Banken-TREND: Österreichs Bankinstitute stehen vor tiefgreifenden Veränderungen

FORMAT: Politik will ÖVAG- und Bawag PSK-Fusion Androsch: "Struktur­bereinigung ist unausweichlich"

Banken-TREND: Österreichs Bankinstitute stehen vor tiefgreifenden Veränderungen © Bild: APA/Gindl

Österreichs Bankenlandschaft stehen große Umwälzungen bevor. Ein tiefgreifender Strukturwandel mit Fusionen und steigendem Staatseinfluss zeichnet sich ab. Ausländische Institute entdecken den heimischen Markt.

Es wäre die Fusion des Jahres. Geht es nach dem Wunsch hoher Vertreter des Finanzministeriums und der Banken-ÖIAG Fimbag, dann wären die Österreichische Volksbanken-AG (ÖVAG) und die Bawag PSK Gruppe schon im neuen Jahr unter einem Dach. Ein Zusammenschluss würde durchaus Sinn machen. Denn beide Institute überschneiden sich kaum und stehen wirtschaftlich unter Druck. Da wäre einerseits die im ländlichen Raum und KMU-Bereich verankerte Volksbanken-AG, die mit ihrer Investkredit über eine ansehnliche Firmenkundenkartei verfügt, jedoch wegen der Kommunalkredit-Pleite Ende 2008 schwer defizitär ist. Und andererseits die bei Sparern beliebte Bawag PSK, die in Betriebsratskreisen und im öffentlichen Bereich bestens vernetzt ist. Die Bawag PSK verfügt zwar über sehr hohe Liquidität, kommt aber ertragsmäßig nicht vom Fleck. Noch sträuben sich die handelnden Personen, aber größere Umwälzungen in der Branche dürften nicht mehr zu stoppen sein. Auch Fimbag-Vizepräsident und Exfinanzminister Hannes Androsch rät zur Konsolidierung: „Eine Strukturbereinigung in dem engen österreichischen Markt ist unausweichlich. Verglichen mit der Einwohnerzahl haben wir zu viele Banken und viel zu viele Filialen.“

Fusionen werden unausweichlich
Für die Branche wird 2010 jedenfalls ein entscheidendes Jahr. Spätestens bei der Veröffentlichung der Jahresbilanzen im Frühjahr wird feststehen, wie es um problemhafte Firmenkredite, verlust­beladene Wertpapierportfolios oder die langjährige Cashcow CEE steht – und ob das große Aufräumen in diversen Bankzentralen zwischen Dornbirn und Wien erst so richtig anfängt. „Bei der einen oder anderen Bank erwarte ich Veränderun­gen in der Eigentümerstruktur“, sagt Walter Rothensteiner. Der Generaldirektor der Raiffeisen Zentralbank weiß, wovon er spricht. In seiner Funktion als oberster Bankenvertreter in der Wirtschaftskammer Österreich war er in die Verhandlungen rund um die Zukunft der Hypo Group Alpe Adria engagiert. Die Existenzkrise der Kärntner Landesbank machte Rothensteiner und Kollegen bewusst, wie eng die Schicksalsgemeinschaft österreichischer Banken wirklich ist: Ein Zusammenbruch der Hypo Group kann über den Einlagensicherungsverbund rasch zu einem Problem für den gesamten Hypo-Sektor werden. Außerdem sind die Kärntner in Südosteuropa mit Marktanteilen von bis zu 35 Prozent von hoher Systemrelevanz. Eine Pleite würde sich auch auf das Image von Raiffeisen oder Erste Bank auswirken, die ebenfalls seit Jahren in der Region CEE aktiv sind.

La Caixa macht Dampf
Angesichts der akuten Troubles überrascht es nicht, dass Finanzministerium, Finanzmarktaufsicht und Notenbank an einem neuen Bankeninsolvenzrecht arbeiten, das die Abwicklung einer Bank erleichtern soll. Finanzminister Josef Pröll will nicht noch einmal in die Situation kommen, sich von renitenten ­Eigentümern erpressen zu lassen. Für ihn gilt: „Es kann nicht sein, dass Bank­eigentümer in guten Zeiten Gewinne abschöpfen und in schlechten die Bank an den Staat verschenken wollen.“ Gemeint ist in erster Linie die BayernLB, die Großaktionär der Hypo Group ist. Doch es gibt auch Ausländer, die mit Interesse nach Österreich schauen. So hat sich die spanische Sparkassen-Gruppe La Caixa mit über zehn Prozent bei der Erste Group eingekauft – mit der Option, auf über 20 Prozent aufzustocken. Zwar sind die Spanier in erster Linie am CEE-Netzwerk interessiert, doch kann ein steigender Einfluss auf das Österreich-Geschäft grundsätzlich nicht ausgeschlossen werden. Immerhin hat der langjährige Großaktionär, die Erste-Privatstiftung, seit Ausbruch der Krise im Vorjahr ihre Finanzen nur mit großer Mühe unter Kontrolle halten können.

Ashwien Sankholkar

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