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Pulverfass Maturareise

Party bei militärischem Sperrgebiet: Botschaft "erschüttert", Veranstalter: "kein Problem"

  • Bild 1 von 4 © Bild: Acapulco Resort

    24 Stunden Alkohol und Feiern neben militärischen Sperrgebiet: Die Maturareisen-Veranstalter DocLX und Ruefa im Kreuzfeuer der Kritik.

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    Tausende Maturanten wollen im Rahmen der Maturareise X-Jam in den Norden Zyperns ihren Schulabschluss feiern. Die Schülerunion und die Bundesschülervertretung machen sich Sorgen.

Bei dieser unglaublichen Geschichte hat man schon die Verfilmung vor Augen: Fröhlich feiernde Maturanten trinken rund um die Uhr Alkohol und feiern ausgelassen Party in Nordzypern. Doch was die sorglosen Schulabgänger nicht wussten: Ihre Freizeitanlage liegt nicht nur auf militärisch besetzem Gebiet, sondern es befindet sich auch noch eines der größten Munitionsdepots Nordzyperns direkt neben dem Hotel.

Die Maturareise "X-Jam", veranstaltet von DocLX und Ruefa, geht im Sommer 2012 in den nördlichen Teil Zyperns, genauer gesagt in das Hotel "Acapulco Beach Club and Resort". Doch davon, dass die Freizeitanlage neben militärischem Sperrgebiet liegt, auf dem es laut Botschaft verboten ist zu filmen oder zu fotografieren, steht nichts in den Unterlagen bzw. auf der Website, so die "erschütterte" zypriotische Botschaft in ihrer Stellungnahme zur APA.

Veranstalter: "Handelt sich um Ferienort für Sicherheitskräfte"
DocLX und Ruefa hingegen beteuern: "Wir sind sicher, dass auch diese Maturareise ohne Probleme bei Ein- oder Ausreise stattfinden wird." Die Schulabgänger sollen mit eigens gecharterten türkischen Maschinen des Typs Airbus A 321 bequem von allen Flughäfen Österreichs zu ihrem Reiseziel geflogen werden. Das Hotelressort Acapulco soll entgegen zahlreicher Behauptungen in keinem militärischen Sperrgebiet liegen. Dabei legen die Veranstalter ein Schreiben des Tourismusministers Nordzyperns vor, indem garantiert wird, dass "es sich bei der angeblichen militärischen Zone (...) um einen Ferienort für Sicherheitskräfte handelt."

Botschaft bestätigt: Einreise illegal
Die zypriotische Botschaft weist in ihrer Stellungsnahme allerdings darauf hin, dass der so genannte "Tourismusminister" die Sicherheit der dortigen Gäste nicht garantieren kann - insbesondere nicht im Zusammenhang mit militärischen Anlagen. Denn sowohl die Armee als auch die Polizei unterstehe in den besetzten Gebieten dem Kommando der türkischen Besatzungsarmee.

Die Einreise nach Zypern über die besetzten Gebiete ist nach zypriotischem Recht illegal. So rät z. B. der ÖAMTC auf seiner Webseite Touristen eindringlich, über diese Stellen nicht einzureisen. Im Falle einer akuten gesundheitlichen Notlage bestünden daher gravierende Schwierigkeiten, betroffene Reisende rasch nach Österreich ausfliegen zu können. Auch ein Krankentransport zum international anerkannten (in den freien Gebieten liegenden) Flughafen von Larnaka sei - aufgrund der bestehenden rechtlichen Probleme - mit Schwierigkeiten verknüpft.

Bestätigt: Riesiges Munitionsdepot hinter dem Hotel
Von dem militärischen Sperrgebiet hinter dem Hotel sei weiters in der Stellungsnahme der Veranstalter keine Rede, stattdessen würde darauf hingewiesen, dass es sich bei dem Gelände neben dem Hotel lediglich um eine Freizeiteinrichtung des Militärs handeln würde. Die Botschaft weist erneut darauf hin, dass nach mehrfach belegten Informationen des zypriotischen Außenministeriums direkt hinter dem Hotel eines der größten Munitionsdepots in den besetzten Gebieten liegt.

Fotografieren oder Filmen strafbar
Besonders brisant ist der Hinweis der zypritotischen Botschaft, dass das Fotografieren oder Filmen derartiger Anlagen "verboten und strafbar" ist und "zumeist sehr streng gehandhabt" wird (Arrest, empfindliche Geldstrafen). Wie ernst diese Warnung zu nehmen ist, beweist u. a. der Umstand, dass im März 2011 sogar mehrere Europaabgeordnete und Geistliche wegen Missachtung dieses Verbots von der Besatzungsarmee in den besetzten Gebieten verhaftet wurden.

Kein diplomatischer Schutz
Die unmittelbare Nähe des Hotels zu einem Munitionsdepot sei nur eines der Probleme, die mit dieser Großveranstaltung in den besetzten Gebieten verbunden ist. Es bestehen auch andere Risiken und Rechtsprobleme wie z. B. der fehlende konsularische Schutz oder der Umstand, dass Reisende in den besetzten Gebieten nicht über die rechtlichen Sicherheiten der sonst üblichen, international geltenden Verträge verfügen.

DocLX: "Urlaub auf Zypern ist sicher!"
"Wir waren selbst vor Ort", so Dr. Alexander Knechtsberger, DocLX, "und haben Hotel und Umgebung sehr genau in Augenschein genommen. (...) Die Aussagen entbehren jeglicher Grundlage und sollen sichtlich die Jugendlichen verunsichern. "Urlaub auf Zypern ", so Ruefa und DocLX, "ist sicher!"

Weiterführende Links und Telefonnummern:
Vollständige Stellungnahme von DoclX und Ruefa
Vollständige Stellungnahme der Botschaft Zyperns
X-Jam-Serviceline unter +43 (0)1 370 70 007
Botschaft der Republik Zypern unter +43/1/51306 30 21

Kommentare

Explosion auf Militärstützpunkt: Zyprische Regierung tritt zurück Obige Schlagzeile ist der "FAZ" vom 28.07.2011 entnommen. Im Norden ist noch kein Munitionslager in die Luft geflogen, im "freien" Südteil ist heuer im Juli ein derartiges Lager explodiert.
Das Problem mit der Einreise kann man einfach lösen: Flug nach Larnaca, Bus nach Kyrenia.
Ich denke die Sache wird von diversen Neidgenossenschaften hochgeputscht.

Auch bei uns Auch in Österreich gibts Hotels, die direkt an militärischem Sperrgebiet liegen. Und da regt sich auch keiner auf, wenn man zB Winterurlaub in Hochfilzen macht. Wird wohl die beleidigte Konkurrenz und der normale Zypern-Wahnsinn sein.

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