Der Mann vom Ende der Welt: Wo der neue BZÖ-Chef Stefan Petzner seine Wurzeln hat

NEWS: Wo er herkommt, warum er Haider folgte PLUS: Weshalb seiner Mutter jetzt der Kragen platzt

Der Mann vom Ende der Welt: Wo der neue BZÖ-Chef Stefan Petzner seine Wurzeln hat © Bild: APA/Eggenberger

Das Wirtshaus Wallner, drinnen im Dorf, ist vier Kilometer entfernt. Montag Ruhetag. Die nächste Disco, die Kuscheltenne in Niederwölz, ist 25 Kilometer entfernt. Montag, Dienstag, Donnerstag, Sonntag Ruhetage. Für junge Menschen liegt die 400 Einwohner zählende Katastralgemeinde Steirisch Laßnitz am Ende der Welt. Für den 27-jährigen Stefan Petzner, dessen Geburtshaus draußen im Auental steht, lag sie ganz am Anfang. "Ich hatte als sensibler Mensch eine schwierige Jugend. Ich habe viel durchgemacht, um zu mir selbst zu finden."

Es war im August 1991, nur einen Steinwurf vom elterlichen Gehöft entfernt, als Petzner, der schüchterne Waldbauernbub, Jörg Haider, den schillernden Landeshauptmann-Stellvertreter, bei einem Grenzlandfest der Landjugend Laßnitz-Murau kennen lernte. "Ich sehe noch heute das große Auto, aus dem er ausgestiegen ist." Geregnet habe es an diesem Tag, und nach Lebkuchen habe es geduftet.

"Dieser Blick - das war der große Beginn"
"Dieser Blick - das war der große Beginn", erinnert sich Petzner 17 Jahre danach vor laufenden Kameras. Damals war der junge Mann, dem heute das Etikett "Haiders politischer Ziehsohn" anhaftet, elf.

Die Seelenbeichte. "Jörg und ich, das war mehr. Dieses Mehr ist umfassend, auf vielen Ebenen", beteuert Petzner in Claudia Stöckls "Frühstück bei mir". "Ich habe nur ihn gehabt - jetzt bin ich ganz alleine", vertraut er bereits wenige Tage nach Haiders Unfalltragödie Nadia Weiss im "Krone-TV" an.

Ganz alleine? Nun meldet sich in NEWS erstmals Petzners Mutter Maria Theresia zu Wort: "Es stimmt nicht, dass er jetzt alleine ist. Ich wünsche ihm die Kraft, dass er all diese bösen Unterstellungen und Gemeinheiten durchsteht."

Ein Erbhof wie aus einem Heimatfilm
"Petzner, vulgo Mürzl", steht auf dem grünen Schild rechts neben der asphaltierten Einfahrt. Weiß gekalktes Gemäuer, liebevoll restaurierte Fassaden, uralte Holzornamente, friedlich grasende Kühe, ein Erbhof wie aus einem Heimatfilm. In Stefan Petzners kleiner Welt von gestern, in die es ihn wegen seines übervollen Terminkalenders nur alle heiligen Zeiten zurückzieht, ist irgendwie alles noch so, wie es immer war:

Die ÖVP hat im Gemeinderat mit elf Sitzen noch eine satte Mehrheit, auf die FPÖ, die Petzners Vater Hubert vertritt, entfällt nur einer, auch die Sozis fallen kaum ins Gewicht.

Familiäres Idyll
Die Sonntagsgottesdienste, alternierend in der Sankt-Nikolaus-Kirche und der Sankt-Jakobs-Kirche zelebriert, sind ausnehmend gut besucht. Und auch der Haussegen ist rund ums Auental noch nicht in Schieflage geraten: Insgesamt 295 Familien zählt die übergeordnete Gemeinde Laßnitz bei Murau, in 227 davon sind die Eltern zumindest standesamtlich verheiratet, nur 7,8 Prozent aller Familien beruhen auf wilder Partnerschaft.

"Ich habe ihn umfassend und ganzheitlich gemocht - geliebt", beschreibt Stefan Petzner, der Auswanderer aus Laßnitz, im Gespräch mit Claudia Stöckl sein Verhältnis zu Jörg Haider.

"Auf ihre Art und Weise haben sie sich geliebt", meint seine Schwester Christiane, 30, die nach Graz übersiedelte Biologielehrerin aus Laßnitz.

"Pietätlosigkeit"
"Dass mein Sohn ihn über alles liebte, stimmt nicht, die Familie kommt für ihn immer an erster Stelle", platzt Maria Theresia Petzner, der fünffachen Mutter aus Laßnitz, der Kragen. "Es ist eine Pietätlosigkeit, ihm eine Beziehung zu unterstellen."

Am vergangenen Sonntag, als ihr Sohn in der TV-Diskussionsrunde "Im Zentrum" auch noch als "politisches Leichtgewicht" bezeichnet wurde, musste Mutter Petzner vor Ärger vorzeitig abschalten. "Er ist ein Vollblutpolitiker, der seinen Weg machen wird."

Einen Weg, der am Ende der Welt seinen Anfang nahm.

Die Geschichte finden Sie im NEWS Nr. 43/08!