"Die Todesstrafe ist ein Auslaufmodell":
Amnesty-Chef Heinz Patzelt spricht Klartext

2009: 714 Menschen in 18 Staaten hingerichtet ai-Generalsekretär: "An der Spitze liegt China"

"Die Todesstrafe ist ein Auslaufmodell":
Amnesty-Chef Heinz Patzelt spricht Klartext © Bild: APA/Gindl

Zahlreiche Länder halten noch immer an der Todesstrafe fest. Im Jahr 2009 wurden mindestens 714 Menschen in 18 Staatem zum Tode verurteilt und hingerichtet, wie aus der von Amnesty International (AI) veröffentlichten Statistik hervorgeht. Im NEWS.at-Interview spricht Heinz Patzelt, der Generalsekretär von Amnesty International in Österreich, über die Todesstrafe, ihre politischen Hintergründe und warum sie früher oder später weltweit verschwinden wird.

NEWS.at: In welchen Staaten passieren die meisten Hinrichtungen?

Heinz Patzelt: "An der Spitze liegt sicherlich China. Wir veröffentlichen mittlerweile keine Schätzzahlen mehr, weil die chinesische Regierung behauptet, dass die Hinrichtungen zurückgehen, ohne das irgendwie mit Zahlen zu belegen. Nach China kommen die Länder Iran, Irak, Saudi-Arabien und an der fünften Stelle die USA."

Inwiefern wird die Todesstrafe auch als politisches Druckmittel eingesetzt?

Patzelt: "Es ist an sich erkennbar, dass die Todesstrafe ein politisches Instrument ist. Die wenigen Staaten, die noch Hinrichtungen durchführen, machen es aus einer politischen Angst heraus, sonst als Schwächlinge in ihrem Strafsystem dazustehen. Das lässt sich unter anderem gut daran erkennen, dass jährlich mindestens drei- bis viermal so viele Menschen zum Tode verurteilt werden als dann tatsächlich hingerichtet werden. Es geht den verurteilenden Staaten sehr oft um ein Signal und nicht darum, die Menschen gezielt staatlich zu ermorden. Ein Drittel aller Hinrichtungen im Iran im letzten Jahr ist in den wenigen Wochen nach der umstrittenen Wiederwahl Ahmadinejads und den Demonstrationen passiert. Eindeutig als Abschreckungsmittel für die Demonstranten hat man bereits zu Tode Verurteilte rasch aus den Gefängnissen geholt und in großen Schauprozessen hingerichtet."

Wie viele Menschen werden jährlich unschuldig hingerichtet?

Patzelt: "Für uns ist die Frage unschuldig Hingerichteter ein sehr wichtiger Aspekt, aber trotzdem nur ein Teilaspekt. Denn selbst wenn sicher sein könnte, dass die Todesstrafe nur Schwerverbrecher trifft, wäre sie noch immer eine völlig inakzeptable, grausame und unnötige Bestrafungsmethode. Beeindruckend sind die Zahlen aus den USA - die zumindest ein transparentes Rechtssystem haben - wo allein im letzten Jahr neun Menschen nach jahrzehntelanger Haft aus den Todeszellen entlassen werden mussten, weil man spät aber doch erkannt hat, dass ein Justizirrtum vorliegt. Das ist eine erschreckend hohe Irrtumsrate, die definitiv in anderen Staaten mit einer weniger entwickelten und hoch technisierten Rechtspflege - man denke nur an DNA-Beweis und Ähnliches - wesentlich höher liegt."

Wie sieht die Arbeit von Amnesty International in Bezug auf die Todesstrafe aus?

Patzelt: "Wir versuchen jeden uns bekannt werdenden Fall aufzugreifen, zu veröffentlichen und über sogenannte „Urgent Actions“ - eine Methode, bei der alle unsere Mitglieder an verantwortliche Regierungschefs Briefe, E-Mails und Telefaxe schreiben - darauf zu reagieren und die Vollstreckung der Todesstrafe im letzten Moment zu verhindern. Einerseits verfolgen wir klar die Strategie Staaten öffentlich als Mörderstaaten zu demaskieren und auf der anderen Seite beraten und unterstützen wir auch Staaten, die langsam realisieren, dass die Todesstrafe keine sinnvolle Antwort auf noch so schwere Verbrechen ist."

