Über Roland Düringers Buch "Leb wohl, Schlaraffenland"

Über die Kunst des Weglassens und welcher Verzicht am härtesten ist

Ohne Handy, ohne Internet, ohne Supermärkte, ohne Medien. Kaum jemand kann sich mittlerweile so ein Leben vorstellen. Kabarettist Roland Düringer hat dennoch den Selbstversuch gewagt, und diese Dinge weggelassen. Sein neues Buch "Leb wohl, Schlaraffenland - die Kunst des Weglassens" ist dann auf Basis eines Gespräches mit dem Autor Clemens G. Arvay über die großen philosophischen Fragen des Lebens entstanden. NEWS.AT hat mit Roland Düringer darüber gesprochen welcher Verzicht am härtesten ist, wie er auf die Idee gekommen ist und ob er noch mehr weglassen will.

von Roland Düringer © Bild: Jeff Mangione

NEWS.AT: Welcher Verzicht war für Sie am härtesten? Was hat am meisten gefehlt: Handy, Auto, Internet?
Roland Düringer: Schlimm war gar nichts, weil ich es ja wollte. Wenn man etwas will, ist es nicht schlimm. Was für mich der größte Brocken und die größte Umstellung war, war das Auto, weil ich damit viel unterwegs war und immer gewesen bin. Im Jahr waren es 50.000 Kilometer, daher war das die größte Umstellung. Man muss das Auto als Nutzgerät sehen, nicht als Spaßgerät, wenn man so viel wegen Tourneen unterwegs ist. Das ist nicht mehr lustig. Die sinnvollste war, auf Supermärkte zu verzichten, in kein Einkaufszentrum mehr hineinzugehen.

NEWS.AT: Ist das am Land leichter als in der Stadt?
Düringer: Nein, das glaube ich nicht, im Gegenteil. Weil es am Land weniger Angebote und Alternativen gibt. In der Stadt gibt es Bioläden und Bauernmärkte.

NEWS.AT: Wie sind Sie auf die Idee gekommen Handy, Auto und Co. wegzulassen?
Düringer: Ganz einfach deshalb weil ich kein neues Programm schreibe sondern mein altes spiele. Und da habe ich mir gedacht, ich könnte etwas ausprobieren in dem Jahr. Und es wäre eine nette Erfahrung einmal zu schauen: Wie ergeht es einem Menschen heutzutage, wenn man auf die Werkzeuge der 70er Jahre zurückgreift und schaut, was das mit einem selber macht. Es war ein Selbstversuch, eine Erfahrung, die ich machen wollte. Ich wollte niemandem etwas beweisen und niemanden missionieren, sondern ich wollte wissen, was das mit mir selber macht. Weil wir es ja alle gewöhnt sind, das Handy einzustecken, wenn wir außer Haus gehen. In der Regel, wenn wir merken dass wir es vergessen haben, werden wir furchtbar nervös, weil wir nicht erreichbar sind und unsere Termine darin gespeichert haben. Und das einmal wegzulassen und einmal keines dabei zu haben, war einmal eine schöne Erfahrung.

NEWS.AT: Was hätten Sie am ehesten gebraucht von den Dingen, die Sie weggelassen haben?
Düringer: Na brauchen tut man eigentlich von dem allen nichts. Ich brauche sie nur teilweise. Das heißt ich brauche ein Auto um zum Bahnhof zu kommen, weil ich wirklich am Land wohne. Ich habe ja noch immer ein Auto, ich habe es nicht verschrotten lassen. Ich bewege es halt nur sehr, sehr selten. Nur dann, wenn ich es wirklich brauche. Es ist nicht so, dass ich jetzt gegen diese Dinge bin und sage, die sind jetzt alle schlecht, sondern mir geht es um einen sinnvollen Umgang damit. Weil wir haben mittlerweile eine Grenze überschritten, denn die Dinge haben Besitz von uns ergriffen. Wenn du wirklich einmal nervös bist, weil du dein Mobiltelefon daheim vergessen hast, dann hat eigentlich dein Telefon gewonnen.

