Der "EU-Aufdecker" will in den Nationalrat: Porträt des EU-Politikers Hans-Peter Martin

Den selbst ernannte "EU-Aufdecker" Hans-Peter Martin zieht es in das Parlament in Wien. Nach dem Überraschungserfolg bei der EU-Wahl vor zwei Jahren - die "Liste Martin" erreichte 14 Prozent und damit Platz drei noch vor den Grünen - will Martin bei den Nationalratswahlen am 1. Oktober antreten. Der 49-jährige gebürtige Vorarlberger, der seit 1999 im Europäischen Parlament sitzt, kann vor allem auf die mediale Unterstützung durch die "Kronen Zeitung" setzen.

Seit einem halben Jahr wird über die Kandidatur Martins spekuliert. "Krone"-Hausdichter Wolf Martin reimte bereits im März überschwänglich: "Doch regt in dieser kargen Zeit ein frischer Wind sich bundesweit, und neue Kraft belebt die Glieder, denn H.-P. Martin rührt sich wieder, der Schrecken des Establishments." Und erst vor zwei Wochen war aus seiner Feder zu lesen: "Dem, der entschlossen, nicht zu wählen, ist H.-P. Martin zu empfehlen ... Denn keiner zeigt, das steht wohl fest, so klar wie dieser den Protest und ist dabei, was angenehm, nicht radikal und nicht extrem." Die Meinungsforscher beziffern das Wählerpotenzial Martins mit bis zu 17 Prozent.

Martin wird von früheren Arbeitskollegen nachgesagt, dass er ein unbequemer Selbstdarsteller ist und dass er sich nicht für Teamarbeit eignet. Das musste auch die ehemalige ORF-Journalistin Karin Resetarits erfahren. 2004 schaffte sie als Nummer zwei auf Martins Liste den Sprung ins EU-Parlament. Bald darauf kam es zu Unstimmigkeiten - vor allem bei finanziellen Fragen. Im Juni des Vorjahrs überwarf sie sich endgültig mit ihrem früheren Mentor und wechselte zu dem Liberalen.

Als Unbequemer hatte der frühere "Spiegel"-Journalist immer schon gegolten. Das bekam vor allem die SPÖ zu spüren, für die Martin 1999 als Spitzenkandidat in die EU-Wahl gezogen war. Nachdem man ihn dann aber nicht zum Delegationsleiter bestimmte, begann der große Krach - nach jahrelangen Streitereien wurde Martin zu guter Letzt sogar aus der Fraktion der Europäischen Sozialdemokraten ausgeschlossen.

Martin wurde 1957 in Bregenz, Vorarlberg, geboren. Er studierte Rechts- und Politikwissenschaften in Wien. Ab 1986 war er außenpolitischer Redakteur beim deutschen Nachrichtenmagazin "Der Spiegel" in Hamburg. Von 1989 bis 1991 war er Korrespondent für Südamerika mit Sitz in Rio de Janeiro. Dann leitete er das "Spiegel"-Büro in Wien.

Neben dem Bestseller "Die Globalisierungsfalle" publizierte er "Nachtschicht - eine Betriebsreportage" sowie als Co-Autor "Gesunde Geschäfte", "Kursbuch Gesundheit" und "Bittere Pillen". 1980 erhielt er den Dr.-Karl-Renner-Förderungspreis für Publizistik und 1997 den Bruno-Kreisky-Preis für das politische Buch. Martin ist Mitbegründer des Ökologie-Instituts Wien (1985), war bis zu seiner Wahl in das EU-Parlament Aufsichtsrat bei Greenpeace in Deutschland und Co-Mitglied des Club of Rome.

Martin ist seit Sommer 2004 mit seiner langjährigen Lebensgefährtin Heike Kummer verheiratet. Aus erster Ehe hat er einen Sohn.
(apa)