Wie beurteilen Sie die Entwicklung insgesamt?

Patzelt: "Die Todesstrafe wird nur mehr von rund 20 bis 30 Staaten tatsächlich regelmäßig angewandt. Jedes Jahr hören zwei oder drei Staaten damit auf. Jede einzelne Hinrichtung ist ein Albtraum und zu viel, aber die Todesstrafe ist ganz klar ein Auslaufmodell. Mittlerweile herrscht ein weltweiter Konsens darüber, dass die Todesstrafe falsch ist, aber einige Staaten halten ausdrücklich noch daran fest. Es ist jedoch nur mehr eine Frage, ob sie früher oder später aufhören, nicht ob sie aufhören."

(pc)

Kommentare

ja zur Todesstrafe Ich bin für die Todesstrafe allerdings nur dort, wo völlig sicher ist, dass der Deliquent die Tat, wegen der er zum Tode verurteilt worden ist (z.B.Mord) klar und ohne jeden Zweifel begangen hat. Das heißt, dass die Todesstrafe keinesfalls bei Indizienprozessen und ohne sicheren Beweis wie z.B: DNA-Beweis verhängt werden darf. Liegt allerdings dieser Beweis vor (auch sexueller Missbrauch von Kindern gehört für mich dazu) dann soll diese Strafe nach Prüfung der Umstände ohne jeden Zweifel verhängt werden. Dies keinesfalls aus "Rachegründen" aber die Tötung eines Menschen kann nur mit der Hinrichtung des Mörders bestraft werden - meine Meinung!

derpradler

Natürlich ist es fast normal als Betroffener im ersten Moment die Todestrafe zu fordern. Primitiv ist es aber trotzdem. Und es zeigt daß diese Menschen weit davon entfernt sind zu begreifen was es heißt HIRN zu haben.
Dazu trägt aber unser Rechtsstaat einen großen Teil bei, indem er Verbrecher nicht lange genug wegsperrt, sondern potentielle Mörder immer wieder frei läßt. Keine Todesstrafe verlangt aber vom Staat einen verantwortungsvollen Strafvollzug und kein Exerzierfeld für Psychiater und dergleichen.

Todesstrafe Wie wohl Hr Patzelt denken würde, wenn jemand seine Frau und/oder Kinder (falls er welche hat) vergewaltigt und/oder ermordert und dies nachgewiesen wurde (zB. DNA) und daher derjenige für schuldig befunden wurde. Ob er diesem Täter nicht auch den Tod wünscht oder doch lieber auf Kosten des Steuerzahlers versuchen lässt, den \'guten\' Mann zu therapieren ???

melden

Der größe Nachteil bei der Todesstrafe ist der Effekt auf den Rest der Bevölkerung. Dadurch,dass der Staat Leben nimmt wird auch die Hemmschwelle der Bevölkerung gesenkt.

Ich würd ganz bestimmte Menschen einfach in 4er Zellen unterbringen... Kinderschänder und Mörder sind in der Hierarchie sowieso ganz unten

melden

Stimmt nicht ganz! Kinderschänder sind in der Hierarchie im Knast ganz
unten, Mörder aber ganz oben! Da kennst dich sichtlich
auch nicht wirklich aus!

Und Kinderschänder werden zu ihrem eigenen "Schutz"
meist isoliert untergebracht, weil diese keine einzige
Nacht im offenen Vollzug mit den anderen Häftlingen
überleben würden, was ich persönlich nicht als einen
Nachteil empfinde!

Dir Ironie an der Sache ... im Knast schützt man
perverse Kinderschänder, aber wer schützt die Kinder
vor den Perversen? Somit eindeutig ... weg mit dem
Dreck und Todesstrafe! PUNKT!

Die gezielte Vernichtung menschlichen Lebens lehne ich kompromisslos ab. Dazu gehört aber nicht nur die Todesstrafe sondern ebenso (was bei derartigen Diskussionen gern vergessen wird) die Abtreibung. Personen die für Andere eine Gefahr darstellen sind jedoch dauerhaft (und nicht nur für ein paar Jahre wie in unserer Justiz üblich) aus dem öffentlichen Lebensraum zu entfernen. Und da würde ich genügend Möglichkeiten finden, dass diese Leute ihren Lebensunterhalt selbst verdienen und nicht dem Steuerzahler zur Last fallen!! Möglichkeiten bei denen AI wahrscheinlich auch wieder aufschreien würde.

melden

Todesstrafe ist in gewissen Fällen absolut richtig! Also wer glaubt, dass z.B. ein Kinderschänder der
seinen perversen Trieb auslebt etwas mit Reue,
Buße und Einsicht anfangen kann, der ist mit
Sicherheit nicht naiv, sondern einfach nur dumm!

