"Der Mann mit dem Fagott" von

Ein Udo zum Verwechseln

Jürgens-Biografie-Verfilmung mit täuschend ähnlichem David Rott in der Hauptrolle

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    Udo Jürgens-Biopic

    "Der Mann mit dem Fagott" ist der Titel der autobiografischen Romanverfilmung über das Leben von Udo Jürgens.

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    Udo Jürgens-Biopic

    Hauptdarsteller David Rott sieht dabei dem Entertainer in jungen Jahren erstaunlich ähnlich.

"Ich bin nicht so wichtig, dass es einen Film über mich geben muss. Es war mir sogar etwas peinlich", sagt Udo Jürgens bei der Erstpräsentation seiner autobiografischen Romanverfilmung "Der Mann mit dem Fagott" in Hamburg.

Der elf Millionen Euro teure Film, der anlässlich des 77. Geburtstages des großen Entertainers am 29. und 30. September in ORF und ARD ausgestrahlt wird, ist daher auch mehr als eine Jürgens-Biografie. Es ist "die Geschichte einer deutschen Familie im europäischen Wahnsinn des 20. Jahrhunderts. Die Hauptrolle spielt das Jahrhundert", so Jürgens. Es ist die Familiensaga dreier Generationen von 1891 bis 2010, eine Art neuerer Buddenbrooks mit Happy End.

Tragische Figur ist der Opa
Tragende Gestalt ist Jürgens' Großvater Heinrich Bockelmann gespielt von Christian Berkel, der es als Bankier im Zaren-Russland zu Geld und Ansehen schafft. Der Ausbruch des ersten Weltkriegs zwingt die Familie zur Flucht nach Schweden, Heinrich wird als vermeintlicher Spion in ein sibirisches Lager deportiert, aus dem er aber schließlich fliehen kann. Der zweite Handlungsstrang erzählt von Jürgens' Vater Rudi - Ulrich Noethen -, der als reicher Gutsbesitzer und Bürgermeister in Kärnten zwischen Hoffnung und Ablehnung gegen Nazideutschland schwankt. Die Augen werden ihm erst geöffnet, als er selbst in die Fänge der Gestapo gerät.

Zum Verwechseln ähnlich
Der dritte Handlungsstrang zeigt die musikalischen Anfänge von Udo Jürgens bis hin zum internationalen Durchbruch mit "Merci Cherie" beim Eurovision Song Contest 1966. Verkörpert wird der junge Udo von David Rott, der dem Original nicht nur zum Verwechseln ähnlich sieht, sondern auch dessen sympathisch bubenhaften Charme überzeugend widerspiegelt. Die Verkörperung des Udo Jürgens war für Rott eine besondere Herausforderung, "vor allem, wenn das Original mitspielt. Ich hab kurzzeitig gedacht, die Arschkarte gezogen zu haben, weil man ja nie so gut sein kann, wie das Original."

Original begeistert von Kopie
Rott ist das Unmögliche gelungen, was der echte Udo bestätigt: "Ich habe David beim Casting gesehen und hab gewusst, der ist es. Ich wollte ihn und sonst keinen." Die autobiografischen Szenen, in denen der junge lebenshungrige Udo auf der Suche nach seiner Musikrichtung ist, sich mit seiner "Arbeit" die Verachtung des verehrten, beruflich erfolgreichen Onkels zuzieht ("Wie steht denn die Familie da, wenn herauskommt, was du da machst. Man muss sich ja schämen") und mit unschuldigem Bedauern seine Beziehungsunfähigkeit eingesteht, sind sicher die bewegendsten und authentischsten Momente des Films. Und sicher hätte das Leben des Udo Jürgens eine eigene Verfilmung verdient. "Der Mann mit dem Fagott" soll das aber nicht sein. Dies ist eine Jahrhundertgeschichte, deren prominenter Aufhänger einer der größten zeitgenössischen Sänger und Komponisten ist, der im Film - als er selbst - in Erscheinung tritt, die Filmmusik geschrieben und die Songs selbst eingesungen hat.

Mann mit dem Fagott als Bindeglied
Bindeglied zwischen den Jahrhunderten und den Lebensgeschichten der drei Männer ist der Mann mit dem Fagott. Die Klänge eines Fagottspielers waren es, die Heinrich Bockelmann Ende des 19. Jahrhunderts zum Auswandern nach Russland bewegt haben. Eben diesen Musiker, der seine Kleidung einer antiken Bronzestatue nachempfindet, trifft Heinrich in den Wirren des ersten Weltkriegs in Moskau wieder, was er als Wink des Schicksals deutet. Die Bronzestatue des fagottspielenden Musikanten gelangt ebenfalls in den Besitz der Familie Bockelmann, wo sie durch die Jahrhunderte hindurch den Status eines Glücksbringers gewonnen hat (Rudi Bockelmann: "Wenn ich weiß, die Figur ist in Sicherheit, dann sind wir auch in Sicherheit.").

Figur bei Dreh gestohlen
Auch wenn manche Feinheiten im Film dramaturgisch notwendige Kompositionen waren - den Mann mit dem Fagott gibt es tatsächlich, erzählt Udo Jürgens. "Die Statue steht bei mir zu Hause - ich glaube, nach dem Film muss ich sie noch mehr beschützen." Dass der Bronzemann heiß begehrt ist, hat sich während der Dreharbeiten gezeigt, als zwei von drei Kopien gestohlen wurden, berichtet Jürgens. Der Komponist und Sänger zeigte sich bei der Pressekonferenz am Donnerstag von der Verfilmung seiner Lebensgeschichte und deren Authentizität ehrlich ergriffen: "Es sind mir öfter die Tränen in die Augen gestiegen. Ich habe in vielen Szenen Augenblicke meines Lebens wiedererkannt, die genau so gezeigt werden, wie ich sie erlebt habe."

Info: "Der Mann mit dem Fagott" ist unter der Regie von Miguel Alexandre im Auftrag von ARD und ORF entstanden und wird am 29. und 30. September jeweils um 20.15 Uhr auf ORF 2 ausgestrahlt.