Drei Schuld- und zwei Freisprüche: Gericht verkündete Urteile in "Seegrotte"-Prozess

15 Monate bedingt für Beamten und Geschäftsführung Betriebsleiter und Boostführer wurden freigesprochen

Nach vier Monaten ist am Landesgericht Wiener Neustadt der Prozess um das Bootunglück in der Seegrotte Hinterbrühl (Bezirk Mödling) zu Ende gegangen, das am Pfingstmontag 2004 fünf Menschenleben gefordert hatte. Der fahrlässigen Gemeingefährdung schuldig gesprochen und - nicht rechtskräftig - zu je 15 Monaten bedingter Freiheitsstrafe verurteilt wurden ein NÖ Beamter (53) und die Geschäftsführerinnen (67 und 65) der Touristenattraktion im Wienerwald.

Freisprüche gab es für den Betriebsleiter (52) und den Führer (35) des gekenterten Schiffes, das 28 Passagiere einer deutschen Reisegruppe an Bord gehabt hatte. Ein Ehepaar und drei Frauen ertranken in dem 1,20 Meter tiefen Wasser. Sie waren unter dem Aufbau zwischen der Reling gefangen gewesen.

Wie Einzelrichterin Renate Schober ausführte, hatte der - bergrechtliche - Betriebsleiter keine Verantwortung. Dem Bootsführer war die mangelnde Ausbildung nicht anzulasten - sehr wohl aber der Geschäftsführung. Der Schuldspruch für den Beamten gründete sich darauf, dass 2003 bei der Konzessionsverlängerung prüfen hätte müssen, ob die Angaben von der Erstzulassung zehn Jahre zuvor stimmten. Tatsächlich war das völlig instabile Boot unmittelbar nach der Erstzulassung von einem Katamaran auf einen Trimaran umgebaut worden, was die Sicherheit laut Gutachter Richard Kuchar erhöhte. Der Einbau stärkerer Batterien erhöhte jedoch das Gesamtgewicht - somit wäre die Zahl der Sitzplätze von 28 auf 24 zu reduzieren gewesen.

Mildernd gewertet wurden die Unbescholtenheit und die erfolgte Schadenswiedergutmachung durch das Unternehmen. Allerdings vermisste die Richterin Einsicht bei den Angeklagten, dass man etwas besser machen können. In ihren Schlussplädoyers dankten die Verteidiger unisono für das fair geführte Verfahren drückten den anwesenden Hinterbliebenen der Opfer nochmals ihr Mitgefühl aus.

Mit dem Unglücksboot waren elf Jahre lang mehr als 80.000 Runden auf dem See ohne irgendwelche Zwischenfälle absolviert worden. Die überlebenden Passagiere sagten im Lauf des Verfahrens mehrheitlich aus, dass beim Einsteigen eine extreme Schräglage erkennbar gewesen war. Nach einer Umverteilung der Sitzenden sei die Fahrt selbst dann ohne jedes Ereignis verlaufen, bis das Boot "wie ein Blatt" umkippte, so der Bootführer heute. Im maßstab- und gewichtgetreuen Modellversuch hatte der Gutachter im März vor Augen geführt, dass das Boot beim leichten Anschubsen kenterte. (apa)