1,15 Millionen sahen Duell der "Großen": Schüssel und Gusenbauer in Angriffslaune!

Illegale Helferin Schüssels Thema im Kanzlerduell BZÖ: Konfrontation "nicht mehr als ein Schaulaufen"

Rund 1,15 Millionen Zuschauer haben das Kanzler-Duell im ORF verfolgt. Damit waren beim schwarz-roten Showdown zwischen Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer zwar deutlich mehr Zuseher dabei, als bei den bisherigen TV-Konfrontationen, diese haben allerdings auch über eine Stunde später begonnen. Die Zuseher sahen ein über weite Strecken ruhiges, aber inhaltlich kontroversielles TV-Duell. Die BAWAG-Affäre wurde gleich in den ersten zehn Minuten abgehandelt und kam danach kaum noch zur Sprache.

Emotional wurde die Diskussion erst in der zweiten Halbzeit, als der Herausforderer Gusenbauer beim Pflege-Thema an die illegale Helferin in der Kanzler-Familie erinnerte und Schüssel vorwarf, zum "Vorbild an Illegalität" geworden zu sein. Dieser reagierte empört: "Jetzt verstehe ich die Schweißperlen auf der Lippe: Mit diesem Untergriff haben sie sich endgültig disqualifiziert. Ich würde niemals ihre Familie hier hereinziehen."

Gusenbauer konfrontierte Schüssel gleich zum Auftakt mit dessen "Emanzen"-Sager. Der VP-Chef betonte, er habe lediglich darauf hinweisen wollen, wer wirklich Frauenpolitik mache, "und da habe ich dann scherzhaft gesagt: Wäre ich ein Linker, dann würden viele vor Begeisterung flach liegen. Da ist nichts unrundes dabei. Aber wenn das irgendwen stört, ziehe ich das zurück. Man kann auch vor Begeisterung stehen."

Thema BAWAG-Affäre
Die BAWAG-Affäre bezeichnete der VP-Chef als "dramatischen Sündenfall". "Das ist ein Skandal, der ausschließlich im Dunstkreis der sozialdemokratischen Manager, Familien, Generaldirektoren und Aufseher, Verzetnitsch, Tumpel, Weninger und wie sie alle heißen, geschehen ist", betonte der Kanzler: "Es wird niemandem gelingen, aus der BAWAG einen paritätischen Sündenfall zu machen." Gusenbauer wies dies zurück: "Der Zusammenhang mit der SPÖ ist nicht gegeben."

Dass Gusenbauer im "Kriminalfall BAWAG" Haftstrafen für die verantwortlichen Manager forderte, kommentierte Schüssel mit dem genüsslichen Verweis auf die Millionen-Abfertigung für den früheren Bankdirektor Helmut Elsner: "Normalerweise, da haben Sie völlig recht, werden die Verantwortlichen zur Verantwortung gezogen. Dem Herrn Elsner wurde aber noch eine Abfertigung und ein Penthouse nachgeworfen." Während Gusenbauer die Offenlegung von Parteispenden forderte, bot Schüssel lediglich die Offenlegung gegenüber dem Rechnungshofpräsidenten an.

Thema Arbeitslosigkeit
In Sachen Arbeitslosigkeit warf Gusenbauer der Regierung die Schönung der Statistik durch ein "enormes Ausmaß an Kursmaßnahmen" vor, forderte Investitionen in Infrastruktur, Forschung und Entwicklung sowie Lehrwerkstätten zur Reduktion der Jugendarbeitslosigkeit. "Ich bevorzuge, dass man in die Arbeit investiert, als die Arbeitslosigkeit finanziert", so der SP-Chef. Schüssel darauf sarkastisch: "Bei Gusenbauer ist alles immer ganz einfach, aber in der Realisierung hapert's dann."

Schüssel selbst versuchte es mit einem Taferl, auf dem die Bezirke mit lediglich drei Prozent Arbeitslosigkeit grün eingefärbt waren: "Man sieht, dass die Hälfte der österreichischen Bezirke das schon erreicht hat." Als Gusenbauer dem VP-Chef angesichts der Steuerentlastungen für Unternehmer vorwarf, ihm wären die Interessen der arbeitenden Menschen "völlig egal", konterte Schüssel ein letztes Mal mit der BAWAG-Affäre: "Und das wissen ihre Penthouse-Sozialisten a la Verzetnitsch und die Abfertigungskaiser a la Elsner, dass sie die kleinen Leute vertreten? Ich vertrete genauso die kleinen Leute".

