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Konkret geladen war der Rechtsmediziner Stefano Longato, seines Zeichens einer von zwei externen Gutachtern, die nicht von den offiziellen Behörden, sondern von Ex-Politiker und Buchautor Peter Pilz beauftragt worden waren. Daran stießen sich die NEOS, weil private Gutachter weder behördlich handelten noch Wahrnehmungen zum Handeln von Behörden hätten. Daher stellten die Pinken auch keine Fragen.
Longato selbst beteuerte bereits in seinem Eingangsstatement, dass es aus fachlicher Sicht keinen Unterschied zwischen privaten Gutachten und behördlich beauftragten geben dürfe. Auch hier würden dieselben naturwissenschaftlichen Prinzipien sowie die Verpflichtung zur Objektivität gelten. Seine Aufgabe sei es auch nicht gewesen, gerichtliche Entscheidungen vorwegzunehmen, zu unterminieren oder bestehende Gutachten zu ersetzen, verteidigte sich der Wissenschafter.
Inhaltlich blieb Longato bei seinem Schluss: Aufgrund der ihm zur Verfügung gestandenen Unterlagen, auf denen sein Gutachten basiert, gebe es in der Causa Pilnacek keine Hinweise auf eine Gewalteinwirkung durch fremde Hand oder auf ein Tötungsdelikt. Die Befunde erlaubten allerdings keine gesicherte Unterscheidung zwischen einem Unfall und einem Suizid. Dennoch existierten Faktoren, die einen Unfall eher plausibel erscheinen ließen, so Longato. Daher könne ein Unfallgeschehen als wahrscheinlichere Erklärung des Todes angesehen werden.
Zuvor war der Leiter der Oberstaatsanwaltschaft Wien, Johann Fuchs, als Auskunftsperson befragt worden. Er selbst habe sich "zu keinem Zeitpunkt als befangen gesehen", wie er betonte. Dass einer seiner Kollegen dies anders empfand, könne er nicht nachvollziehen. Schließlich sei es zunächst nur um die Abklärung eines bedenklichen Todesfalles gegangen.
In dieser Phase habe er lediglich "ein paar Berichte approbiert". In die Ermittlungen selbst sei er nicht involviert gewesen, schließlich war er niemals aktführender Oberstaatsanwalt. Sobald der Akt an die Wirtschafts- und Korruptionsstaatsanwaltschaft (WKStA) ging, war er nicht mehr zuständig, sondern sein Stellvertreter. Sein Wissen beschränke sich hauptsächlich auf Medieninformation, so Fuchs, der als langjähriger Wegbegleiter Pilnaceks gilt: "Ich war weder formell noch informell eingebunden."
Vom Ableben Pilnaceks habe er am Vormittag des 20. Oktobers erfahren. Zunächst habe ihn die Leiterin der Staatsanwaltschaft St. Pölten über die zuvor stattgefundene Geisterfahrt und die Abgängigkeit des ehemaligen Justizsektionschefs informiert. Anschließend über den Leichenfund. Dieser fiel in die Zuständigkeit der Staatsanwaltschaft Krems, die eine Obduktion angeordnet habe, worüber er froh war. In die Entscheidung, das Verfahren der Staatsanwaltschaft Eisenstadt zu übertragen, war er nicht eingebunden.
Der Kontakt mit Pilnacek habe nach dessen Suspendierung abgenommen, so Fuchs: "Bis 2021 haben wir zusammengearbeitet, nach der Suspendierung hat sich die berufliche Freundschaft relativiert." Natürlich sei er betroffen gewesen, dass ein Kollege zu Tode gekommen ist. Der letzte Kontakt zu Pilnacek sei "Wochen oder Monate" vor dessen Tod gewesen. Dass Pilnacek ihm eine SMS nach der Geisterfahrt geschrieben habe, könne er ausschließen. Es habe am 19. und 20. Oktober keine Kommunikation stattgefunden, so Fuchs.
In die Aktenlieferung an den U-Ausschuss sei er nicht eingebunden gewesen. Die Frage nach unsachlicher oder politischer Einflussnahme auf das Verfahren verneinte Fuchs: "Dazu habe ich keine persönliche Wahrnehmung." Auch nicht dazu, dass Pilnacek die ÖVP vor Untersuchungsausschüssen beraten hätte. "Überrascht" sei er darüber gewesen, dass Pilnacek auf einer Tonbandaufnahme in einem Wiener Lokal gesagt hat, dass die ÖVP Einfluss nehmen wollte.
Er selbst habe berufliche Kontakte mit Politikern nur bei offiziellen Veranstaltungen. In politische Netzwerke sei er nicht eingebunden, so Fuchs: "Ich wohne im Burgenland und bin auf dem Wiener Parkett nicht wirklich präsent."
Nach der Befragung im abhörsicheren Lokal endete die Sitzung. Als Auskunftspersonen am Donnerstag sind zwei weitere Rechtsmediziner geladen - davon ein Privatgutachter und ein behördlich beauftragter Sachverständiger. Dann geht der U-Ausschuss in die Sommerpause. Erst Mitte September setzt er seine Arbeit fort, dann dürften auch prominente Politiker aus der ÖVP wie Ex-Innenminister Wolfgang Sobotka und der derzeit amtierende, Gerhard Karner, befragt werden.
