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Die Anti-IS-Koalition: Wer
kämpft im Irak und in Syrien?

Knapp 70 Staaten kämpfen gegen die Dschihadisten. Wer ist das und was wird getan?

USS Theodore Roosevelt © Bild: imago/ZUMA Press

Seit den Anschlägen in Paris arbeitet Frankreichs Präsident Francois Hollande intensiv daran, unter dem Dach der Vereinten Nationen eine gemeinsame Militäroperation gegen den Islamischen Staat (IS – Daesh) zu lancieren, die alle im Irak und in Syrien im Einsatz befindlichen Staaten unter einen Hut bringt. Doch wer sind diese Staaten und was leisten sie? Eine Übersicht.

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Insgesamt sind zur Stunde knappe 70 Staaten im Kampf gegen Daesh engagiert. Der Großteil, nämlich 65 davon, sind in der im September 2014 von Barack Obama ins Leben gerufenen US-geführten Anti-Daesh-Koalition vereint. Neben den Vereinigten Staaten sind das sämtliche EU-Länder – also auch Österreich – sowie der Großteil der Mitglieder der Arabischen Liga.

Weitere wichtige Koalitions-Staaten sind Australien, Kanada und die Türkei. Darüber hinaus beteiligen sich aber auch Albanien, Bosnien, Georgien, Island, Japan, Südkorea, Kosovo, Mazedonien, Malaysia, Moldau, Montenegro, Neuseeland, Nigeria, Norwegen, Panama, Serbien, Singapur, Taiwan und die Ukraine. Zuletzt erwog auch China, in den Kampf gegen die Islamisten einzutreten, nachdem ein chinesischer Staatsbürger in Syrien entführt und ermordet wurde.

Luftangriffe

Die sichtbarste Maßnahme der Koalition sind die Luftschläge gegen Daesh-Stellungen und –Einrichtungen im Irak und in Syrien, obwohl sich daran verhältnismäßig wenige Staaten beteiligen. Im Irak flogen bislang die USA, Australien, Belgien, Dänemark, Frankreich, Großbritannien, Jordanien, Kanada und die Niederlande Einsätze; in Syrien die USA, Australien, Bahrain, Frankreich, Jordanien, Kanada, Saudi-Arabien, die Türkei und die Vereinigten Arabischen Emirate. Insgesamt wurden im Rahmen der Operation nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums bis Mitte November über 57.000 Lufteinsätze geflogen.

Luftangriff in Sindschar
© SAFIN HAMED/AFP/Getty Images Luftschläge sind ein wichtiger Teil der Strategie

Fünfteilige Strategie

Gemäß der von US-Außenminister John Kerry ausgegeben Parole „Für jedes Land gibt es eine passende Rolle“ beteiligt sich der Großteil der Staaten jedoch auf andere Weise an dem Einsatz. Insgesamt sind die Aktivitäten der Koalition in fünf Teilbereiche gegliedert:

  • Military
    Die besagten Lufteinsätze sowie die Unterstützung der irakischen Armee durch Militär-Berater und Ausbildner. Auch die Waffenlieferungen an gemäßigte Gruppen, die in Syrien gegen die Truppen von Diktator Assad, aber auch gegen militante Islamisten kämpfen, fallen in diesen Bereich.
  • Counter Finance
    Hat zum Ziel, die internationalen Finanzströme von bzw. an Daesh aufzudecken und auszutrocknen.
  • Foreign Terrorist Fighters
    Hier soll einerseits der Zustrom von ausländischen Daesh-Sympathisanten nach Syrien und in den Irak unterbunden werden sowie andererseits Strategien entwickelt werden, Rückkehrer zu de-radikalisieren.
  • Counter Messaging
    Die Aufgabe, der Daesh-Propaganda entgegenzuwirken.
  • Stabilization
    Die Unterstützung des Aufbaus staatlicher Infrastruktur sowie wirtschaftliche Ersthilfe für die Bevölkerung in von Daesh-Kämpfern befreiten Gebieten im Irak

Österreichs Rolle

Österreich ist in den Arbeitsgruppen „Foreign Terrorist Fighters“ und „Stabilization“ vertreten. So werden österreichische Experten etwa Anfang der Woche an einer Konferenz in Ankara teilnehmen, die zu einem beschleunigten und intensiveren Informationsaustausch über die Reisebewegungen von internationalen Dschihadisten führen soll.

Herkunft der IS-Kämpfer
© APA/Walter Longauer

Im Bereich „Stabilisierung“ soll wiederum ein Beitrag zum UN-Stabilisierungsfonds für den Irak erfolgen. Dieser ermöglicht beispielsweise durch Mikrokredite die Wiederaufnahme von Kleingeschäften wie Bäckereien oder Lebensmittelständen, um einerseits die Versorgung der Menschen sicherzustellen und ihnen andererseits auch wieder Verdienstmöglichkeiten zu bieten.

Die „kleine“ Koalition

Neben der US-geführten gibt es dann auch noch die „kleine Koalition“, bestehend aus Russland und dem Iran. Auch diese Länder gehen in Syrien mittels Luftangriffen gegen Daesh vor, müssen sich aber auch den Vorwurf gefallen lassen, in erster Linie den Machterhalt des Assad-Regimes im Sinn zu haben und zumindest teilweise auch gemäßigte Oppositionsgruppen zu bombardieren.

