Anschlag auf Benazir Bhutto in Pakistan: Attentäter reißt rund 139 Menschen in Tod

Frühere pakistanische Regierungschefin unverletzt Bhuttos Ehemann beschuldigt Pakistans Geheimdienst

Anschlag auf Benazir Bhutto in Pakistan: Attentäter reißt rund 139 Menschen in Tod

Nach dem Jubel über die Rückkehr der früheren pakistanischen Ministerpräsidentin Benazir Bhutto und dem Blutbad in der Nacht ist es in der südpakistanischen Wirtschaftsmetropole still geworden. Schulen blieben geschlossen, es gab wenig Verkehr; viele Menschen zogen es offenbar vor, zu Hause zu bleiben. Die Regierung werde alles tun, um die Verantwortlichen zu finden und zur Rechenschaft zu ziehen, versprach Staatschef Pervez Musharraf. Politiker in aller Welt reagierten entsetzt auf eines der blutigsten Attentate in der Geschichte Pakistans. Wer hinter dem Selbstmordanschlag mit über 130 Toten steckt, darüber konnte nur spekuliert werden. Bekennerschreiben tauchte bisher keines auf.

Dem ihr geltenden Anschlag, bei dem zumindest 136 Menschen getötet und laut Krankenhausangaben über 500 zum Teil lebensgefährlich verletzt wurden, entging Bhutto unverletzt. Der Anschlag könnte auf das Konto des Kriegsherrn Baitullah Mesud gehen, der in der Nähe der pakistanisch-afghanischen Grenze lebt und die radikalislamischen Taliban unterstützt, vermutet die Polizei. Medienberichten zufolge hat er kürzlich angekündigt, Bhutto bei einer Rückkehr nach Pakistan mit Selbstmordattentaten zu begrüßen. Präsidentensprecher Rashid Qureshi sagte, es gebe "keinen Zweifel daran, dass dies das Werk irregeleiteter Terroristen und Extremisten ist". Musharraf habe einen ersten Ermittlungsbericht binnen 48 Stunden angefordert.

Bhutto verdächtigt Anhänger des Ex-Diktators
In einem im Internet veröffentlichten Interview mit dem Magazin "Paris-Match" hat Bhutto dagegen Anhänger des früheren Militärmachthabers Mohammed Zia ul-Haq für den Selbstmordanschlag verantwortlich gemacht. "Ich weiß genau, wer mich umbringen wollte", sagte die 54-Jährige. Die Anhänger Zias stünden noch heute hinter "Extremismus und Fanatismus". Zia hatte Bhuttos Vater, Regierungschef Zulfikar Ali Bhutto, 1977 gestürzt und ihn zwei Jahre später hängen lassen. Zia selbst starb 1988 bei einem nie geklärten Flugzeugabsturz.

Die frühere Ministerpräsidentin soll Musharraf in einem Brief Namen mutmaßlicher Drahtzieher mitgeteilt haben. Der Anschlag sei nicht das Werk von Moslemextremisten, sondern jenes pakistanischer Geheimdienste, meinte Bhuttos Ehemann, Asif Ali Zardar, zu einem Fernsehsender. Bhuttos Konvoi war nach Polizeiangaben zunächst von einer Granate getroffen worden, kurz darauf zündete ein Selbstmordattentäter einen gewaltigen Sprengsatz. Dennoch gingen nur die Scheiben von Bhuttos Lastwagen zu Bruch. Die Politikerin selbst sei sofort nach den Explosionen in ihre Residenz in Karachi gebracht worden, sagte Polizeichef Azhar Farooqi.

Ex-Regierungschefin bestand auf Route durch die Stadt
Bis zu zwei Millionen Menschen wollten Bhutto einen jubelnden Empfang bereiten. Vom Flughafen aus sollte sie zum Grabmal des Staatsgründers Mohammed Ali Jinnah fahren, doch kam ihr Fahrzeugkonvoi in den überfüllten Straßen nur im Schneckentempo voran. Nach etwa zehn Stunden kam es dann zu den tödlichen Anschlägen. Bhutto war vor möglichen Attentätern gewarnt worden, hatte aber dennoch darauf bestanden, durch die Straßen der Hafenstadt zu fahren.

Präsident Pervez Musharraf nannte die Anschläge eine "Verschwörung gegen die Demokratie in Pakistan". Internationale Stimmen - darunter auch US-Präsident George W. Bush - warnten, es dürfte Extremisten nicht gestattet werden, freie und demokratische Wahlen in Pakistan zu verhindern. Bhutto war nach acht Jahren im Exil mit dem Ziel nach Pakistan zurückgekehrt, bei den Parlamentswahlen im Jänner als Spitzenkandidatin der PPP anzutreten. Der Anfang des Monats vom Parlament wiedergewählte Präsident Musharraf führte zur Stärkung seiner Position mit Bhutto Gespräche über ein mögliches Bündnis. Im Gegenzug erhielt die frühere Regierungschefin die Zusage, dass sie nach ihrer Rückkehr nicht mit einer Strafverfolgung wegen Korruption rechnen müsse.

(APA/red)