NEWS.AT: Das Experiment hat ja auch Auswirkungen gehabt auf Ihre Familie, Ihre Frau und Ihre Tochter. Haben sie das vorher besprochen? Was sagen sie dazu?
Düringer: Ich habe ihnen das gesagt, ja. Aber so groß ist die Auswirkung nicht. Meine Tochter kommt mit dem Zug, wenn sie zu mir aufs Land kommt. Meine Frau lebt sowieso ein sehr einfaches und reduziertes Leben, die hat nicht einmal einen Computer. Sie geht auch in keine Supermärkte einkaufen, also für sie hat das überhaupt keine Umstellung gewesen.

NEWS.AT: Ist es mit der Zeit leichter geworden zu verzichten? Gewöhnt man sich an die neuen Lebensumstände?
Düringer: Am Anfang ist es eine Umstellung, weil alles neu ist. Du musst dich mit Dingen auseinandersetzen, die vorher kein Thema waren: Zugfahrpläne, wo bekomme ich meine Lebensmittel her, immer Bargeld eingesteckt zu haben, weil ich nicht mit Bankomatkarte zahle... Aber der Mensch lernt sehr schnell und jetzt ist es für mich Normalität. Ich wüsste nicht, warum ich wieder in die alten Muster zurückfallen sollte, weil es so einfacher ist für mich mittlerweile.

NEWS.AT: Haben Sie vor noch mehr Dinge wegzulassen, oder ist es jetzt gut so wie es ist?
Düringer: Ich habe jetzt im Zuge dieses Versuchs beschlossen, dass ich mir ein Jahr lang kein Gewand kaufe. Mal schauen, wenn irgendwann alles in Fetzen hängt, werde ich mir wieder etwas kaufen. Daweil habe ich es geschafft, dass ich mir einfach kein Gewand kaufe. Es kann schon sein, dass noch weitere Dinge dazu kommen. Also ich habe im Laufe des Versuchs auch mein Privatkonto aufgelassen, es gibt nurmehr ein Geschäftskonto. Das sind einfach so kleine Dinge, wo man immer noch etwas finden kann, wo man reduzieren kann. Aber es soll nicht zu einem Wahn werden. Ich will niemandem etwas beweisen, ich tue das für mich. Aber ich glaube, dass da sinnvolle Ansätze dahinter sind.

NEWS.AT: Beim Lesen des Buches habe ich bemerkt, dass ein Umdenken bei mir stattfindet und man über gewisse Dinge nachdenkt und sich überlegt, was könnte man in seinem eigenen Leben ändern. War das Ihr Ziel?
Düringer: Ziel gab es keines, ich habe einfach angefangen. Es gab dann eine Idee das öffentlich zu machen in Form eines Weblogs. Das war die Grundidee, kein Ziel. Dass es ein Buch geworden ist und öffentlich darüber geredet wird, wie mit Ihnen, das hat sich ergeben. Also es ist jetzt schön, dass darüber gesprochen wird und Sie sagen, Sie denken darüber nach - das ist sinnvoll. Denn es gibt viele Dinge, über die man nachdenken soll. Was ist ein gutes Leben? Ist es das, was uns erzählt wird, was uns die Werbung vorgaukelt, oder gibt es etwas anderes auch?

NEWS.AT: Haben Sie Ihren Weg zum Glück gefunden? Führen Sie jetzt ein gutes, glückliches Leben? Oder streben Sie nach mehr?
Düringer: Es ist ein gutes Leben, nach mehr strebe ich überhaupt nicht. Was ist ein gutes Leben? Das habe ich eh im Buch beschrieben: Ein gutes Leben ist ein Leben, das manchmal glücklich ist, manchmal kann es unglücklich sein, es ist trotzdem gutes Leben. Wenn man nur Glück hat, ist es ein langweiliges Leben, weil dann weiß man irgendwann nicht mehr, was Glück ist. Das ist so wie wenn ich auf Gran Canaria lebe, weil ich es hier nicht mehr aushalte vom Wetter her, und dann habe ich immer Sommer. Dann schätzt man den Sommer nicht mehr. Es ist gut wenn es manchmal regnet und dann die Sonne wieder scheint, dann schätzt man das mehr.

