Arbeitsrecht von

Go für Zwölf-Stunden-Arbeitstag

Bei Gleitzeit und Tagesarbeitszeiten - Neuer Gesetzesentwurf soll im April kommen

Büroarbeit (Symbolbild) © Bild: Thinkstock

Anfang März haben Wirtschaftsminister Reinhold Mitterlehner (ÖVP) und Sozialminister Rudolf Hundstorfer (SPÖ) angekündigt, dass sie unter bestimmten Umständen längere Tagesarbeitszeiten zulassen wollen. Eine Einigung darüber soll bis zur Jahresmitte stehen, daher sollte der Gesetzesentwurf noch im April in Begutachtung gehen, hieß es am Mittwoch in Wirtschafts- und Sozialministerium.

Schon im Regierungsprogramm Anfang Dezember war angekündigt worden, dass bei Gleitzeit oder aktiver Reisezeit die tägliche Arbeitszeit auf bis zu zwölf Stunden steigen soll. Am 6. März haben die beiden für das Thema verantwortlichen Minister dann ein "Arbeitszeitpaket" angekündigt, wonach Arbeitnehmer bei Gleitzeit künftig bis zu zwölf Stunden arbeiten dürfen, es darf ihnen aber auch der Arbeitgeber bis zu zwölf Stunden Arbeit anordnen. Die Wochenarbeitszeit soll aber unverändert bleiben.

Auch wenn ein Teil der Tätigkeit auf Reisezeit entfällt, darf der Arbeitstag laut Ministervorschlag von Anfang März zwölf Stunden lang werden. Lehrlinge dürfen bei passiver Reisezeit, also wenn sie mitfahren, bis zu zehn Stunden arbeiten. Damit sollen Montagearbeiten und Dienstreisen erleichtert werden.

Wöchentliche Maximalarbeitszeit 50 Stunden

Zuschläge für Überstunden müssen aber erhalten bleiben, auch sollen die Regeln zur Wochenarbeitszeit davon nicht berührt sein. Insbesondere gilt weiter die wöchentliche Maximalarbeitszeit von 50 Stunden.

An diesen Kernzielen hat sich nichts geändert, hieß es heute in den beiden Ministerien. Wie das im Detail geregelt wird, ist aber noch nicht beschlossen. Während sich das Wirtschaftsministerium nun nahe am Ziel sieht, bremst man im Sozialministerium noch ein wenig: Die Verhandlungen seien nicht abgeschlossen, heißt es dort. Es sei aber realistisch, dass es noch im April eine Einigung gibt. Offen ist auch, ob die Verabschiedung der Arbeitszeit-Regeln gekoppelt wird mit längeren Urlaubszeiten dem Pensionsmonitoring oder anderen von der Regierung geplanten Neuerungen im Sozialbereich.

Mitterlehner erhofft sich aus der Neuregelung bessere Freizeitgestaltungsmöglichkeiten für die Arbeitnehmer und besseren Gestaltungsspielraum bei der anfallenden Arbeit. Das sei "aus unserer Sicht eine Win-Win-Situation", so der Minister am Mittwoch "ORF-Morgenjournal".

270 Mio. Überstunden im letzten Jahr

Die österreichischen Arbeitnehmer haben auch im Vorjahr fleißig Überstunden angesammelt. Insgesamt wurden 270 Millionen Stunden an Mehrarbeit geleistet, geht aus einer parlamentarische Anfrage des SPÖ-Abgeordnetem Erwin Spindelberger hervor. Damit ist die Zahl der Überstunden um elf Prozent im Vergleich zu 2012 zurückgegangen.

Spindelberger verweist auf eine WIFO-Studie, wonach im Jahr 2012 rund 68 Millionen Überstunden unbezahlt geleistet wurden. Seine Erkenntnis daraus: "Wir müssen alles dran setzen, dass insgesamt die Überstunden zurückgehen und die, die geleistet werden, bezahlt werden."

Kommentare

Die Vorfahren der Gewerkschaftsbewegung müssen sich im Grabe umdrehen!!!
Seit 1889 (16 Std.) kämpfen sie um eine Arbeitszeitverkürzung und im Jahr 2014 gibt es Menschen die freuen sich über einen Verschlechterung auf einen 12 Std. Arbeitstag. (Erst 1975 bekamen wir den 8 Std Tag).
Das ist ein Rückschritt ins Jahr 1919! Damals wurde auch der 12 Std. Arbeitstag bejubelt.

chri999 melden

Ich verstehe das so:
Heute: 38,5 Std, 5 Tage/Woche=7,7 Std/Tag–die MAXIMAL erlaubte Arbeitszeit/Tag ist derzeit 10 Std
Vorschlag: 38,5 Std, 5 Tage/Woche=7,7 Std/Tag–die MAXIMAL erlaubte Arbeitszeit/Tag ist derzeit 12 Std
Max. 50 Std/Woche bleibt gleich, ebenso die Bewertung der Zuschläge
Was ist daran schlecht in Notfällen 12 Std arbeiten zu dürfen?

wintersun melden

Es ändert sich also nichts außer dass man jetzt mehr Überstunden (2h) machen DARF wenn man z.B. am Montag enorm viel Arbeit hat, aber am Donnerstag dafür weniger. Ist das so richtig?

