Zweiter Architekt des UNO-Kosovo-Planes Rohan: "Gibt keine realistische Alternative"

Weiterführung des derzeitigen Zustandes sei unhaltbar Bei keiner Lösung ist mit Destabilisierung zu rechnen

Zum UNO-Vorschlag für die Status-Lösung im Kosovo "gibt es keine realistische Alternative", glaubt Albert Rohan, neben UNO-Sondervermittler Martti Ahtisaari der wichtigste Architekt des UNO-Planes, der die südserbische Provinz in eine Art international überwachte Unabhängigkeit führen soll. "Eine Weiterführung des derzeitigen Zustands ist unhaltbar, da mit einer Destabilisierung zu rechnen wäre, die die gesamte Region erfassen könnte", sagte Rohan.

Daher glaube er auch, dass die Mitglieder des Sicherheitsrates "die Weisheit besitzen werden, zuzustimmen". Rohan kündigte an, dass der Lösungsvorschlag im März dem UNO-Sicherheitsrat übermittelt werden soll. An einen Kompromiss bei der am Mittwoch beginnenden, vorläufig letzten, Gesprächsrunde über die Zukunft des Kosovo glaubt Rohan nicht: "Sehr unwahrscheinlich". Mit dem UNO-Lösungsvorschag seien weder Serben noch Kosovaren ganz zufrieden. "Aber unsere Regelung kann beiden Seiten zugemutet werden".

Wie Serbien den Verlust des Kosovo verkraften würden? "Der Kosovo steht seit 1999 nicht mehr unter serbischer Verwaltung. In der Praxis würde sich daher für Serbien wenig ändern. Die ganze Region könnte sich dann aber endlich auf die wirklichen Probleme konzentrieren: die Wirtschaftsentwicklung, Modernisierung der Institutionen und die EU-Annäherung", sagte der Diplomat.

"Belgrad gaukelt der Bevölkerung etwas vor"
Die Serben würden durch den UNO-Plan ohnehin nichts verlieren - "im Gegenteil", so Rohan. Zwei Drittel des Planes seien Vorkehrungen zu Gunsten der serbischen Gemeinschaft. "Wir wollen Bedingungen schaffen, unter denen sie ein normales, sicheres Leben im Kosovo führen können." Doch die "sehr einseitige Darstellung durch Belgrad" wirke dem Verständnis dieses Vorschlags entgegen. In Belgrad werde "alles abgelehnt, was in unserem Plan steht und den Menschen etwas vorgegaukelt, das sich nicht realisieren lässt", sagte der Diplomat und fügte hinzu: "Wenn sich Kosovos Serben unsere Vorschläge ohne Vorurteile ansehen, müssen sie diese nicht ablehnen."

Die Kosovo-Albaner hätten ein einheitliches System ohne Sonderkompetenzen für die Serben vorgezogen. "Aber das ist eben ein Teil des von uns vorgeschlagenen Kompromisses", meinte Rohan in einem Interview mit dem "Kurier".

Der Kosovo sei immer die ärmste Region im alten Jugoslawien gewesen. Es wäre naiv zu glauben, dass sich die Provinz "bald zu einer Art Schweiz entwickeln wird". Aber es gebe wirtschaftliche Aktivitäten, die nach einer Status-Lösung möglich würden. "Die Weltbank bereitet ein Projekt vor, die großen Braunkohlevorkommen zur Energiegewinnung zu verwerten. Diese Energieexporte könnten auf Jahrzehnte hinaus einen Gutteil des Budgets finanzieren", sagte Rohan. (apa/red)