Zwar gab es bei der letzten Syrien-Konferenz in Wien eine Einigung aller Beteiligten auf eine gemeinsame Vorgehensweise, die Kernfrage nach der Zukunft Assads blieb jedoch weiterhin unbeantwortet. Das ist jedoch der Knackpunkt, wenn es um eine künftige Zusammenarbeit der beiden Pole USA und Russland geht. Hier einen Kompromiss zu vermitteln, wird die größte Herausforderung für Hollande. Wladimir Putin treibt seine Pläne, eine internationale Koalition zu bilden, jedenfalls ebenfalls voran: Am Montag trifft er seinen iranischen Amtskollegen Hassan Rohani, am Dienstag den jordanischen König Abdullah II. und am Donnerstag empfängt er Hollande in Moskau.

Kommentare

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Die Beschäftigung mit dem Islam ist dem Westen durch den 9/11 gerdezu aufgezwungen worden. Bis dahin hatte die Pflege archaischen Brauchtums nahöstlichen Ursprungs für den westlichen Betrachter bestenfalls Unterhaltungswert, begründet in seinen teilweise skurrilen Erscheinungsformen. Gern hätte es dabei bleiben können.
"An ihren Taten sollt ihr sie erkennen". Das sollte reichen.

neusiedlersee melden

Gut gebrüllt , Löwe. Wir schicken ja auch keine Perchten in arabische Länder. Warum kommen zu uns Teilverhüllte und praktizieren öffentlich uns fremde + merkwürdige Rituale. Wenn ja, bitte in dazu geeigneten Orten. Wenn verhüllt und mittelaltterlich gekleidet, ja, aber nicht in öffentlichen Gebäuden. Nur wer sich auch äußerlich anpasst, kann sich integrieren. Sonst muss er/sie umkehren.

strizzi1949
strizzi1949 melden

So lange dort nicht Bodentruppen eingesetzt werden, ist das Alles doch nur Show! Man kann mit der Luftwaffe alleine keine Kriege gewinnen, das wissen doch alle! Und die, die dieses Dilemma verursacht haben, die USA, hält sich dabei am meisten zurück! Alibihalber schicken sie Flugzeuge! Und was ist mit den arabischen Staaten, die die IS unterstützen? Wann werden die endlich belangt?

strizzi1949
strizzi1949 melden

Auch diese Staaten sind bekannt, aber keiner unternimmt was gegen sie! Und wieso kann man der IS nicht einfach den Geldhahn abdrehen? Oder den Waffennachschub? Ich denke, wenn man das wirklich wollte, dann würde das auch funktionieren. Aber ich denke, da verdienen manche ein Schweinegeld damit und schauen darauf, dass sich die Situation nicht beruhigt!

neusiedlersee melden

Ich wiederhole: Punktuelles gleichzeitiges Merhfachbombardement nahe beieinanderliegender IS-Stützpunkte. Danach mehrstündiger Angriff von Elite-Fallschirmjägereinheiten. Rückzug und das zweitätig wiederholen. Wenn das die Berufsheere der EU nicht schaffen sind der Nahe Osten + Europa verloren.
Man muss nur wollen möchten. Möchten ist zuwenig.


higgs70
higgs70 melden

Tatsächlich ist es aber so,dass den IS keiner wirklich bekämpfen will,weil jeder Staat für sich noch schlimmere Feinde hat.Die Türken die Kurden,Assad die Rebellen,Iran Saudi-Arabien,also die Interessen liegen anderswo.
Da hat der Islamismus-Forscher Olivier Roy recht:

http://www.fr-online.de/terror/terror-in-europa--hier-revoltiert-die-jugend--nicht-der-islam-,29500876,32473550.html?dmcid=sm_tw

neusiedlersee melden

Bei den Türken scheint mir das umgekehrt. Sie bekämpfen die Kurden. Dass diese dann zu Feinden werden überrascht nicht. Die Türken haben vorher schon die Armenier vertrieben bzw. ähnlich wie Hitler die Juden, ermordet. Jetzt möchte man die Kurden ausrotten. Die sind bewaffnet, das erschwert die Absichten diese Nato-Staates und künftigen(?) EU-Landes beträchtlich.


higgs70
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Bei allen gilt das auch umgekehrt, klar.

neusiedlersee melden

Danke higgs, f.d. Hinweis a.d. FR. Die Vorschläge des Olivier Roy zur Deradikalisierung der Jugend sind die eines Idealisten.
Wir Burgenländer fühlen uns in den Hügeln wohler als a.d. Goßvenediger. Und einer vom Defreggental wird es im Seewinkel nicht lange aushalten. Wie sollen Menschen aus einer Wüstenkultur in Europa jemals zufrieden sein und heimisch werden?

higgs70
higgs70 melden

Naja, Sie wissen ja, schon Storm hat gesagt "Am Ende pflegen die Idealisten doch recht zu behalten, wenn auch mitunter vielleicht hundert Jahre, nachdem sie begraben sind." ;-))

Und abgesehen davon, dass ich überzeugt davon bin, dass Zufriedenheit nichts mit geographischen Gegebenheiten zu tun hat (schauen Sie nach, was in unserem geographischen Gebiet schon so alles herumgekrabbelt ist, ich denke nicht, dass da alle unglücklich waren), glaube ich auch, dass alle gleich fehlerbehaftet sind, denn Kulturen mögen differieren, aber obs mit dem Nebenmenschen was zu tun haben wollen, sollte vom Individuum abhängen, die unterscheiden sich nämlich.
Und dass die Sache reibungslos verlaufen wird, würde ich nie behaupten, aber jemanden von vorne herein zu verteufeln schafft erst einen Teil der Probleme, die wir de facto haben.

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