Wenn ich das richtig verstehe dann sehe ich dabei eher Vor- als Nachteile.

chri999 melden

Richtig. Ich sehe es genauso als Vorteil. Meldungen wie "wir haben jetzt dann einen 12 Std Tag" sind nicht nur falsch sondern entbehrlich... denn dann hätten wir jetzt schon einen 10 Std. Tag :)

wintersun melden

Ist das nun gut da flexibler oder schlecht weil vielleicht nun statt Überstunden die normale Zeit verrechnet wird bei Gleitzeit und Reisen?

Was gilt überhaupt als Reisen? Vielleicht kann mir da jemand antworten, ich kenn mich da überhaupt nicht aus.

christian95 melden

Haben wir nicht schon genug Flexibilität?
Wir sind "flexibel" und liefern unser Steuergeld nach Griechenland - weil das für uns ein "gutes Geschäft" ist.
Wir sind flexibel, daher kassieren unsere Sozialleitungen Leute aus den armen Ostblockregionen.
Wir sind flexible und sperren Polizeistationen öffnen die Grenzen usw.
Wo haben wir dabei jemals profitiert?

Arbeitszeiten:

1889 - 16 Std/Tag
1919 - 12 Std/ Arbeitszeit
1975 - 8 Std/Tag
2014 - 12 Std/Tag

strohsack melden

hundsdorfer ist ein verräter an der arbeiterschaft. wo bleiben die arbeiterkammrn und gewerkschaften?

christian95 melden

100% richtig!
Wo sind sie die sogenannten Arbeitnehmervertreter? Wir haben den größten Bankenskandal der 2. Republik aber SPÖ+ÖVP Gewerkschafter und Arbeiterkammerfunktionäre verhindern im Parlament einen U-Ausschuss! Bereits das 5. Jahr in Folge gibt es Reallohnverluste usw.

christian95 melden

Was haben wir nicht schon alles an Verschlechterungen unter dem Titel "Flexibilisierung" hin nehmen müssen?
Unser Steuergeld wandert zu den Schuldenländern,
unsere Sozialleistungen von fleißig arbeitenden Menschen kassieren Arbeitslose aus östlichen Billiglohnländern,
nun sollen wir auch noch länger arbeiten.......

christian95 melden

Es wird nicht lange dauern bis und die SPÖ das unter "gerechter" und die ÖVP unter "ökologischer" verkaufen.
Wahltag ist Zahltag!

christian95 melden

Statt einen Mindestlohn von € 8,50 sollen ALLE (in der Privatwirtschaft) länger arbeiten. Parteigünstlinge beim Staat kassieren weiterhin Pensionen jenseits der 33.000.- und dürfen ab 50 in Pension gehen.

Tavington melden

was?!!!! 12 Stunden pro Tag?! Ist das ein Aprilscherz, oder alle sind deppert geworden? dieses land ist echt zum kotzen!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!!

christian95 melden

Seit 1989 kämpft die Arbeiterschaft um einen 8 Stunden Tag. Faymann und Spindelegger vernichten in wenigen Wochen sämtliche Errungenschaften der vergangenen 100 Jahre! ÖGB und AK schauen dabei zu!!!
Von Viktor Adler bis Kreisky müssen sich sämtliche Sozialdemokraten im Grabe umdrehen!

christian95 melden

Sorry, 1889 sollte es heißen!

Bitte mal etwas nachdenken und nicht alles schlecht machen! Was hat denn dieses Thema jetzt mit dem Lohn zu tun?
Wenn die Zuschläge gleich bleiben, die max. 50 Std/Woche ebenfalls, dann ist das eine gute Flexibilisierungsmöglichkeit für DN und DG und endlich ein Schritt vorwärts.

Menschen in der Privatwirtschaft haben das 5. Jahr Reallohnverluste, sollen nun täglich länger arbeiten und später in Pension gehen....
Parteigünstlinge werden beim Staat versorgt, haben keinen Reallohnverlust, können ab 50 in Pension und können sich bis 33.000 Pension freuen.....

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