Denkmalschutz von

So wird Österreichs Erbe zerstört

100 Jahre vernichtet an 1 Tag - Zahlreiche historische Bauten werden abgerissen

Das "Hopf Haus" in der Donaufelder Straße soll abgerissen werden. © Bild: Erich J. Schimek/NEWS

Jugendstilvilla, Barockhaus, Schloss – in Österreich werden mehr historische Bauten abgerissen als in jedem anderen EU-Land. Denkmalschützer fordern jetzt: Bis zu 30.000 Gebäude müssen dringend vor der Zerstörung gerettet werden.

Der Mann ist in seinem Kampf um die Erhaltung der Denkmäler in diesem Land Mühsal gewohnt. Doch dieses Schreiben der Wiener Magistratsabteilung 37 war auch für Markus Landerer, vielgeprüfter Sprecher der Initiative Denkmalschutz (ID), neu. „Wir wollten von der zuständigen Behörde nur wissen, warum das Haus Linzer Straße 80, das in einer Schutzzone liegt, abgerissen werden darf“, erzählt er. Formal gibt es dafür drei Gründe: technische oder wirtschaftliche Abbruchreife – oder weil das Gebäude aufgrund seiner Architektur schlicht nicht erhaltenswert ist. Der Magistratsbeamte verweigerte die Antwort und warf den privaten Denkmalschützern lieber vor, mit ihrer Anfrage in die Privatsphäre des Eigentümers einzugreifen. Damit nicht genug, legte er der Auskunftsverweigerung einen Erlagschein in Höhe von 18,66 Euro bei. Bearbeitungsgebühr, eh klar.

Noch 30.000 schützenswerte Bauten.

Ist dieses amtsschimmelige Beispiel inzwischen symptomatisch für den mangelhaften Denkmalschutz in Österreich? Ist es um unser kulturelles Erbe wirklich so schlimm bestellt? Die Verantwortlichen der Initiative Denkmalschutz (www.idms. at), in der sich in sechs Jahren rund 500 Mitglieder sammelten, sind sich dessen sicher. „Ich habe den Eindruck, bei uns werden mehr bedeutende historische Bauten abgerissen als in jedem anderen EU-Land“, sagt ID-Gründer Claus Süss und verweist auf die intakten Altstädte in Paris und Prag. Sein Kollege Landerer konstatiert, dass es in Österreich „gut 30.000 schützenswerte Objekte gibt, die nicht geschützt sind, weil dem Bundesdenkmalamt Kapazitäten fehlen“. Er rechnet vor: „Mit dem derzeitigen Personal und Budget bräuchte man über 130 Jahre, um alle Bauten zu schützen. Vom finanziellen Aushungern des Bundesheers hören wir ständig, über das Denkmalamt spricht niemand.“

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Kommentare

strizzi1949

Wir schmeißen Milliarden von EUROS der EU in den Rachen, aber für unsere Kultur (dazu zähle ich auch erhaltenswerte Bauten) haben wir kein Geld! Die dafür verantwortlichen gehörten geteert und gefedert aus ihren diversen Ämtern geworfen!

seidenstraße

denkmalschutz bringt keine soforteinnahmen, er ist eine investition in die zukunft und auf lange sicht (großteils werden erst die nachfahren ernten, was heute gesät wird), aber derlei vorstellung passt natürlich nicht in ein turbokapitalistengeprägtes hirn...

Oliver-Berg

In Österreich wird großteils viel zu viel denkmalgeschützt. Es ist unsinnig privat genutzte Einfamilienhäuser oder gewerblich genutzte Immobilien unter Denkmalschutz zu stellen, nur weil dort ein bekannter Architekt gewohnt hat oder es entworfen hat. Zum Beispiel LOOS-Villa Larochegasse 3, Wien-Hietzing und noch krasser ORF-Zentrum am Küniglberg. An den Erhaltungsaufwand denkt niemand.

Ein tragisches Beispiel für diesen Missstand ist der Seebahnhof in Gmunden. Um Platz für ein mittlerweile gescheitertes Hotelprojekt „lacus felix“ zu schaffen, wurde das historische Gebäude in einer „Nacht und Nebel Aktion“ abgerissen. Haben Politik und Denkmalamt grob fahrlässig gehandelt, um die wahnwitzigen Träumereien des einst allmächtigen Eigentümers nicht zu gefährden? Politikerhaftung?

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