In der heutigen Zeit gibt es eindeutige DNA Methoden
und andere Möglichkeiten um eine Tat zu beurteilen
bzw. eindeutig nachzuweisen und daher bin ich in
solchen Fällen eindeutig für die Todesstrafe!

Wie viele Kinderschänder hat man wieder freigelassen,
die dann wieder Kinder missbraucht haben?! Und das
hätte man verhindern können, wenn es nicht Menschen
gäbe, die bei solchen Bastarden an Therapie und eine
Heilung glauben! Wer sowas nämlich glaubt, der ist in
meinen Augen so dumm wie einige in der Kirche die
glauben, dass Homosexualität eine neurologische Art
Krankheit sei!

Todesstrafe JA!

melden

Re: Todesstrafe ist in gewissen Fällen absolut richtig! dieses posting muss ich als einer der hauptberuflich im kinderschutz aktiv ist aber auf`s schärfste zurückweisen, im gegenteil, ich muss auf die (gemein)-gefährlichkeit dieses gedankengutes hinweisen - aber, es gibt ja auch für vasant die möglichkeit sich weiter zu bilden!

melden

@wong huahuahuuuuuuuuaaaaa

melden

@grenzenlos24 Wer zum wiederholten Male Menschen tötet, zeigt sicher keine Einsicht, Buße oder Reue. Wozu brauchen wir so jemanden? Wozu dann noch einen Psychiater und unzählige, teuere, von unseren Steuergeldern bezahlte Stizungen usw...

Als Privater kannst du dir seelische Betreuung nicht leisten - aber wenn du wen umbringst, bekommst kostenlos einen.

Kriminelle sind Menschen denen unsere Rechte egal sind, die sich nicht an unser System anpassen wollen, die Leben auslöschen ohne über die Konsequenzen nachzudenken. Wenn jemand immer wieder tötet, dann gehört er selber ausgelöscht. Eine Therapie hilft da sicher nicht.

Aber ist schon klar, dass nun viele aufschreien werden weil meine Meinung zu "inakzeptabel" für die heutige Zeit ist. Ich sage nunmal was ich mir denke.

melden

Re: @grenzenlos24 Ich schreie nicht auf. Ich gebe Ihnen volkommen recht!

melden

Re: @grenzenlos24 wieso denkst du nur plakativ,gehst nicht in die tiefe - das würde dir helfen!

melden

an wong Du unterstellst ihm, dass er plakativ denkt und in die
Tiefe gehen soll und präsentierst erneut keine eigene
Meinung zum Thema?

Dann geh du mal in deine Tiefe zurück und denk nach!

melden

Meine Meinung... Obwohl es jetzt sicher vielen Leuten hier nicht passen wird und sicher einige Menschenrechtler aufschreien werden. Ich bin FÜR die Todesstrafe!

Gerade bei Wiederholungstätern welche nachweislich mehrere Morde begangen haben bzw. immer wieder rückfällig werden, bin ich absolut dafür. Solche "Menschen" kann man nicht therapieren. So eine Therapie kostet unnötig Geld der Steuerzahler und zeigt keine Wirkung.

Ich denke eher, dass es möglich ist Ersttäter zu therapieren (wenn auch sicher nicht alle). Aber wenn hier z.B. ein Kindermörder, welcher schon 2-3 Kinder getötet hat, dann therapiert werden soll, dann frage ich mich wo das ganze hinführen soll. Einfach weg mit so einem Abschaum - und bitte schnell und kostensparend.

Man sollte überhaupt das Strafrecht in Österreich verschärfen.

melden

Re: Meine Meinung... ..blöd wärs nur wenn das mit der Seelenwanderung nicht wirklich stimmt, denn ansonsten wäre es ein Freispruch und du hättest genau das Gegenteil erreicht, und genau das wird nämlich erreicht mit der Todesstrafe, das Gegenteil von Einsicht, Sühne, Buße usw.

Seite 1 von 1