Für das Leben von

Favelas in Brasilien:
Die gejagten Straßenkinder

"Jugend Eine Welt"-Programmleiter: "Vor der WM will man sie von den Straßen weghaben"

Die Straßenkinder der Favelas in Brasilien © Bild: Jugend Eine Welt

Während der Fußball-WM 2014 schaut die Welt auf Brasilien, doch sie will niemand sehen: Die Straßenkinder der Favelas. Ungeliebt, verachtet und gejagt - Hunderttausende Kinder leben in den Armenvierteln Brasiliens auf der Straße und viele müssen täglich um ihr Überleben kämpfen. "Jugend Eine Welt"-Mitarbeiter Hannes Velik engagiert sich bereits seit Jahren für die Kinder und Jugendlichen der Favelas. Der 48-jährige Leiter für Internationale Programme war im Vorfeld der WM vom 25. März bis 7. April in Brasilien und weiß um die prekäre Situation dort: "Viele Kinder müssen Tag und Nacht auf der Straße leben." Im Interview mit NEWS.AT erzählt er von seinen Erlebnissen mit den Straßenkindern, wie der Alltag in den Favelas aussieht und warum er trotz Gefahren mit Leidenschaft hilft.

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"Jungend Eine Welt"-Mitarbeiter Hannes Velik betreut Straßenkinder in Brasilien.
© Jugend Eine Welt Hannes Velik mit Straßenkindern, die "Jugend Eine Welt" betreut.

NEWS.AT: Sie kümmern sich bereits seit Jahren um Straßenkinder in Brasilien. Wie ist es dazu gekommen?
Hannes Velik: Ich war schon als Student in Brasilien und habe ein Jahr lang in einer Favela-artigen Umgebung gelebt und vier weitere Jahre im Armenhaus Brasiliens, dem Nordosten. Ich habe die tägliche, knallharte Realität vor allem von Kindern und Jugendlichen miterlebt und bemerkt, dass Bildung die einzige Chance auf Veränderung und der Weg aus der Armut ist. Dadurch habe ich mich für "Jugend Eine Welt" zu engagieren begonnen.

NEWS.AT: Sie waren im Vorfeld der Fußball-WM in brasilianischen Favelas und haben Straßenkinder betreut. Wie gestaltet sich die Situation der Kinder vor Ort?
Velik: Man muss grundsätzlich unterscheiden: Es gibt Kinder, die auf der Straße leben, und die richtigen Straßenkinder. Erstere sind nur tagsüber auf der Straße, weil die Eltern zwar vorhanden, aber eben außer Haus sind, um zu arbeiten und irgendwie das Überleben der Familie zu sichern. Dadurch werden die Kinder stark vernachlässigt und können leicht auf die schiefe Bahn geraten. Darüber hinaus gibt es Kinder, die ihre Eltern verloren haben oder deren Zuhause so sehr von Gewalt oder Drogen geprägt ist, dass sie es dort nicht mehr aushalten. Diese Kinder leben häufig tatsächlich Tag und Nacht auf der Straße.