NEWS.AT: Wie stellst du dir das als Gesellschaftsprinzip vor, also wen jeder so leben würde? Verstehen Sie, dass es nicht jeder umsetzen kann?
Düringer: Jeder kann das nicht. Aber es gibt halt andere Dinge, die manche Leute reduzieren können. Es geht auch nicht um verzichten sondern um ein bisschen reduzieren. Dieses Mehr, Mehr, Mehr, das alle im Kopf haben, ist nicht notwendig. Weniger ist manchmal einfach sinnvoller für sich selber. Und da findet jeder etwas in seinem Leben, wo man sich denkt: Braucht man das wirklich? Oder kann ich etwas Sinnvolleres tun? Eines muss uns klar sein: Alles, was wir konsumieren - und wir leben in einer Konsumgesellschaft - wurde ursprünglich aus der Erde genommen in Form von Rohstoffen und wird letztendlich von uns zu Müll verwandelt. Oft zu Müll, der nicht verrotten kann, wie mancher Kunststoff zum Beispiel. Und da muss man sich die Fragen stellen, ob das sinnvoll ist für diese Gesellschaft, für unsere Kinder.

NEWS.AT: Das Buch ist eigentlich anders geworden als erwartet. Warum haben Sie nicht ein lustiges Buch geschrieben mit lauter Erlebnissen und Situationen, die sich daraus ergeben haben? Es regt ja sehr zum Nachdenken an und ist sehr philosophisch geschrieben mit vielen Hintergrundinformationen?
Düringer: Weil es ja ein Gespräch war. Also ich hab gesagt ich tu nicht Anekdoten hinschreiben, weil dafür gibt es die Webseite www.gueltigestimme.at, da kann man sich die Anknoten anhören, es gibt bereits 136 Einträge. Das wäre nicht sinnvoll. Sinnvoll ist das, was daraus geworden ist, dass darüber gesprochen wird - wie wir beide darüber reden. Weil das hilft einem Menschen vielleicht weiter in Situationen.

NEWS.AT: Sie sind also auf jeden Fall ein gutes Vorbild und gehen mit gutem Beispiel voran.
Düringer:Ob es ein gutes Beispiel ist, weiß ich nicht, aber es ist sicher eine Vorbildwirkung und regt sicher zum Nachdenken an und zum Selbstdenken.

© edition a/Jeff Mangione

Roland Düringer, Clemens G. Arvay: "Leb wohl, Schlaraffenland – die Kunst des Weglassens"
Gebundene Ausgabe: 256 Seiten
ISBN: 978-3990010655
Preis: 19,95 €

Seit Januar 2013 führt Roland Düringer außerdem ein Videotagebuch auf www.gueltigestimme.at, in dem er seinen Ausstieg aus den Systemen und die dadurch verursachten Veränderungen dokumentiert.

Clemens G. Arvay betreibt eine Informationsplattform unter www.arvay.info

Kommentare

Ich kann Ihn leider nicht ganz ernst nehmen,auf der einen Seite ..ich brauch nichts..auf der anderen Seite dann doch alles in Anspruch nehmen wenn er es braucht ?! Den Schwachsinn den er am Sonntag in Ö3 betreffend ...nicht mehr im Supermarkt einkaufen...von sich gegeben hat...ich habe ein bischen das Gefühl da möchte sich jemand einfach wichtig machen !

Also was soll dieser Schwachsinn jetzt? Aufs Handy verzichten, aber daheim einen AB haben???? Solche Aktionen in der Öffentlichkeit breit zu treten und damit wiederum Geld zu verdienen, das ist eine lächerliche Sache. Wie das ist, dies und das nicht zu haben, da braucht man nur die Leute fragen, die sich sowas von vorneherein nicht leisten können, da gibt es mehr als genug in Österreich.

Das kommt davon wenn man gras das man anbaut sich selber reinzieht.der war mal ein geiler typ und jetzt ein ökofutzi,na ja .

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