Breitbeinig Bahnfahren von

New York geht
gegen "manspreading" vor

Schauspielerin Kelley Rae O'Donnell empört sich: "Es macht mich verrückt"

Ein Mann sitzt breitbeinig auf einer Bank. © Bild: Jack Hollingsworth/Thinkstock

Manhattan: Dicht gedrängt stehen die Menschen in der U-Bahnlinie 6 Richtung Bronx. Zwischen ihnen Einkaufstaschen, Kinderwagen und Rucksäcke. Nur Brian Miller hat es sich auf einer der Bänke breitbeinig bequem gemacht. Fast zwei ganze Plätze nimmt der 31-Jährige ein. "So sitze ich immer", sagt der Kellner. "Es ist einfach gemütlich und ich denke da gar nicht groß drüber nach."

"Manspreading" (auf Deutsch etwa: "männliches Ausbreiten") nennen die Amerikaner das extrem breitbeinige Sitzen von Männern in öffentlichen Verkehrsmitteln. In den meist überfüllten Wagen der New Yorker U-Bahn, die von rund sechs Millionen Passagieren am Tag benutzt wird, sind insbesondere Frauen vom exzessiven "manspreading" zunehmend genervt. Viele glauben, dass die Männer ihre Beine absichtlich als Zeichen von Macht und Dominanz ausbreiten.

Schauspielerin veröffentlicht Bilder auf Twitter

"Es macht mich verrückt", sagte die Schauspielerin Kelley Rae O'Donnell der "New York Times". "Ich entdecke mich dabei, wie ich diese Männer anstarre, weil es in dieser überfüllten Stadt einfach so rücksichtslos ist." Besonders breitbeinig sitzende Männer fotografiert O'Donnell und veröffentlicht die Bilder beim Kurznachrichtendienst Twitter. Und sie spricht die Männer an. "Aber da bekomme ich meistens nur ein Gemurmel oder komplette Ablehnung zurück."

Oncetoday's #manspread King exitedthetrain, twopeoplecouldsitin hisplace! #mta pic.twitter.com/OQojsA1n3N

— Kelley Rae O'Donnell (@Kellrod) 3. Februar 2015

Seit kurzem hat O'Donnell die New Yorker Verkehrsbehörde MTA auf ihrer Seite. Mit Plakaten in rund 2.600 U-Bahn-Wagen geht die MTA gegen das "manspreading" vor. "Dude ... Stop the Spread, Please" (auf Deutsch etwa: "Bursche, lass das Ausbreiten") steht darauf. Neben der Schrift ist ein rotes Strichmännchen zu sehen, das breitbeinig auf einer U-Bahn-Bank sitzt, während zwei graue Strichmännchen eingequetscht daneben stehen.

Kampagne für bessere Manieren

Die Kampagne solle die New Yorker zu besseren Manieren beim U-Bahn-Fahren anregen, sagt MTA-Chefin Carmen Bianco. "Höflichkeit ist immer wichtig, aber sie bekommt noch größere Bedeutung mit der wachsenden Zahl der Passagiere." Auch die Verkehrsbehörden anderer US-Städte wie Seattle und Philadelphia gehen inzwischen mit Plakaten gegen das "manspreading" an. Die Kampagnen lösten im Internet einen derartigen Wirbel aus, dass das Wort "manspreading" es sogar in die Endauswahl der Amerikanischen Gesellschaft für Sprache zum Wort des Jahres 2014 schaffte.

In New York stößt die Kampagne gerade bei Frauen auf breite Zustimmung. Viele Männer wehren sich dagegen und werfen den Frauen vor, sich ebenfalls übermäßig auszubreiten - ob mit
Einkaufstaschen oder übereinandergeschlagenen Beinen.

U-Bahn: "Manspreading" nicht das größte Problem

Männer wie Frauen sind sich allerdings einig, dass "manspreading" bei weitem nicht das größte Problem in der New Yorker U-Bahn ist. "Ich habe wirklich einmal einen Mann beobachtet, der Gummihandschuhe angezogen, eine Dose Sardinen geöffnet und sie dann in der U-Bahn gegessen hat", sagte Yana Ivanov der "New York Times". Erica Herd berichtete von einem Mann, der sich die Fingernägel schnitt. "Seine Nägel flogen wie Raketen durch die ganze U-Bahn. Die anderen Passagiere und ich haben uns gleichzeitig gebückt und gelacht."

