Nationalratswahl 2013 von

Kanzler soll keine Würstel kochen

Alternative Wahlkampftermine: Nicht für alle Politiker die richtige Entscheidung

Werner Faymann © Bild: APA/BKA/Andy Wenzel

Michael Spindelegger entfesselte Rinderfilet, Frank Stronach marinierte saures Rindfleisch in Kernöl und Werten und Eva Glawischnig feierte eine Bio-Orgie aus Spinat, Spiegelei und Erdäpfeln. Im „Rezept für Österreich“ auf Puls 4 konnten sich die Spitzenkandidaten der österreichischen Parteien einmal von einer etwas anderen Seite präsentieren, nämlich löffel- statt große Reden schwingend. Zwar wurden sie nach getaner Arbeit auch nach politischen Konzepten befragt, doch davon blieb eher wenig hängen. Was bringen solche Auftritte den Kandidaten also? NEWS.AT hat sich bei den Politik- und Kommunikationsexpertinnen Heidi Glück und Peter Hajek erkundigt.

Und deren Befund ist eindeutig: Es gehe vor allem darum, die Spirale des Gewöhnlichen zu durchbrechen. „Wahlkämpfe laufen sehr typisch ab, daher ist es sehr wichtig, Aufmerksamkeit zu erregen“, sagt Hajek. Und das funktioniere entweder über Inhaltliches oder eben über alternative Darstellungsformen. Zweitere bieten auch noch den entscheidenden Vorteil, einen Blick auf den Menschen hinter dem Politiker zu ermöglichen. Kurz gesagt: Imagewerbung. Man könne zeigen, dass man Hobbies hat, dass man sich für dieselben Dinge wie die Wähler interessiert, sagt Glück. Und sie sieht auch noch einen dritten Beweggrund: Das Erschließen neuer Zielgruppen. „Es geht darum, Politiker mit Leuten zusammenzubringen, mit denen sie normalerweise nicht in Kontakt kommen.“ Das träfe insbesondere auch auf Aktivitäten wie Disko- oder Zeltfestbesuche zu.

Inhalte nur am Rande

Um Inhalte geht es dagegen bei Formaten wie „Rezept für Österreich“ oder dem Gast-DJing der Spitzenkandidaten auf Radio Superfly im August kaum. „Inhalte zu vermitteln ist ganz schwer“, so Hajek. Man könne ausschließlich auf Symbolik setzen – etwa Bio-Essen bei den Grünen oder gutbürgerliche Küche wie besagtes Rinderfilet bei der ÖVP. Doch auch hier sind den Politikern enge Grenzen gesetzt. „Keiner würde jemals ein Haubenmenü kochen“, sagt Glück. „Denn das wird mit teuer und mit Luxus verbunden – Attribute, die man im Wahlkampf nicht braucht.“ Den Massengeschmack abdecken, nur nicht anecken, nur nicht zu elitär wirken, das seien die Leitlinien bei solchen Auftritten.

Gefahr Unglaubwürdigkeit

Denn natürlich lauern beim Verlassen ausgetretener Pfade auch Gefahren. Wenn ein Politiker etwas macht, wobei ihn noch nie zuvor jemand gesehen hat, stellt sich für Glück automatisch die Frage: Macht er das nur, weil es eine zusätzliche Auftrittsmöglichkeit ist? Und so etwas werde selten goutiert. Die noch viel größere Gefahr sei jedoch, unglaubwürdig zu wirken. „Dass man merkt, das ist erfunden, das ist aufgesetzt, das ist künstlich, das wird nur gemacht, weil ein Berater gesagt hat, das würde gut ankommen“, präzisiert sie. Im Zweifel sollten sich auch Politiker auf Dinge konzentrieren, bei denen sie sich auskennen, denn: „Jeder hat natürlich auch private Interessen.“

No risk, no fun

Peter Hajek sieht die Sache deutlich entspannter. „Diese Auftritte sind ja nicht so gestaltet, dass man sich komplett blamieren kann. Das wird nach allen Seiten abgesichert“, winkt er ab. Freilich gäbe es gewisse Risiken, aber es gelte auch die Devise „no risk, no fun.“ Bei einem klassischen Wahlkampf, wie ihn zum Beispiel die SPÖ führe, werde man außerhalb der Kernwählerschichten kaum jemanden ansprechen. „Da wäre es schon spannender, in den Angriff überzugehen.“

Kanzler auf höherer Ebene

Hajek würde Politikern aber nicht pauschal raten, an solchen Events teilzunehmen. So etwas sei immer eine Einzelfallentscheidung. Generell gelte: Je kleiner eine Partei und je geringer ihr Budget, desto eher werde man eine solche Einladung annehmen. Die Entscheidung von Bundeskanzler Werner Faymann, auf das Kochen bei Puls 4 zu verzichten, beurteilt er im Umkehrschluss als richtig. „Da steht eine taktische Überlegung dahinter. Der Kanzler ist zuständig für die Republik, der macht so etwas nicht.“ Man versuche, Faymann auf eine andere Ebene zu heben und damit könne man nicht viel falsch machen.

