Organisiertes Fremdgehen

Bereits mehr als 7 Millionen Mitglieder betrügen so Talk: Wir haben die <i>Ashley Madison</i>-Macher getroffen

Es ist umstritten, heiß diskutiert - und unheimlich erfolgreich bei Männern und Frauen weltweit. Nun kommt das Seitensprungportal AshleyMadison.com auch nach Österreich. Unmoralischer Untergriff oder die moderne Form der Ehe-Therapie? Wir haben bei den Machern nachgefragt.

Ashley Madison - Organisiertes Fremdgehen © Bild: Noel Biderman (Copyright Ashley Madison)

Man stelle sich vor, es gebe ein Facebook - aber nur für willige Fremdgeher. Sprich für gebundene Männer und Frauen, die mit ihrem Sexleben unzufrieden sind, jedoch nicht ihre Beziehung riskieren wollen. Diese Form des organisierten Fremdgehens gibt es nun auch in Österreich.

Unmoralisch? Bedrohlich?
Kontroversen sind hier vorprogrammiert. Schließlich empfinden viele AshleyMadison.com als moralisches Übel - und äußern ihre Meinung in Sendungen wie Larry King Live oder Good Morning America lauthals. Gründer Noel Biderman, der als einer der meistgehassten Amerikaner gehandelt wird, sieht das freilich anders: "Es wird fremdgegangen. Das ist ein Fakt. Wenn man 10 Leute auf der Straße fragen würde, wie sie das finden, würden sie alle sagen "Falsch! Schrecklich!". Aber mindestens 5 von ihnen gehen belegterweise heimlich selbst fremd." Wodurch AshleyMadison.com diese Situation verbessern will? "Zwecks fehlender Möglichkeiten betrügen viele am Arbeitsplatz oder in ihrem Freundeskreis. Und das ist die wahre Bedrohung für Beziehungen, weil solche Affären leicht auffliegen. Durch uns bekommt das Ganze eine anonyme, ehrlichere und stilvollere Seite. Und deshalb bin ich mir auch sicher, dass wir mehr Ehen retten als zerstören."

Österreichs Frauen ticken anders
Der Amerikaner schlug mit seiner Geschäftsidee bombastisch ein - mittlerweile hat das Portal schon 120 Mitarbeiter, über 7 Millionen Mitglieder und will nun auch den österreichischen Markt erobern. Biderman und sein deutscher Partner Constantin Dietrich rechnen mit 250.000 Österreichern, die sich im Laufe des Jahres 2011 registrieren werden. "Unsere Recherchen haben gezeigt, dass die Nachfrage im deutschsprachigen Raum groß ist. Überraschenderweise ticken die User hier allerdings anders als in anderen Ländern: Hier zeigen vor allen Dingen Frauen Interesse an unserem Angebot", so Dietrich.

"Ich selbst bin treu"
Positive Effekte sehen die beiden auch in Bezug auf andere Portale. "Das ist doch der wahre Skandal. In Facebook, MySpace oder auf Single-Portalen tummeln sich massenweise Menschen, die sich als ungebunden ausgeben und eigentlich eine Frau und zwei Kinder zu hause sitzen haben. Da ist die Enttäuschung und Verletzung vorprogrammiert. Bei uns weiß jeder, worauf er sich einlässt. Diese Leute haben nun die Möglichkeit, mit offenen Karten zu spielen. Die Profile werden penibel geprüft, damit sich keine Gauner unter vorgetäuschten Bedingungen einschleichen. Und die Anonymität wird bestmöglich gewahrt", so Biderman, der übrigens selbst verheiratet ist und zwei Kinder hat. "Ich selbst bin treu, das weiß meine Frau genau", erzählt er - und wird von seinem deutschen Partner (ebenfalls verheiratet und drei Kinder) scherzhaft mit einem Augenzwinkern unterbrochen. "Ja, ja, das sagen sie doch alle, wie wir wissen."

"Wir erfinden die Untreue nicht neu"
Hat die Familie eigentlich ein Problem mit dem Business der beiden? "Ich habe vorher mit meiner Familie und engen Freunden geredet, wie sie meine Geschäftsidee empfinden", so Biderman. "Und das Feedback war durchaus positiv, weil sie durch meine Argumente verstehen, dass wir hier nicht die Untreue neu erfinden, sondern eher einen moralisch vertretbaren Rahmen für ein vorhandenes Bedürfnis bieten. Auch unsere Mitarbeiter müssen mit ihren Liebsten darüber sprechen, das ist Teil des Einstellungsprozesses. Wir hatten schon Bewerber, die den Job dann leider nicht antreten konnten, weil die jeweiligen Partner ein Problem darin gesehen haben."

