Computer machen einen auf Beethoven:
Maschine kann Stücke emotional spielen

Japan: Linzer Uni räumt bei Wettbewerb 3 Preise ab Aufgabe: Musikstücke "mit Ausdruck" wiedergeben

Computer machen einen auf Beethoven:
Maschine kann Stücke emotional spielen

Ein Forschungsprojekt der Linzer Johannes Kepler Universität hat bei einem Wettbewerb in Sapporo in Japan, bei dem Computer auf einem Konzertflügel vorgegebene Musikstücke "mit Ausdruck" spielen sollen, gleich drei Preise abgeräumt. Das teilte die Universität in einer Presseaussendung mit.

Bei dem Wettbewerb ging es nicht nur darum, dass der Computer als Pianist eingesetzt wird und dabei einfach die Komposition wiedergibt. Denn das Ergebnis wäre ein steriler Klang. Ein Klavierspieler aus Fleisch und Blut hingegen interpretiert das Musikstück durch eine individuelle, gefühlvolle Spielweise, unter anderem durch Variieren des Tempos und der Lautstärke. Die damit befassten Computerspezialisten bezeichnen dies als "Horowitz-Faktor" - das Interpretieren wie der legendäre Meisterpianist Vladimir Horowitz.

Ein Team um Universitätsprofessor Gerhard Widmer, der das Institut für Computational Perception der Linzer Universität leitet, versucht mit Hilfe neuer, intelligenter Computermethoden Licht in dieses komplexe künstlerische Verhalten bringen. "Um diese Dinge zu erforschen, müssen wir zuerst mal vermessen, was Pianisten beim Spielen wirklich tun und was sie zugleich auch unterscheidet. Das ergibt eine riesige Menge von Messdaten, die wir mit Computerhilfe sichtbar machen und analysieren", schildert er. Dazu werden neueste Methoden des maschinellen Lernens angewendet. Mit diesen Daten versucht der Computer, aus Interpretationen wirklicher Musik zu lernen und diese selbst ausdrucksvoll zu spielen.

Mit einem auf diese Weise entwickelten Computerprogramm haben die Forscher der Kepler Universität beim diesjährigen "Performance Rendering Contest" (Rencon) in Sapporo drei Hauptpreise gewonnen: den Rencon Award, den Rencon Technical Award und den Rencon Performance Rendering Contest. Das zeige, dass ihre Grundlagenforschung zum Thema Musikinterpretation auf dem richtigen Weg sei, und dass sie in diesem Forschungsbereich weltweit zur Spitze gehörten, freuen sich die Linzer. (apa/red)