Zweites Biathlon-WM-Gold an Björndalen: Norweger holt bereits seinen neunten Titel

Antholz: Sumann als bester ÖSV-Läufer auf Platz 15 Deutschland hat den Superstar: 2. Gold für Neuner

Zweites Biathlon-WM-Gold an Björndalen: Norweger holt bereits seinen neunten Titel

Wie ein "Außerirdischer" flog Ole Einar Björndalen in Antholz über die Loipe und als er nach 12,5 Kilometern landete, war noch lange kein Gegner in Sicht. Der 33-jährige Ausnahme-Biathlet war nach dem Vortagssieg im Sprint auch in der Verfolgung eine Klasse für sich und sicherte sich seinen bereits neunten WM-Titel. Fast überschwänglich freute sich der sonst so ruhige Superstar, der mit zwei Fehlschüssen den Russen Maxim Tschudow (3) um 1:09,8 und den Olympiasieger Vincent Defrasne (FRA/1) um 1:09,9 Minuten auf die Plätze verwies. Christoph Sumann (+1:59,5/2) belegte Rang 15.

Der Tscheche Michal Slesingr, der im Sprint Silber geholt hatte, machte es anfangs spannend, lag nach dem zweiten Schießen sogar 8,5 Sekunden vor Björndalen an der Spitze. Doch das Stehend-Schießen entschied zu Gunsten des Topfavoriten, der Außenseiter fiel noch auf Rang vier zurück. Als Björndalen die letzte Serie fehlerfrei absolviert hatte, ballte er die Faust und gestaltete den letzten Abschnitt ins Ziel zum persönlichen Triumphzug.

Der Wahl-Osttiroler schaffte wie 2005 in Hochfilzen das Double und ist in der Wertung der Einzel-Goldmedaillen (WM und Olympia) mit sieben Stück nun der erfolgreichste Biathlet aller Zeiten. Dennoch jubelte der fünffache Olympiasieger nach dem perfekten Rennen vor 18.000 Zuschauern als ob es seine erste Goldene wäre. "Ich freue mich wahnsinnig, das war ganz speziell heute, vor allem nach dem letzten Schießen", meinte der Superstar, dessen Gattin Nathalie Santer-Björndalen aus dem nahen Toblach stammt.

Nun fehlen dem Weltcup-Spitzenreiter (10. Sieg im 12. von ihm bestrittenen Rennen) nur noch zwei WM-Titel (Einzel und Staffel), um den elffachen Champion Frank Luck (GER) in er "ewigen" Bestenliste einzuholen. Dazu wären so wie in Salt Lake City 2002 bzw. Hochfilzen 2005 insgesamt vier Goldene in Antholz nötig. "Das wird schwierig", meinte Björndalen, der sich aber nicht viel mit Statistik beschäftigt. "Die vielen Siege machen mich stolz, aber wichtiger ist mir das nächste Rennen."

Österreicher träumen weiter von Medaille
Das ist der 20-km-Einzelbewerb, den auch die Österreicher trotz des verpatzten ersten WM-Wochenendes mit neuem Selbstvertrauen in Angriff nehmen. Mit dem schwachen Abschneiden im Sprint (Daniel Mesotitsch als bester Österreicher nur 26., Christoph Sumann 30.) war die Chance auch für die Verfolgung vertan, doch am Sonntag gelang zumindest teilweise Schadensbegrenzung. Der Steirer Sumann verbesserte sich von Rang 30 auf 15, Fritz Pinter von 28 auf 21, während Mesotitsch mit sechs Fehlschüssen auf den 35. Rang zurückfiel.

Sumanns Vorstellung zeigte, dass mit etwas besserem Abschneiden am Vortag viel möglich gewesen wäre. "Die zwei Fehler vom Sprint tun weh, Sumi hätte zwischendurch schon an Rang vier dran sein können", meinte Cheftrainer Alfred Eder. Beim WM-Auftakt am Samstag hatten die Österreicher nicht das beste Ski-Material zur Verfügung gehabt und waren auch körperlich nicht top gewesen. "Aber in der Verfolgung war es viel besser, das war im Vergleich zu gestern Tag und Nacht", meinte Sumann, der volles Risiko nahm. "Das Schießen war okay, aber trotzdem ein Fehler zu viel."

Das Selbstvertrauen ist beim Doppelsieger von Pokljuka ebenso zurückgekehrt wie bei Fritz Pinter, der seine bisher beste Vorstellung nach dem krankheitsbedingten Rückfall im Jänner bot. "Am Samstag war ich geknickt, aber in der Verfolgung hat es gut gepasst", meinte der Kärntner. "Die Sicherheit im Schießen ist zurück, jetzt hoffen wir auf den Einzelbewerb."

Deutschland hat den Superstar: Zweites Gold für Neuner
Deutschland hat seinen neuen Biathlon-Star. Magdalena Neuner tat es Björndalen gleich und holte am ersten Wochenende das Double aus Sprint und Verfolgung. Die 19-Jährige aus der Nähe von Garmisch-Partenkirchen feierte in der Verfolgung am Sonntag trotz vier Fehlschüssen einen Start-Ziel-Sieg vor der Norwegerin Linda Grubben (7,1 zurück/1) und der Vortags-Zweiten Anna Carin Olofsson (SWE/7,6/5).

Neuner trat damit in die Fußstapfen der inzwischen Mutter gewordenen Uschi Disl, der Gleiches in Hochfilzen gelungen war. Die fünffache Junioren-Weltmeisterin hatte im vergangenen April schon den Sponsor von der zurückgetretenen Disl übernommen. Der Vertrag mit dem Tour-de-France-Hauptsponsor Credit Lyonnais bringt ihr einen sechsstelligen Euro-Betrag ein, für die zwei Titel von Antholz kassiert sie vom Deutschen Skiverband und dem Biathlon-Weltverband insgesamt 70.000 Euro brutto an Prämien.

Sportlich und in der Folge auch in finanzieller Hinsicht könnte Neuner im Damen-Biathlon alle Grenzen sprengen. Jahrhundert-Talent Neuner konnte ihr Glück nach dem zweiten Gold kaum fassen. "Ein Start-Ziel-Sieg ist geil, absoluter Wahnsinn. Heute kann ich mich über den Sieg noch mehr freuen als gestern."

(apa/red)