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Russischer Raketenangriff trifft Kinderklinik in Kiew

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Russland fährt Raketenangriffe auf mehrere ukrainische Städte
©APA/APA/AFP/SERGEI SUPINSKY
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Einen Tag vor dem NATO-Gipfel in Washington sind durch schwere Raketenangriffe auf die Ukraine mehr als 30 Menschen getötet worden. Insgesamt starben nach Angaben des Innenministeriums mindestens 36 Menschen, rund 82 seien verletzt worden. Aus den Industriestädten Krywyj Rih und Dnipro im Süden der Ukraine wurden mindestens 11 Tote und gut 60 Verletzte gemeldet. Fassungslosigkeit löste in Kiew der Treffer auf ein großes Kinderkrankenhaus aus.

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Der UNO-Sicherheitsrat trifft sich Diplomaten zufolge am Dienstag zu dem russischen Angriff auf Kiew, bei dem auch ein Kinderkrankenhaus getroffen wurde. "Wir werden Russlands feigen und verwerflichen Angriff auf das Krankenhaus anprangern", erklärt die britische UNO-Botschafterin Barbara Woodward auf X. Der Antrag auf eine Sitzung wurde den Angaben zufolge von den USA, Großbritannien, Frankreich, Ecuador und Slowenien eingereicht. Eine Stellungnahme der Regierung in Moskau liegt zunächst nicht vor. Russland hat im Sicherheitsrat ein Veto-Recht.

Bundeskanzler Kar Nehammer (ÖVP) verurteilte den russischen Angriff auf ein Kinderkrankenhaus als "grausam und auf das Schärfste". "Er ist einer von vielen Belegen dafür, wie die Russische Föderation das Völkerrecht missachtet. Österreich wird die humanitäre Hilfe für die Ukraine selbstverständlich fortsetzen!", schrieb Nehammer auf X.

Gesundheitsminister Johannes Rauch (Grüne) bot auf X an, die Versorgung für die Überlebenden mit Unterstützung Österreichs sicherzustellen. "Nach der Bombardierung sind sogar krebskranke Kinder ohne Behandlung. Auch Neugeborene werden auf der Straße versorgt", schrieb er.

Wie der ukrainische Präsident Wolodymyr Selenskyj mitteilte, haben die russischen Streitkräfte über 40 Raketen auf etliche Städte im Land abgefeuert. Die Raketenangriffe ereigneten sich am helllichten Tag und nicht wie meist üblich in der Nacht. Der Angriff auf Kiew sei einer der schwersten in den zwei Jahren des Krieges gewesen, sagte Bürgermeister Vitali Klitschko der Nachrichtenagentur Reuters. Allein in Kiew wurden den Behörden zufolge 17 Menschen getötet. 41 Menschen wurden verwundet, teilte die Militärverwaltung der Stadt auf Telegram mit.

Selenskyj veröffentlichte im sozialen Netzwerk X ein kurzes Video, das zerstörte Krankenzimmer und Blutspuren auf dem Fußboden zeigte. Selenskyj sprach davon, dass Menschen verschüttet seien. "Alle helfen, die Trümmer zu beseitigen - Ärzte und andere Leute", schrieb er. Klitschko sprach von 16 Verletzten in dem Krankenhaus, darunter sieben Kindern. Gesundheitsminister Wiktor Ljaschko zufolge wurden in dem Kinderkrankenhaus Abteilungen für Dialyse, Krebsbehandlung, Operationssäle und die Intensivstation beschädigt. Hunderte Anrainer halfen Rettungskräften, Trümmer zu räumen und nach Opfern zu suchen.

"Ein Angriff auf die Ukraine zu einem Zeitpunkt, an dem die meisten Menschen auf den Straßen sind", schrieb Selenskyjs Stabschef, Andrij Jermak, während des Angriffs auf Telegram. "Verrückte russische Terroristen." Russland hat wiederholt Angriffe auf die Zivilbevölkerung bestritten.