Thema Bildungspolitik
In der Bildungspolitik plädierte Gusenbauer für den Einstieg in die Gesamtschule nach finnischem Vorbild sowie für eine Reduktion der Klassenschülerhöchstzahl auf 25. Gusenbauer: "Nicht die Schule ist schlecht, sondern die Schulpolitik ist schlecht." Schüssel sprach sich stattdessen für mehr Vorschulangebote, freiwillige Nachmittagsbetreuung und mehr Autonomie an den Schulen aus. Der Unterschied zur SPÖ sei, dass die ÖVP "nicht verpflichtend ein Modell" wolle, "sondern ein breites Angebot, wo auch Pädagogen und Schüler etwas davon haben".

Außerdem forderte Gusenbauer einmal mehr die Streichung der Studiengebühren. Finanzieren will er das mit dem Verzicht auf die Abschaffung der Erbschaftssteuer: "Wenn ich die Wahl habe: Schaffe ich die Erbschaftssteuer ab, die nur wenigen Reichen etwas bringt, oder schaffe ich die Studiengebühren ab, dann schaffe ich die Studiengebühren ab." Schüssel lehnt dies ab und verwies darauf, dass die Akademikerquote trotz Studiengebühren seit 2000 von zwölf auf 20 Prozent gestiegen sei.

Thema Gesundheitssystem
Zur Absicherung des Gesundheitssystems forderte Gusenbauer sowohl Strukturreformen als auch eine Anhebung der Höchstbeitragsgrundlage. Er kritisierte die Selbstbehalte als zu hoch und verwies darauf, dass sich so manche Pensionistin wegen niedriger Pensionen und hoher Heizkosten die Arztbesuche nicht mehr leisten könne. Für Schüssel ist dieses Beispiel schlicht "falsch": "Machens nicht schon wieder Angst. Sie sind der Angstmacher, ich bin der Mutmacher." Die Selbstbehalte für chronisch Kranke will Gusenbauer bei 150 Euro pro Jahr deckeln. Schüssel plädierte in diesem Fall für eine Deckelung der Rezeptgebühr bei zehn Euro jährlich.

Thema Eurofighter
Die "Lügner"-Kampagne der SPÖ gegen Schüssel verteidigte Gusenbauer: Angesichts der aktuellen Wahlversprechen sei es wichtig, aufzuzeigen, was aus den alten Wahlversprechen Schüssels geworden sei - etwa der Ankündigung, dass der Eurofighter von einer privaten Wirtschaftsplattform finanziert werde. Schüssel warf Gusenbauer vor, mit der Kritik am Eurofighter "hunderte Arbeitsplätze" und die Sicherheit Österreichs zu gefährden: "Mit der Sicherheit soll man nicht spielen, das hat Dr. Gusenbauer gerade gemacht, was ihn staatspolitisch abwertet."

Fan-Kurve am Küniglberg
In eine regelrechte Fan-Kurve hatte sich die Würzburggasse in Wien-Hietzing vor dem ORF-Zentrum verwandelt. Anhänger der beiden Spitzenkandidaten postierten sich links und rechts, um ihren Favoriten vor der TV-Konfrontation zuzujubeln. Die SPÖ-Fraktion war an ihren roten Jacken und T-Shirts zu erkennen, die ÖVP trug gelb. Die Menge zählte rund 700 Leute, so die Polizei.

BZÖ: "Nicht mehr als Schaulaufen"
Für BZÖ-Sprecher Uwe Scheuch war das Kanzler-Duell "nicht mehr als ein Schaulaufen". Gusenbauer hätte sich "krampfhaft bemüht staatsmännisch zu wirken" und habe sich "mit rhetorischen Floskeln gegen eine sofortige Klärung der Geldflüsse von der BAWAG an die SPÖ gesträubt". Schüssel habe dagegen "überheblich" gewirkt. Offenbar sehe sich die ÖVP schon jetzt als großer Wahlsieger. Scheuch: "Gerade diese Haltung der ÖVP zeigt, dass Macht Kontrolle braucht und genau dafür stehen wir vom BZÖ."

Für FP-Generalsekretär Harald Vilimsky verdient das Kanzler-Duell zwischen Wolfgang Schüssel und Alfred Gusenbauer diesen Namen nicht. "Es war ein langweiliges Gespräch von zwei Personen ohne politische Führungsqualitäten und Visionen", so Vilimsky in einer Aussendung. Eine "amtsmüder und skandalbelasteter" Schüssel sei einem "völlig zahnlosen und noch mehr skandalbelasteten" Gusenbauer gegenüber gesessen. Vilimsky: "Zuerst haben sie sich noch mit Wattebällen beworfen und dann zur üblichen rot-schwarzen Dreckschleuder gegriffen."

(apa/red)