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A4-Prozess - Angeklagte lieferten sich Schreiduell im Gerichtssaal

Komplize zum Hauptangeklagten: "Fürchte dich vor Gott"

Im Prozess um das A4-Flüchtlingsdrama am Gericht in Kecskemet in Ungarn ist am Freitag die Einvernahme des Hauptbeschuldigten fortgesetzt worden. Nachdem der Afghane am Donnerstag über die Hierarchie der Bande berichtete, wies er weiterhin den Vorwurf zurück, der Oberboss gewesen zu sein. Nach gegenseitigen Schuldzuweisungen lieferten sich die Angeklagten ein Schreiduell im Gerichtssaal.

Vor der Aussage des Afghanen kam nämlich jener Autohändler, der den Todes-Lkw an die Bande verkauft hatte, als Zeuge zu Wort. Er berichtete, dass der Hauptbeschuldigte, sein Vize und ein Komplize als Vermittler - ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger - beim Kauf dabei waren. Der Autohändler erzählte, dass dieser Vermittler berichtete, dass sich der 31-jährige Bandenboss sehr für den Lkw interessiert habe, so etwas habe er immer gesucht, sagte er laut dem Zeugen.

Der Autoverkäufer erklärte den Männern, wie die Kühlung ein- und ausgeschaltet wird. Er sagte ihnen auch, wie die Schließvorrichtung bei dem Kühl-Lkw funktioniert. Als er ihnen das Schwerfahrzeug verkauft hatte, hat es keine zusätzliche Versperrung gegeben, sagte er dem Gericht in Kecskemet. Der Händler sagte auch, dass es nicht möglich gewesen wäre, die Tür vom Inneren des Laderaums zu öffnen. Und der Lkw wäre in einem guten Zustand gewesen. Die Bande soll nämlich die Tür zusätzlich mit einem Draht gesichert haben, weshalb die Flüchtlinge qualvoll erstickten.

Dem Aussagen des Autohändlers widersprach der Erstangeklagte, er habe sich nach der Luftzufuhr erkundigt, aber der bulgarisch-libanesische Komplize hätte ihn beruhigt, dass genügend Luft über die Kühlanlage in den Frachtraum strömen würde. Der Afghane beschwerte sich lautstark, dass ihm der Komplize und sein Vize nun alles in die Schuhe schieben wollen. "Wie lange wollt ihr noch lügen?", brüllte er. Er hätte doch nur gezahlt, der Komplize das Auto aber beschafft. "Fürchte dich vor Gott", schrie der Komplize, weshalb Richter Janos Jadi zur Ordnung rief. Die Verhandlung wird am Freitag nach einer Mittagspause fortgesetzt.

In dem Prozess sind insgesamt 14 Personen - elf Bulgaren, zwei Afghanen sowie ein bulgarisch-libanesischer Staatsbürger - angeklagt. Sie sollen Schuld am Erstickungstod der Flüchtlinge aus Syrien, Afghanistan, dem Iran und dem Irak sein. Unter den 71 Todesopfern waren vier Kinder. Drei der 14 Angeklagten sind noch auf der Flucht. Seit Juni 2017 wird in Kecskemet verhandelt.

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