Forthoseaskingwhat#manspreading is: here's a womanwithlegsin aisledue toman blithelytakingup1.5 seats. pic.twitter.com/kmkhpVBsJH

— KazCooke (@reallykazcooke) 6. Februar 2015

Essen und Körperpflege als No-Gos

Neben dem - insbesondere geruchsintensiven - Essen und der Körperpflege beschwerten sich die Passagiere nach Angaben der MTA besonders über laute Musik, das Blockieren von Türen und akrobatische Übungen an Haltestangen. Auch gegen all diese Unhöflichkeiten geht die Verkehrsbehörde deswegen seit kurzem mit Plakaten vor.

Aber Plakate hin oder her - viele New Yorker plädieren dafür, die Problemlösung einfach selbst in die Hand zu nehmen. "Das hier ist New York City - ein pulsierender Ort voller Persönlichkeiten und merkwürdiger Menschen", sagte Neil aus Brooklyn der "New York Times". "Wenn jemand seine Beine ausbreitet, geh rüber, frage ihn "macht es dir etwas aus?" und dann setze dich daneben. Wenn derjenige sich zu sehr ausbreitet, drückst du ihm einfach deinen Ellbogen in die Seite."

Kommentare

christian95 melden

Nur in New York?
Bei uns gibt es so etwas nicht???

Eloy melden

Na bei uns net. Dafür essns' bei uns a Leberkässemmerl mit Senf oder ein Döner und das ganze Abteil duftet herrlich danach. Habe ich selber schon erlebt, bzw. konnte es riechen ...

Nudlsupp melden

Nanananana, Eloy jetzt werfens den guten österreichischen Leberkässemmel mit einem guten österr. Duft bitte nicht in einen Topf mit dem bösen ausländischen Döner der stinkt. :-) Etwas mehr Patriotismus bitte. *Ironie Ende*

Eloy melden

Naja, so ausländisch ist der Döner eigentlich nicht. Angeblich wurde dieser in Berlin erfunden, in den frühen 70ern ...

Oberon
Oberon melden

@Eloy, stimmt und zwar von einem Türken oder auch zwei. WER das Patent auf den Döner hat, ist bis heute nicht geklärt. :-)

Eloy melden

kling nahe liegend. Vielleicht waren es ein Türke und ein Grieche. Der eine hat es Döner und der andere Gyros genannt. Genauso wie der McDonalds mit dem BigMac und BurgerKing mit dem Whopper ...

Leider steht gutes Benehmen und Rücksichtnahme heute nicht mehr am Erziehungsplan. Das beginnt beim Grüßen und endet beim Autofahren. Es betrifft alle Lebensbereiche. Ein typisches Symptom unserer Ego-Gesellschaft. Wenn Eltern gutes Benehmen nicht vorleben und anerziehen, wird sich nichts verbessern. Leider.

Oberon
Oberon melden

Das ist wahrlich eine Unsitte diverser Männer, sich in den Öffis so auszubreiten, anscheinend hat ihnen Mutti nicht gelernt, dass man Rücksicht nimmt!
Ich würde es bei übergewichtigen Fahrgästen oder auch bei schwangeren Frauen verstehen, die brauchen Platz für ihren Bauch, aber wofür brauchen die anderen denn diesen Platz? Gibt's da was, was ich noch nicht weiß?!

Nudlsupp melden

oh oh .... Da scheinen Sie ja in der Tat was verpasst zu haben. :-) ......... Aber Sommerloch haben wir im Februar gerade keines oder? Die "Qualität" einiger "redaktioneller" Beiträge hier ist auf einem neuen Niveau angelangt. Danke News, daß ich immer weniger mitdenken muß, wenn ich Eure Beiträge lese. Damit leistet Ihr einen wichtigen Beitrag zu meiner Entspannung.

Oberon
Oberon melden

Ich möchte die Red. von NEWS sicher nicht in Schutz nehmen, aber dieses Thema wird inzwischen von diversen Medien aufgegriffen. Standard, Süddeutsche, FAZ...
Was die Qualität so mancher Artikel angeht, möchte ich dieses Zitat erwähnen: "Gebt dem Volk Brot und Spiele". Heutzutage für Brot den Schweinsbraten oder wahlweise das Schnitzel. Spiele: Dokusoaps zum Erbrechen, Artikel zum Nicht-denken.