Dass ausgerechnet ein Kinderkrankenhaus angriffen wurde, bezeichnete das österreichische Außenministerium als "mehr als widerwärtig!" Das Krankenhaus Okhmatdyt habe von der österreichischen Hilfe profitiert. "Wir werden unsere Unterstützung fortsetzen und #StandWithUkraine", betonte das Ministerium auf X. Ähnlich äußerte sich Vizekanzler Werner Kogler (Grüne): Die heutige Serie schwerer Raketenangriffe auf die Ukraine zeige einmal mehr, dass es dem russischen Präsidenten Wladimir Putin nicht um Frieden gehe. "Auch eine Kinderklinik wurde getroffen. Das ist ein widerwärtiger Schlag des Aggressors Putin. Österreich steht ungebrochen an der Seite der Ukraine."

Auch Bundespräsident Alexander Van der Bellen unterstrich die fortgesetzte Unterstützung Österreichs für die Ukraine. "Heute erleben wir erneut, wie Putins Russland zivile Infrastruktur in Kiew angreift, darunter das größte Kinderkrankenhaus der Ukraine." Das sei nicht nur nach humanitärem Recht verboten, "sondern absolut entsetzlich", so Van der Bellen auf X. "Dieser Horror, der den Menschen in der Ukraine zugefügt wird, muss aufhören."

Das französische Außenministerium erklärte, der "direkte und absichtliche" Angriff auf ein Kinderkrankenhaus könne "der Liste der Kriegsverbrechen" zugefügt werden, für die sich Russland werde verantworten müssen. Auch der neue britische Außenminister David Lammy forderte, die Verantwortlichen für den "illegalen" Krieg Putins müssten zur Rechenschaft gezogen werden.

Das russische Verteidigungsministerium bestätigte Raketenangriffe, die angeblich Rüstungsfabriken und Militärflugplätzen der Ukraine galten. Die vielen Videobilder aus Kiew belegten, dass die Schäden durch eine ukrainische Flugabwehrrakete verursacht worden seien, hieß es ohne Beleg. Die Erschütterung der Ukrainer über den Angriff tat das Moskauer Militär als "Hysterie des Kiewer Regimes" ab, wie sie sich immer wieder vor Zusammenkünften der NATO zeige. Ukrainischen Berichten zufolge wurde noch ein zweites Krankenhaus in der Hauptstadt auf der anderen Seite des Dnipro beschädigt.

Der ukrainischen Luftwaffe zufolge feuerte das russische Militär Marschflugkörper und mehrere Hyperschallraketen des Typs Kinschal (Dolch) auf Ziele in der Dreimillionenstadt ab. Neben Dnipro und Krywyh Rih wurden auch die frontnahen Städte Slowjansk und Kramatorsk im ostukrainischen Gebiet Donezk zu Zielen. Industrieanlagen, Infrastruktur, Wohn- und Geschäftsgebäude wurden beschädigt. In Krywyj Rih kamen nach Angaben der dortigen Behörden zehn Menschen ums Leben. 41 Menschen seien verletzt worden. In der Großstadt seien mehrere Einschläge gemeldet worden, berichtete Bürgermeister Olexandr Wilkul. Es gebe unter anderem Schäden am Verwaltungsgebäude eines Industrieunternehmens. Der private Stromversorger DTEK berichtete von Schäden an drei Trafostationen in der Hauptstadt.

Auch im Osten des Landes gab es russische Raketenangriffe. Mindestens drei Menschen seien in der Stadt Pokrowsk getötet worden. Eine Rakete habe ein nicht näher bezeichnetes Gebäude getroffen, erklärte der Gouverneur der Region Donezk auf dem Kurzmitteilungsdienst Telegram. Örtliche Medien berichteten auch von Explosionen in Dnipro und Kropywnyzkyj in der Zentralukraine.

Bei der Explosion einer Mine in der ostukrainischen Region Charkiw wurden nach Angaben des örtlichen Gouverneurs fünf Zivilisten getötet. Ihr Auto sei auf einer unbefestigten Straße in einem Wald über die Mine gefahren, erklärte Oleh Synjegubow am Montag in Onlinediensten. Bei den Opfern handle es sich um einen Mann, zwei Frauen, einen fünfjährigen Buben sowie ein drei Monate altes Baby.

Die Ukraine verteidigt sich mit westlicher Hilfe seit mehr als zwei Jahren gegen die russische Invasion. Kiew drängt seine Verbündeten dabei immer wieder auf die Bereitstellung von noch mehr modernen Flugabwehrsystemen.

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