Fakten von

BEGAS-Prozess beginnt

Anwältin: Einer der "größten Wirtschaftskrimis, die Burgenland bisher erleben musste"

In Eisenstadt hat am Montag der Prozess um die BEGAS-Affäre begonnen. Das vorerst für 24 Tage angesetzte Verfahren findet ohne den Hauptangeklagten, Ex-BEGAS-Vorstand Rudolf Simandl, statt. Sein einstiger Vorstandskollege Reinhard Schweifer und drei frühere Manager von BEGAS-Tochterfirmen nahmen auf der Anklagebank Platz. Schweifer, dem die Anklage Untreue vorwirft, bekannte sich nicht schuldig.

Den drei weiteren zum Prozess erschienenen Mitangeklagten legt die Anklage Untreue und schweren Betrug, jeweils zum Teil als Beitragstäter, zur Last. Die Anklägerin von der Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft widmete in ihrem Vortrag auch Simandl breiten Raum, bei dem es durch Malversationen zu einer Bereicherung um 3,9 Mio. Euro gekommen sein soll. Dem früheren BEGAS-Vorstand sei es möglich gewesen, ein Vermögen von 14 Mio. Euro aufzubauen.

Simandl wird unter anderem vorgeworfen, veranlasst zu haben, dass überhöhte Vorstandsgagen ausbezahlt wurden. Schweifer habe dabei zwar nicht aktiv mitgewirkt, aber er hätte die höhere Bezahlung rückgängig machen müssen, sobald er davon erfahren habe, argumentierte die Staatsanwältin, die den dadurch der BEGAS entstandenen Schaden mit rund 118.000 Euro bezifferte.

Simandl bekennt sich nicht schuldig

"Mein Mandant bekennt sich nicht schuldig", sagte Schweifers Verteidiger Philipp Metlich. Schweifer habe keine Handlungen gesetzt, die die BEGAS geschädigt hätten. Im Ermittlungsverfahren seien gegen den Ex-BEGAS-Vorstand 15 Vorwürfe erhoben worden. 13 habe man noch vor Prozessbeginn entkräften können, zeigte sich der Verteidiger zuversichtlich.

Die Energie Burgenland habe eine "wirklich schwere Bürde" tragen müssen bei der Aufarbeitung dieser Angelegenheit, stellte deren Rechtsbeistand Piroska Vargha fest. Die Energie Burgenland, die aus der Fusion von BEWAG und BEGAS entstand, hat sich dem Strafverfahren als Privatbeteiligte angeschlossen. Nun wisse man, "dass wir vor einem der größten Wirtschaftskrimis stehen, die das Land Burgenland bisher erleben musste", sagte die Anwältin.

Energie Burgenland bekam bisher 6 Mio. Euro zurück

"Es war der größte Wirtschaftskriminalfall, den das Burgenland je gehabt hat", sagte der Vorstandschef der Energie Burgenland, Michael Gerbavsits, am Montag vor Journalisten. Wie hoch der entstandene Schaden insgesamt war, sei schwer abzuschätzen, immerhin habe man 6 Mio. Euro bereits geltend machen können. "Wir gehen davon aus, dass es noch einige Millionen sein könnten", so Gerbavsits.

Der Hauptangeklagte Rudolf Simandl allein habe 3 der 6 Mio. Euro zurückgezahlt, 2,3 Mio. seien von der in den Fall verwickelten Ortner GmbH gekommen. Große noch offene Bereiche seien Auftragsvergaben und Scheinrechnungen.

Dass Simandl verhandlungsunfähig ist, "ist für die Energie Burgenland gleich", so Gerbavsits. "Es gibt ja auch Zivilverfahren, er wird sich der Verantwortung stellen müssen, er kann sich ihr nicht entziehen. Die Sachverhalte werden ja trotzdem verhandelt." Man habe Simandl bereits auf Schadenersatz verklagt und es seien mehrere Verfahren anhängig. Das Strafverfahren kann sich nach Einschätzung von Gerbavsits noch über Jahre hinziehen, wenn es zu Berufungen kommt.

Kommentare