Zweispältige Bilanz für Österreich bei EM: Platz 7 beste Leistung, Junge mit Potenzial

Weidlinger über 3.000-m-Hindernis beste Leistung Watzek, Mayer, Maurer geben Grund zur Hoffnung

Das elfköpfige ÖLV-Team hat bei der Leichtathletik-Europameisterschaft in Göteborg das Ziel mit zwei echten Finalteilnahmen erreicht, für die besten Platzierungen sorgten die Hindernisläufer Günther Weidlinger und Martin Pröll mit den Rängen sieben und neun. Erfreulich waren die Auftritte durch die Diskuswerfer Veronika Watzek und Gerhard Mayer, die Mittelstreckler Daniel Spitzl und Martin Steinbauer bewiesen Kämpferherz. Bei der Hallen-EM 2007 in Birmingham soll es wieder Medaillen für den ÖLV geben.

Obwohl sie für die besten rot-weiß-roten Platzierungen gesorgt hatten, waren Weidlinger und Pröll am Freitagabend nach dem Finale hart mit sich ins Gericht gegangen. ÖLV-Sportdirektor Hannes Gruber schätzt Selbstkritik, meinte aber: "In der ersten Reaktion haben sie das Rennen zu kritisch bewertet. Es war nicht optimal, aber ein siebenter Platz bei der EM ist keine Katastrophe. Bei einem Tempolauf wären sie weiter vorne gewesen." Er selbst habe Weidlinger auch in Anbetracht der Ausgangszeiten zwischen Rang drei und sechs und Pröll zwischen sechs und zehn gesehen. "Und das kam annähernd hin." Zur Sicherheit hatte er aber eine rot-weiß-rote Fahne im Stadion mit dabei.

Alles andere als optimal waren die Ausgangspositionen von Susanne Pumper und Elmar Lichtenegger. Die auf den Marathon umgestiegene Wienerin entschloss sich, ihren 10.000-Tempolauf (bei EM nur ein Lauf, also "unechte" Finalteilnahme) für den Berlin-Marathon bei der EM zu absolvieren und gab nach Überrundung entnervt und fertig auf. "Im Nachhinein betrachtet wäre es besser gewesen, auf den Start hier zu verzichten", weiß auch Gruber. Der seit einigen Wochen am Sitzbein verletzte Hürdensprinter Lichtenegger schied im Vorlauf als Gesamt-22. aus. "Er kam mit Gegenwind in 13,89 Sekunden aber an seine Saisonbestleistung, die er bei Rückenwind lief, ran. Das ist das, was er drauf hat."

Von Daniel Spitzl (1.500 m/Vorlaufzwölfter), der den Qualifikationsstress noch spürte, und Martin Steinbauer (5.000 m/Vorlauf-16.) hatte niemand eine Finalteilnahme erwartet, zumindest waren ihre Leistungen kämpferisch und Potenzial ist da. Sprinterin Bettina Müller-Weissina war als Vorlauf-22. über 100 m ausgeschieden, einer schwachen Leistung folgte eine unglückliche Aussage: "In Österreich bin ich es gewohnt, vorne weg zu laufen, hier waren gleich beim Start zwei neben mir vorne, das hat mich momentan überfordert", betonte die 33-Jährige, die allerdings seit zwei Jahren ihren ersten großen Wettkampf bestritt.

Die Diskuswerfer Gerhard Mayer als 15. (auf das Finale fehlten 57 Zentimeter) und Veronika Watzek als 13. (U23-Rekord aufgestellt) lieferten ein Versprechen für die Zukunft ab. Als ebenso großes Talent gilt auch Hürdensprinterin Marie Elisabeth Maurer, die in den USA studiert und trainiert und die Umstellung auf Europa nicht schaffte. "Sie hat drei Kilo abgenommen und ein Blutbild zeigte, dass sie einen niedrigen Eisenwert hat", sagte Gruber nach einem Gespräch mit Maurers Trainer Rana Reider.

Die Salzburgerin wird nun im Winter viel auf der Flachstrecke für die Grundschnelligkeit machen und eventuell bald auf die 400 m Hürden wechseln, darin liegt für die leichtfüßige Athletin die Zukunft. Maurer und ihre Disziplinkollegin Victoria Schreibeis (Großereignis-Debüt) schieden als Ex-aequo-28. im Vorlauf aus.

Wie lange muss nun Österreich auf die nächste Leichtathletik-Medaille warten? "Für die Hallen-EM in Birmingham bin ich sehr optimistisch. Ich rechne wieder mit Mehrkämpfer Roland Schwarzl, mit Weidlinger und Pröll, wenn sie starten, die Saisonplanungen liegen noch nicht vor." Bei der Hallen-EM 2005 in Madrid hatte es drei Medaillen für das ÖLV-Team gegeben: Silber durch Karin Mayr-Krifka über 200 m und Susanne Pumper über 3.000 m sowie Bronze durch Siebenkämpfer Roland Schwarzl.
(apa/red)