Anfeindungen und Danksagungen
Dass solch ein Portal oberflächlich betrachtet missverstanden wird, kann Biderman durchaus verstehen. Es ist das positive Feedback der Mitglieder, das ihn trotz vieler Anfeindungen bestärkt. "Vor kurzem hat mich ein Mann kontaktiert, der mir seine Geschichte erzählen wollte, nachdem er ein Interview gesehen hatte, indem ich und Ashley Madison wild kritisiert wurden. Seine Frau hat seit vielen Jahren Alzheimer. Sie erkennt ihn nicht einmal mehr, aber er kümmert sich aufopfernd um sie. Dabei hatte er immer mehr das Gefühl, seelisch und körperlich einzugehen. Nach Absprache mit seinen Kindern ist er Mitglied bei uns geworden und trifft sich nun einmal pro Woche mit einer Frau, um seine erotischen und körperlichen Bedürfnisse befriedigen zu können. Er hat sich bei uns bedankt, weil sein Leben jetzt - ohne schlechtes Gewissen - wieder viel lebenswerter ist. Und das sind die Geschichten, die man ebenfalls erzählen sollte, bevor man ein Urteil über uns fällt."

Susanne Jelinek

Mehr Infos auf www.ashleymadison.com

Kommentare

Liebe = Sex??? Bin der Meinung das die Ehe (zumindest in der Form) sowieso ein überholtes Institut ist.
Man kann sagen was man will, aber Männer wurden nicht für die Monogamie geschaffen. Denke auch, dass es für viele Männer in diesem Portal durchaus so ist das sie bloß eine Frau lieben und mit dieser auch ihr Leben leben wollen. Sonst würden sie (jetzt neben Scheidungsfolgen) ja nicht so auf penibel auf Verschwiegenheit achten. Sex hat doch nichts mit Liebe zu tun sondern ist ein bloßer Trieb....

die Moralisten werden aufschreien die Geschäftsidee ist nicht neu, sondern nur in einer neuen offen deklarierten Verpackung. Biderman hat recht; viele Leute geben sich in online Portalen als Single oder Geschieden oder in Trennung lebend aus und gehen so ein "Verhältnis" ein, das aber in Wahrheit nur ein Seitensprung ist. Viele der Moralisten nehmen aber auch nicht zur Kenntnis, daß der Gang zur Prostitutierten auch eine Art "Seitensprung auf kurze Zeit" ist. Immerhin wählen viele Männer diese Art des "sicheren" Seitensprungs. Ob es richtig oder moralisch ist, muss jeder für sich ausmachen. Niemand zwingt einen, bei facebook, twitter oder sonst wo Mitglied zu werden. Hier weiss man, woran man ist, man bekommt wonach beide suchen und die Sache hat sich damit schon wieder. Jeder kehre vor seiner eigenen Türe.

.... ist das dann keine Untreue? Bei kirchlicher Trauung verspricht man TREUE! Nur weil es registrierter Seitensprung ist, fällte es auf einmal nicht mehr unter Untreue, oder wie verstehe ich das jetzt?
Es ist und bleibt UNTREUE für mich!!

Geförderte Untreue Wie verrückt ist unsere Welt eigentlich schon geworden? Eine Community, die sich zum Fremdgehen verabredet? Das ist doch schrecklich. Und auch wenn der Herr Biderman noch so gut klingende Argumente bringt: Mit seiner Firma macht er Untreue ganz einfach und das fördert Seitensprünge garantiert auch bei Leuten, die sich sonst nicht trauen würden - und somit treu bleiben würden.

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Was heißt das genau? "Die Profile werden penibel geprüft, damit sich keine Gauner unter vorgetäuschten Bedingungen einschleichen..." - Wenn der Ami glaubt dass sich hier in Österreich irgendjemand mit richtigen Namen und Anschrift bei einer Fremdgeher-Seite registrieren lässt dann kennt er uns Ösis aber schlecht!

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Re: Was heißt das genau? Ich seh das auch so wie nonane, siehe die negativen Kommentare auf http://www.singleboersevergleich.com/erotik-dating/ashley-madison-test-erfahrungen

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