Eloy melden

Mich stören auch Leute die mit offenem Mund essen, nach dem Toilettengang sich die Hände nicht waschen, mit dem Handy laut telefonieren etc. etc. etc.
Oh mann, haben wir wirklich keine anderen Probleme?Angeblich nicht dann geht's uns allen ja wunderbar.

Oberon
Oberon melden


@Eloy, wir haben durchaus auch(!) andere Probleme, d.h. jetzt aber nicht, weil das so ist, sollten die eher kleineren vergessen werden!
Anm.: „Haben wir denn keine wichtigeren Probleme?“ dient als Allzweckwaffe, als Keule. Das Praktische daran: Die Keule funktioniert beinahe immer, ohne dass man groß nachdenken muss. Man lässt den anderen blöd dastehen, und beendet ...

Oberon
Oberon melden

2.) ... automatisch jede Diskussion." (Quelle: "Die Presse"), ich hätt's aber auch nicht besser formulieren können! ;-)
Ich habe dieses System durchschaut, daher funktioniert es bei mir nicht.Das meine ich nicht böse, es ist halt so, wie es ist.

Nudlsupp melden

@ MA2412: Schön auch mal Lateiner zu treffen. Panem et circenses.... Ja da ist was wahres dran. Sie sagten ja schon, Für Brot heute den Schweinsbraten, und für die Spiel dann den Strache oder? :-)
@eloy: Ich gebe Ihnen vollkommen Recht. Die New Yorker U Bahn und deren Fahrgäste sind auch nicht mein vordringlichstes Problem, auch wenn einige meinen mögen, wir sollten es zu dem unseren machen:- )

Oberon
Oberon melden

@Nudlsupp, die Meldung über ungehobelte U-Bahnfahrer ist von den USA zu uns rüber geschwappt, aber dieses Problem gibt es überall, also auch in Österreich. Das wissen Sie sicher, sonst müsste ich mich sehr über Sie wundern. :-)

Nudlsupp melden

Das tun Sie möglicherweise auch so. :-) Ich bin in Wien seit mind. 25 Jahre nicht mehr U-Bahn gefahren, das muß ich mir einfach nicht antun. Wo ich immer gerne aufs Auto verzichte, ist in London, und wenn Sie dort mal U-Bahn gefahren sind, dann sehen, wie man unbeschreibliche Menschenmassen durch enge Schächte bringt, ohne daß es zu Mord, Totschlag oder Stress kommt. Dort hat ein Großteil....

Nudlsupp melden

..der Menschen aber auch eine gute Kinderstube. Da werden alte Menschen nicht über den Haufen gelaufen, im Gegenteil, man hilft ihnen, da entschuldigt man sich auch noch, wenn man aus Versehen jemand rempelt, man nimmt Rücksicht....trotz dieses extrem hohen Anteils an Ausländern, gerade aus Kulturkreisen, die hier als extrem kritisch gesehen werden. :-)

Eloy melden

Ich darf zusammenfassend rezitieren: Der Beitrag über "20 Jahre Oberwart" hat ganze 2 Postings ausgelöst. Ich und noch einer. Dieser Artikel allerdings das mind. 6 fache!! Alle Achtung!
Übrigens: Mich stören auch Fußballspieler die nach dem Torjubel vor 60000 Zuschauern sich an den Schritt fassen ... ;)

Nudlsupp melden

@eloy: Genau so ist es. Der Renner sind noch Nichtraucherschutz, und Asylantenbashing.... Und da kann einem schlecht werden......wenn ein Kärntner seine Tochter schwängert und tötet, interessiert es niemanden, weil er aus einem schwierigen sozialen Umfeld kommt, wenn ein Tschetschene einen Landsmann erschießt, überschlagen sich die Ereignisse und am besten weisen wir gleich alle aus....

Nudlsupp melden

...und wenn Sie was sagen, werden Sie dann persönlich attackiert. Aber das ist nun mal das Niveau, dem wir ausgesetzt sind. Also reden wir über New-Yorker U-Bahnfahrer und tun einfach mal so, als ob das wirklich die Probleme sind, die die Welt interessieren. :-) P.s: Ich stelle mir das Bild lustig vor....60000 Hände im Schritt...hahahaha. was stört Sie da daran? :-)

Eloy melden

Ich werde morgen den ganzen Tag U-Bahn fahren ...

Seite 1 von 1