"Bruno" ist tot! Niemand will nächtlichen Todesschuss auf Bären abgegeben haben

Natürschützer und Landesjägermeister bedauern Tod KLICKEN: Erste <b>BILDER</b> der tödlichen Jagd auf JJ1!<br>Chronologie & UMFRAGE: Ist Abschuss gerechtfertigt?

Der Braunbär "Bruno" ist tot. Das seit Wochen im österreichisch-bayerischen Grenzgebiet umherstreunende Tier mit der offiziellen Bezeichnung "JJ1" wurde Montag früh gegen 4.50 Uhr auf einer Alm im Spitzingseegebiet in den bayerischen Alpen von Jägern erschossen. "Diese Entscheidung war nicht einfach. Sie war aber wegen der Gefahreneinschätzung absolut notwendig", sagte Staatssekretär im bayerischen Umweltministerium, Otmar Bernhard, in Schliersee.

"Bruno" war der erste Braunbär seit mehr als 170 Jahren, der sich in freier Wildbahn in Deutschland bewegt hatte. Wochenlange Versuche, ihn lebend zu fangen, blieben erfolglos. Fast unmittelbar nach der Freigabe des Abschusses wurde der Bär nun getötet. Tierschützer protestierten gegen den Abschuss, die SPD im bayerischen Landtag forderte den Rücktritt von Landesumweltminister Werner Schnappauf (CSU). Bundesumweltminister Sigmar Gabriel (SPD) stellte in Frage, ob der Bär getötet werden musste.

Am Wochenende habe sich der über 100 Kilogramm schwere Bär in den bayerischen Alpen Mountain-Bikern und Wanderern genähert, erklärte Bernhard. Das sei gefährlich und nicht mehr zu akzeptieren gewesen. Der Tiroler Landesrat Anton Steixner sagte, ihm tue der Abschuss sehr leid. "Aber es hat keine andere Lösung gegeben. Auch Tierschützer sollten verstehen, dass dieser Bär aus Lust am Töten Schafe oder auch Hasen gerissen hat."

Suchhundestaffel blieb erfolglos
Der aus Italien stammende Bär war wochenlang im Grenzgebiet zwischen Bayern und Tirol umhergestreunt. Dabei hatte er zahlreiche Tiere gerissen und sich mehrfach menschlichen Siedlungen genähert. Vereinzelt war der Bär auch durch Wohngebiete gezogen. Die Behörden sprachen von einem "Problembären". Nachdem Fangversuche von finnischen Experten mit speziell ausgebildeten Hunden in den vergangenen zwei Wochen erfolglos waren, erneuerten Bayern und Tirol die Abschussgenehmigung für das eigentlich unter strengem Artenschutz stehende Tier am Wochenende.

Die Behörden wurden nach Angaben von Staatssekretär Bernhard am Sonntagabend informiert, dass sich der Bär im Rotwandgebiet unweit von Schliersee aufhält. Drei Jäger hätten sich auf seine Fährte gemacht und ihn aus 150 Meter Entfernung mit einem gezielten Schuss getötet. Eine Betäubung aus dieser Entfernung sei nicht möglich gewesen. Der Bär soll nun präpariert und im Museum "Mensch und Natur" in München ausgestellt werden. Dort ist auch der zuvor letzte in Deutschland geschossene Braunbär, der 1835 erlegt wurde, ausgestellt.

Unklar war zunächst, wer das Tier tötete. "Ich war es nicht", sagte der Leiter der bayerischen Forstdienststelle Spitzingsee, Siegmar Wüst. Der stellvertretende Betriebsleiter am Forstbetrieb Schliersee ergänzte: "Es war kein Berufsjäger oder Förster der bayerischen Staatsforsten vom Forstbetrieb Schliersee." In dem Gebiet gebe es auch Gemeinschaftsjagdreviere der umliegenden Gemeinden, in denen teils Jagdpächter und teils Berufsjäger zuständig seien.

Keine Informationen über Schützen
Nach dem Tod von Braunbär "Bruno" wollen die bayerischen Behörden keine näheren Angaben zu den Schützen machen. Das bayerische Umweltministerium erklärte lediglich, der Bär sei kurz vor 5.00 Uhr "von jagdkundigen Personen" auf der Kümpflalm in der Nähe des Spitzigsees erlegt worden. Nähere Informationen wollte das Ministerium erst auf einer geplanten Pressekonferenz in Schliersee bekannt geben.

"Ich bin froh, dass das Thema erledigt ist". Mit diesen Worten reagierte Tirols Agrarlandesrat Anton Steixner (V) auf den Abschuss. Ein "normaler Bär mit einem normalen Verhalten" sei in Tirol jederzeit willkommen, betonte er.

"Mir wäre es lieber gewesen, wenn wir den Bären gefangen hätten", räumte Steixner im APA-Gespräch ein. Man habe aber keine Chance gehabt. Er zeigte sich überrascht, dass "JJ1" nun so schnell erlegt worden sei.

Für Bären sei Tirol als Dauersiedlungsraum "kein ideales Gebiet", sprach der Landesrat die dichte Besiedelung an. Er habe in den vergangenen Wochen "oft Angst" gehabt, dass Menschen zu Schaden kommen. Das Land wolle ab sofort dem Bären-Managementplan beitreten, um für die Zukunft gewappnet zu sein.

"Dümmste aller Lösungen"
"Das ist die dümmste aller Lösungen", sagte der Präsident des Deutschen Naturschutzrings, Hubert Weinzierl, im niederbayerischen Wiesenfelden. "Ich bin tief traurig darüber." Die Jugendorganisation des Bund Naturschutz (BN) in Bayern sprach von einer "Tragödie für den bayerischen Naturschutz" und warnte: "Der nächste Bär kommt bestimmt." Bis dahin müssten die Behörden sich besser vorbereiten.

Bruno - Der Film
Nach seinem Tod soll "Bruno" zum Filmstar werden. Bereits seit Wochen entwickelten die bayerische Autorin Karin Michalke und der Regisseur Corbinian Lippl auf Basis der wahren Begebenheiten ein Drehbuch für eine Spielfilm-Komödie, teilte die Münchner Filmproduktion Wasabi Film KG mit. Michalke: "Das Interessante ist, dass ein bisserl Bär so viel Aufruhr verursachen kann."

Bärengedenktag gefordert
Nach dem Abschuss von will die Stiftung für Bären in Worbis in Thüringen den 26. Juni zum "Bärengedenktag" ernennen. "Damit wollen wir künftig mahnen, sich auf die Tatsache vorzubereiten, dass Bären nach mehr als 170 Jahren wieder nach Deutschland zurückkehren", sagte der Geschäftsführer der Stiftung, Rüdiger Schmiedel, am Montag. Die Deutschen hätten sich nicht auf die Rückkehr von Meister Petz in seinen ehemaligen Lebensraum vorbereitet und seien an "nicht vorhandenen Präventivmaßnahmen" gescheitert.

(apa/red)