Am Wendepunkt des Live-Zenits: AC/DC
im ausverkauften Ernst Happel-Stadion

Gitarrist Angus Young und sein Phallus-Rock Die große Offenbarung ließ auf sich warten

Am Wendepunkt des Live-Zenits: AC/DC
im ausverkauften Ernst Happel-Stadion © Bild: APA/EPA/Sara Johannnessen

Strotzt eine Band vor Schaffenskraft, so tun dies ihre Nummern vor Wiedererkennungswert. Schon beim ersten Takt muss klar sein, das ist die Band die ich so liebe, meine Religion, mein Leben, von der Wiege bis zur Bare.

Ganz egal ob es sich um alte Klassiker oder um neues Material handelt, Brian Johnson, Angus Young, Malcom Young, Cliff Williams und Phil Rudd haben sich ihr eigenes Genre kreiert, das trotzdem nie peinlich oder gekünstelt wirkt. Wer hinterfragt schon ernsthaft seine Religion.

Wir sind AC/DC
AC/DC ist so eine Band, die jedem ihrer Songs eine bestimmte Grundhaltung auf den Weg gibt und so sofort ein kollektives Wir-Gefühl intoniert. Ich bin AC/DC und AC/DC sind wir alle. Diese friedliche Haltung war im restlos ausverkauften Ernst-Happel-Stadion zu spüren; auch die Fans altern mit ihren Idolen und werden nicht ruhiger, dafür gemütlicher. Schön zumindest zu sehen, dass schon die dritte Generation von Fans den Weg ins Stadion findet. Musikalische Früherziehung für die Leistungsträger von morgen.

So startete der 20-Nummern umfassende Rock-Zyklus mit „Rock N’ Roll Train“ vom 2008er Output „Black Ice“ . Ein straighter Rocker zum Mitwippen und genüsslichem Aufwärmen der Stimmbänder, auch wenn es Brian Johnson an diesem Abend nie wirklich gelingen sollte, seinen Stimm-Zenit zu erreichen; die Fans halfen ihm gemeinschaftlich weiter.

Bei „Back in Black“ vom gleichnamigen Meilenstein wurde es das erste Mal heiß in den vorderen Reihen, gespickt wurde das Hitfeuerwerk immer wieder mit neuen Nummern, die sich durchaus geschmeidig in die Setlist einfügten. „Hells Bells“, „Thunderstruck“ und ähnliche zeitlose Hymnen sind sowieso über jegliche Kritik erhaben. Oft kopiert, nie erreicht.

Phallus-Rock
Bei der „Let there be Rock“ , der letzten Nummer vor dem Encore-Break, zeigte sich Gitarren-Zampano Angus Young von seiner stärksten Seite. Die typische Schuluniform schon fast zur Gänze abgelegt, spielte er sich und das Auditorium in einen Rausch aus Gitarren-Solis und Phallus-Gehabe, dass es eine Freude ist. Der Mann spielt das trotzige Rock n’ Roll Kind im Körper eines Erwachsenen wie am ersten Tag.

„Highway to Hell“ und „For those about to Rock (We salute you)“ leiteten das vorgeschriebene Ende ein; Letzteres natürlich mit ordentlich Kanonenfeuer aus zwölf Rohren. Die Fans erfreut, keine großen Überraschungen, fast alle Klassiker gespielt. AC/DC ist auch 2009 noch wie ein guter Schluck Bier zur richtigen Zeit, leider auch schon mal ein bisschen schal im Abgang.

(Philip Dulle)