Zweifelhafte Maßnahme: Padua errichtet Mauer um Ausländer-Wohnhausanlage

Stadtverwaltung will damit Kriminalität eindämmen Gouverneuer der Region zieht Vergleich mit Berlin

In der norditalienischen Stadt Padua ist eine Mauer um eine Wohnhausanlage errichtet worden, in der hauptsächlich Einwanderer aus Nicht-EU-Ländern leben. Laut italienischen Medien will die Mitte-Links-Stadtverwaltung von Bürgermeister Flavio Zanonato mit der Maßnahme den ausufernden Drogenhandel und die wachsende Kriminalität um das Immigranten-Ghetto eindämmen.

Seit Jahren gibt es in dem betroffenen Viertel um die Via Anelli ständig Probleme mit Drogenhandel, Prostitution und Auseinandersetzungen zwischen ethnischen Gruppen. Wegen der Klagen der Anrainer wurde schließlich die Errichtung der 84 Meter langen und drei Meter hohen Stahlmauer beschlossen. Das sei, so die Stadtverwaltung, die einzige kurzfristige Möglichkeit, das Problem zu lösen.

Der Gouverneur von der Region Veneto, Giancarlo Galan, zog einen Vergleich mit der Berliner Mauer. Remo Sernagiotto, Fraktionschef von Forza Italia im Regionalrat, meinte, es handle sich um ein Symbol der Kapitulation vor der Kriminalität in einer Stadt, die zum "Beirut des Westens" geworden sei.

Nach dem 26. Juli, als es wieder zu Gewaltakten zwischen den Einwohnern gekommen war, wurden am Eingang des Wohnhausanlage "Serenissima" Absperrungen und ein Check-Point errichtet. Paolo Manfrin, Sprecher von mehr als 500 Anrainern, erklärte, er fürchte sich nicht vor einer "Militarisierung" des Grätzels: "Im Gegenteil, nach zehn Jahren, in denen wir Angst hatten, aus dem Haus zu gehen, ist das genau das, was wir verlangen".

(apa/red)