Britische Forscher entdecken Fakir-Gen:
Genmutation "raubt" Menschen den Schmerz

Menschen ohne Schmerz bissen sich versehentlich Schmerz warnt den Körper vor Schäden und Wunden

Britische Forscher entdecken Fakir-Gen:
Genmutation "raubt" Menschen den Schmerz

Einige Menschen besitzen kein Schmerzempfinden, da sie durch eine Genmutation das so genannte "Fakir Gen" besitzen. Dies berichten Forscher von der britischen Universität Cambridge in der neuen Ausgabe des Wissenschaftsmagazins "Nature". Sie hoffen nun, aufgrund dieser Entdeckung, Medikamente zur Schmerzstillung ohne Nebenwirkungen erzeugen zu können.

Die Forscher um Geoffrey Woods von der britischen Universität Cambridge entdeckten sechs Menschen aus miteinander verwandten Familien im Norden Pakistans, die wegen einer genetischen Veränderung niemals Schmerzen spüren.

Fakir-Bub erregte Aufmerksamkeit der Forscher
Aufmerksam wurden sie auf das Phänomen durch einen Buben, der auf der Straße Fakir-Kunststücke aufführte: Er stach sich mit Messern in die Arme und lief über glühende Kohlen. Die Forscher hoffen, durch das Verständnis des Gendefekts Medikamente entwickeln zu können, die Schmerzen ohne Nebenwirkungen betäuben.

"Schmerzlose" hatten Wunden auf Lippen und Zungen
Schmerz hat bei allen komplexen Lebewesen die Funktion, den Körper vor Schäden und Wunden zu warnen; er dient damit letztlich der Lebensverlängerung. Diese Alarmfunktion fehlte jedoch bei den sechs Pakistanern. "Keiner wusste, wie sich Schmerz anfühlt", heißt es in dem Bericht. Alle hatten Wunden auf Lippen und Zungen, weil sie sich regelmäßig aus Versehen selbst bissen. Zwei der sechs hatten sogar ein Drittel ihrer Zungen eingebüßt. Am Rest ihrer Körper waren blaue Flecke und Schnitte keine Seltenheit, mehrere hatten schlecht verheilte Brüche. Andere Empfindungen wie Hitze oder Kälte spürten sie dagegen wie alle anderen Menschen.

Genmutation verhindert Schmerzempfinden
Der Fakir-Bub nahm vier Jahre nach seiner Entdeckung durch die Forscher übrigens ein tragisches Ende: Er starb mit 14 Jahren an den Folgen eines Sprunges von einem Hausdach. Bei ihm wie bei seinen Verwandten hatten die Forscher zuvor eine Veränderung des Gens SCN9A entdeckt, das ein Protein namens "spannungsabhängiger Natrium-Kanal" verschlüsselt. Dieses Eiweiß wird normalerweise in schmerzempfindlichen Neuronen gefunden. Seine Mutation verhindert, dass die Kanäle arbeiten, denen eine zentrale Bedeutung der Signalübertragung zum Gehirn zukommt. Damit konnten Schmerzsignale das Gehirn nicht mehr erreichen.

Überraschung über Wirkung eines einzigen Gens
Die Wissenschaftler bezeichneten es als überraschend, dass schon ein einziges Gen die Blockade verursachen konnte. Sie verwiesen darauf, dass Schmerzübertragung im Körper ein komplexer Prozess ist und über mehrere Wege erfolgen kann.

(apa/red)