causa des Callgirlringes passieren wird, den Barbora auch ganz gut kennt: "Derzeit laufen gegen vier männliche Freier konkrete Ermittlungen wegen Unzucht mit minderjährigen Prostituierten." Einer von ihnen soll der US-Topanwalt Ed Fagan sein.

In den Akten zum Fall der Agentur wird er als Konsument eines "minderjährigen" Mädchens namens Inga G. geführt, und zwar an mehreren Märztagen des Jahres 2004. Fagan, der Sammelklageprofi, hielt sich damals im Zusammenhang mit der Causa rund um die Seilbahnkatastrophe in Kaprun in Österreich auf, abends tauschte er dann den Gerichtssaal ganz gern mit dem Dancefloor eines Wiener Clubbings.

Nach mehreren Wochen des medialen Rumorens geht Ed Fagan nun in die Offensive und spricht im NEWSInterview erstmals Klartext: "Inga hat mir versichert, dass sie heuer 22 Jahre alt wird, also keinesfalls im Vorjahr minderjährig war."

Dergleichen Zahlenspielereien kratzen Fagan ohnehin kaum. Der Advokat gibt sich schon im Vorfeld siegessicher: "Man macht sich nur strafbar, wenn man wissentlich Sex mit Minderjährigen hat" (siehe Interview links).

Kunden kommen ungestraft davon
Fakt ist jedenfalls auf der juristischen Ebene: Selbst nach der Verurteilung dreier Wiener, die in Österreich einen Callgirlring betrieben und darüber hinaus auch zumindest vier Minderjährige aus Litauen in Österreich der Prostitution zugeführt hatten, waren die Kunden von der Justiz unbehelligt geblieben. Weder Polizei noch Staatsanwaltschaft wollte die honorigen Herren - darunter auch hohe Beamte, Anwälte und diverse VIPs - bezüglich ihrer unerlaubten sexuellen Aktivitäten mit unter 18-jährigen Mädchen befragen.

Längst - beinahe schon ein Jahr - galt der betreffende Akt auch tatsächlich als geschlossen. Und erst auf Druck der Medien wurde er jetzt wieder geöffnet. Die Folge: Die Justiz hat endlich mit den längst ausständigen Erhebungen begonnen. Oberstaatsanwalt Werner Pleischl über die Detailarbeit: "Derzeit ist noch nicht endgültig feststellbar, ob die einstweilige mögliche Täterliste quasi nicht nur die Spitze eines Eisberges ist. Denn wir verfügen", so Pleischl, "über Hunderte Seiten an Telefonprotokollen, in denen weitere Verdächtige vorkommen, die zum Kundenkreis bei besagtem Callgirlring gehörten. Und diese müssen nun in Zusammenarbeit mit der Polizei alle noch einmal durchforstet werden." Durchaus möglich, dass damit noch mehr Freier ins Visier geraten werden.

Fest steht nur: Seit der Ostöffnung wird Österreich von ausländischen Prostituierten überschwemmt. "Wir schätzen", analysiert Erich Zwettler vom BKA, "dass hierzulande rund 3.500 Frauen der illegalen Prostitution nachgehen."

Internet-Sex-Boom
Und Zwettler weiß auch: "Das Angebot, Callgirls per Internet nachhause oder in ein Hotel zu bestellen, hat in den vergangenen Jahren drastisch zugenommen." Schätzungen bezüglich der Zahl der einschlägigen Seiten, die im Internet kursieren, können wegen der Schnelllebigkeit des Geschäfts seriöserweise nicht getroffen werden: "Viele Homepages sind nur wenige Wochen online und verschwinden dann, um unter einem neuen Namen wieder aufzutauchen. Wir haben deshalb einen regelmäßigen Online-Streifendienst eingerichtet, der diese Seiten überwacht."

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