Brasilianische Importkicker sind gefragt:
Vor allem bei den Türken und Portugiesen

Einige Kicker vom Zuckerhut als EURO-Exportschlager Brasilianer belegen Schlüsselrollen bei den zwei Teams

 Brasilianische Importkicker sind gefragt:
Vor allem bei den Türken und Portugiesen © Bild: AP/Franca

Wenn sich die nationalen Fußball-Auswahlen Portugals und der Türkei in der Gruppe A der EURO 2008 gegenüberstehen, werden mehrere Brasilianer Schlüsselrollen bekleiden. Der türkische Defensivspieler Mehmet Aurelio, in Rio de Janeiro als Marco Aurelio aufgewachsen, trifft auf die aus Brasilien nach Portugal ausgewanderten Pepe und Deco, die von ihrem früheren Landsmann Luiz Felipe Scolari betreut werden.

Pepe hatte erst im vergangenen August die portugiesische Staatsbürgerschaft erhalten. Damals war der Verteidiger auch für das brasilianische Nationalteam, für das er in der Jugend nie gespielt hatte, bereits interessant geworden. "Aber ich habe mich für Portugal entschieden. Darauf bin ich stolz", erklärte der 25-Jährige. "Fußballerisch verdanke ich Portugal mehr als Brasilien. Hier habe ich gelernt, professionell zu arbeiten."

Der Innenverteidiger war vor sieben Jahren nach Madeira gekommen, um dort mit einem Freund bei Maritimo Funchal anzuheuern. Während Ezequias mittlerweile in der portugiesischen Liga bei Leixoes verteidigt, schnürt Pepe die Schuhe für Real Madrid.

Deco war nicht unumstritten
Deco spielt seit 2004 beim Erzrivalen FC Barcelona. Vor seinem Wechsel hatte der Regisseur den FC Porto zum Champions-League-Titel und Portugal ins EM-Finale geführt. Doch der gebürtige Brasilianer war in Portugal nicht immer unumstritten gewesen. Erst 2003 hatte ihm Scolari gegen öffentliche Proteste eine Chance im Nationalteam gegeben - ausgerechnet gegen sein Heimatland. Prompt traf der eingewechselte Deco in Porto gegen Brasilien zum 2:1 und durfte sich fortan auch portugiesischer Huldigungen sicher sein. Sechs Jahre hatte es gedauert. Der kleine Mittelfeldspieler war bereits 1997 nach Portugal gezogen.

Mehmet Aurelio dagegen hatte 2001 beim türkischen Club Trabzonspor angeheuert und wurde fünf Jahre später türkischer Staatsbürger. Da auch er in seiner Heimat nie für die Selecao gespielt hatte, war er automatisch für die türkische Auswahl spielberechtigt und ward auch prompt einberufen. Das EURO-Duell mit seinen Landsmännern lässt ihn aber relativ kalt. "Deco und Pepe sind sehr gute Spieler", sagte der 30-Jährige, der mittlerweile für Fenerbahce spielt.

Aurelio kann die Hymne nicht
Das Debüt des ersten dunkelhäutigen Nationalspielers hatte in seiner neuen Heimat für einigen Aufruhr gesorgt. Kritiker bemängelten, dass Aurelio keine Kenntnisse der Nationalhymne hatte. Auch, dass sich der Neo-Türke wie viele brasilianische Spieler vor Spielen bekreuzigt, wird von manchen Türken nicht gerne gesehen.

Aurelio, Pepe und Deco sind keine Einzelfälle. Brasilianische Fußballer sind Markenware, mit der sich nicht nur Clubchefs gerne schmücken. Das Überangebot an brasilianischen Klassespielern, von denen nur ein Bruchteil für die Heimat spielen kann, macht den Nationenwechsel leicht. Legia-Warschau-Mittelfeldmann Roger Guerreiro wird bei der EURO 2008 für Polen einlaufen, der in Sao Paulo geborene brasilianisch-spanische Doppelstaatsbürger Marcos Senna für Spanien. Den Einsatz des kroatischen Arsenal-Stars Eduardo verhindert dagegen ein Schien- und Wadenbeinbruch.

Nationenwechsel nicht mehr so leicht
Auch Altachs Brasilianer Leonardo war 2006 als mögliche Verstärkung des ÖFB-Sturms im Gespräch gewesen. Als Ailton 2004 ein lukratives Angebot des katarischen Verbands annehmen wollte, schritt aber der Weltverband FIFA ein und unterband weitere Einkaufstouren. Seitdem sind Spieler nur zum Nationenwechsel berechtigt, wenn sie über dort geborene Eltern oder Großeltern verfügen oder eine gewisse Zeit in ihrer neuen Heimat gelebt haben. Die FIFA hat die Mindest-Aufenthaltsdauer auf ihrem jüngsten Kongress von zwei auf fünf Jahre angehoben. (apa/red)

CASHPOINT - Wollen wir wetten?

Click!