Regieren statt Würstel kochen

Eine Einschätzung, die Heidi Glück teilt. „Von einem Bundeskanzler erwartet man sich, dass er staatsmännisch agiert. Der soll um sieben Uhr früh wieder das Land regieren und nicht um Mitternacht Würstel kochen“, so die Expertin. Generell würde sie österreichischen Spitzenpolitikern mangels Glaubwürdigkeit im Zweifel von solchen Auftritten abraten. Es bestehe immer auch die Gefahr, sich lächerlich zu machen und „ein Flop würde sehr viel mehr in Erinnerung bleiben als ein kompliziertes politisches Programm.“ Außerdem sollte es ihrer Meinung nach auch Bereiche geben, die Politik- und Politiker-frei bleiben. Eine Einschätzung, die wohl auch viele Wähler teilen würden.

Kommentare

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Wenn ihm der Kickl nichts einsagt, kann das obere Ende des HC nicht
wissen, dass ein echtes Wiener kein Schwein in der Pfanne ist. Andererseits hat Strache (übersetzt Angst) tschechische Vorfahren, da könnte ja auch eine böhmische Köchin dabeigewesen sein, die ihm Schnitzelgene vererbt haben könnte.

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Aber dem Schlussfolgerung aus dem Kochkongress der Politiker
Viele Polit-Köche verderben nicht nur den Brei sondern machen welchen.

Elcordes melden

Also reg Dich nicht auf über Straches Tschechische Vorfahren. Der ganze Osten wimmelt ja nur so davon von den Böhmen usw. Möchte nicht wissen wie viele Wiener sind gar keine echten. Also was solls.

Ignaz-Kutschnberger
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Also Onkel Frank ist mir mit seinem Medium Steak a la Stronach, scharf angebraten aber innen noch halb roh, damit die ANDEREN noch lange daran was zu beißen haben, durchaus in Erinnerung geblieben...
Obwohl ich anfangs dachte, er schmeißt als würdige Beilage eventuell ein paar Stier-Hoden auf den Grill...und kühlt sie dann in Vanille-Sauce ;)

Ignaz-Kutschnberger
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Und Glawischnigs grüner Spinat mit einem Ei vom glücklichen Huhn, das hoffentlich nicht in einer Legebatterie saß, war halt doch irgendwie typisch für die Grünen...

Ignaz-Kutschnberger
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Bucher Sepp zeigte mit Bravour seine Kochkünste aus dem elterlichen Betrieb...mir lief beim Zuschaun teilweise das Wasser im Mund zsamm...

Ignaz-Kutschnberger
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Michael Spindelegger überzeugte ebenfalls und bewies, dass auch er durchaus Grill-Qualität aufweist und eventuell nicht nur als Küchenchef für eine Garten-Party, sondern möglicherweise auch als künftiger Regierungs-Chef zu gebrauchen ist...

Ignaz-Kutschnberger
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Allesamt meinerseits somit ein positives staatsfrauisches bzw. staatsmännisches Bild vermittelt...
Ich persönlich bin der Ansicht, dass auch Kanzler Werner mit einem richtigen Gericht punkten hätte können!
Ein Vikerl Klima hätte seine Chance genutzt!!

Ignaz-Kutschnberger
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Ach ja, und meine Frau würde gern wissen, ob ihr der Bucher Sepp das Rezept zukommen lassen kann...
Danke!

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ja, und was das Inhalte vermitteln anbelangt, wars auch sehr aussagekräftig, denn dass Strache den "Österreichischen Klassiker" Wiener Schnitzel vom Schwein zubereitete, das klassisch eigentlich vom Kalb sein sollte und ursprünglich aus Mailand stammt, hat durchaus etwas Symbolisches....ein echter Multikulti eben, der HC;-))

wintersun melden

@higgs70: Haha was einem da alles entgeht wenn man kein TV sieht scheint unglaublich. Wiener vom Schwein, auweh, und so einer wirbt für "österreichische Werte" ;)

giuseppeverdi melden

@wintersun das Wiener vom Schwein ist das "Wiener des kleinen Mannes" und gar nicht so selten wie Sie anscheinend meinen. Es gibt Menschen, die würden das gar nicht auseinander kennen wenn man ihnen das nicht sagen würde. Oder besser gesagt nur am Preis weil für ein "echtes" Wiener würden sie 18 für ein "Schweinernes" nur 12 Euro zahlen.

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